Bei einem von CDU-Politikern initiierten Mobilitätstreff gibt es viel Bedauern über unzuverlässigen Schienenverkehr aber wenig konkrete Antworten, wie es mit der Bahnmisere weitergeht.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Großes Bedauern, viele Erklärungen, warum die Lage so ist wie sie ist und wenig konkrete Antworten: CDU-Mandatsträger im Rems-Murr-Kreis, also die christdemokratischen Bundes-, Landes-, Kreis- und Lokalpolitiker, hatten am Dienstagabend zum ersten Mobilitätstreff in das Feuerwehrmuseum in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) eingeladen. Und sie waren mit Experten der Branche der Frage nachgegangen: „Wie geht es weiter auf der Schiene?“ Der Anlass liegt auf der Hand: Der Bahnverkehr auf der Remsbahn und der Murrbahn ist für viele Pendler zur täglichen Zumutung geworden.

 

Landrat Sigel: „Wir brauchen mehr Verlässlichkeit“

Wie Landrat Richard Sigel deutlich machte, ist die Verbindung nach Stuttgart eine entscheidende Lebensader für den Rems-Murr-Kreis. „Wir brauchen mehr Verlässlichkeit“, sagte Sigel. Und in puncto Kommunikation und Schnelligkeit führte er die Wieslauftalbahn als Beispiel an. Nach zehn Monaten sei die beliebte Bahn nach der Flutkatastrophe wieder gefahren. Betreiber des Wiesel ist der Zweckverband Verkehrsverband Wieslauftalbahn, der von den Kommunen Schorndorf und Rudersberg sowie dem Landkreis getragen wird. Auch wenn man das 11-Kilometer-Streckennetz mit dem der Deutschen Bahn nicht vergleichen könne, sei dort die Kommunikation über Verschiebungen transparent verlaufen. Sein großer Wunsch: Das Vertrauen nicht zu verspielen und so zu investieren, dass der Schienenersatzverkehr klappe.

Wie geht es weiter auf der Schiene? Viele Hindernisse wurden benannt, viele Fragen zur konkreten Zukunft blieben offen. Foto: Eva Schäfer

Annamaria Dahlmann, die Leiterin Betrieb InfraGO Südwest bei der Deutschen Bahn sagte, sie erlebe jede Woche die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt von Bauarbeiten. „Möglichst gebündelt, möglichst schnell“, laute die Devise. Die Arbeiten müssten aber auch auf andere Bundesländer abgestimmt werden. Doch angesichts der vielen Baumaßnahmen machte sie keine Hoffnung auf Entlastung. Das Bauvolumen sei extrem gestiegen. Man versuche, mehr standardisierte Sperrzeiten für ungeplante Baumaßnahmen einzuplanen.

Arno Beugel, der Geschäftsführer COO Arverio Deutschland GmbH, warf eine lange Liste von Punkten an die Wand, was alles angegangen werden sollte. Die Infrastruktur müsse weniger störanfällig werden und nur das gebaut werden, was auch vernünftig geplant werden könne. Die Fahrgastinfo müsse flexibler werden, Komfort müsste verlässlich zur Verfügung stehen – also Toiletten und Sauberkeit, man müsse ausreichende Kapazitäten schaffen, also Streckenabschnitte mit einem zweiten Gleis ergänzen, außerdem werde der Nahverkehr durch den Fern- und Güterverkehr ausgebremst und vieles andere mehr.

Leere Anzeigetafel am Waiblinger Bahnhof auf Gleis 7 bei der Rückfahrt vom Mobilitätstreff. Foto: Eva Schäfer

Fragen der Zuhörer zeigen, wie tief der Frust über das Bahnchaos ist

„Man müsste, man sollte...“ – diese Liste warf ein Schlaglicht darauf, wie riesig der Modernisierungsbedarf ist. Der Leitende Direktor Bereich Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart, Jürgen Wurmthaler, sagte: „Erwarten Sie nicht zu schnell so viel. Es gibt künftig noch mehr Baustellen.“ Und er regte ein sogenanntes Kriseninterventionsteam an. Die Bahninformation müsse mehr auf den Nahverkehr abgestimmt werden. In der Krisensituation brauche es eine zentrale Info für die Fahrgäste. Steffen Bilger, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verwies darauf, dass die Bundesregierung rund 107 Milliarden Euro für die Sanierung und Modernisierung der Schieneninfrastruktur bereit stelle und mehr Effizienz angesagt sei.

Wie tief der Frust bei Bahnfahrern sitzt, wurde in den Beiträgen aus dem Publikum spürbar. „So geht es nicht, es waren Zustände wie beim Viehtransport“, machte ein Pendler aus Plüderhausen seinem Ärger Luft über die Kurzzüge bei Streckensperrungen. Warum werden nicht automatisch in Stoßzeiten lange Züge eingesetzt? Der Arverio-Sprecher verwies auf eine beschränkte Anzahl von Fahrzeugen, die zur Verfügung stünden. Ein anderer forderte keine Tariferhöhung angesichts des „Bahnmurks“ der letzten Monate. Bahnfahrer Gerd Mühlnikel aus Backnang unterstrich, dass es mit der Pünktlichkeit überhaupt nicht klappe. Die Bahn sollte auch aus Gründen des Umweltschutzes mehr gefördert werden.

Schorndorfer Bahnfan: „Sie sind alle Antworten schuldig geblieben“

Zuhörer Andreas Kleber, ein bekennender Bahnfan, zeigte sich enttäuscht. „Sie sind alle Antworten schuldig geblieben“, sagte er. Auf seiner Heimfahrt nach Schorndorf war die Anzeigetafel am Gleis 7 ausgefallen und dunkel geblieben. „Es ist das Spiegelbild für die Bahn“, sagt er und winkte ab. Dass man auf einem guten Weg sei, das höre er seit zehn Jahren. Für die TRI-Züge müsse man einen Museumszuschlag verlangen, sagte er zugespitzt. Sein Fazit lautet: „Die Bahn hat mehr Freunde als sie weiß und macht ihnen das Leben schwerer als sie ahnt.“