Bahnverkehr in Baden-Württemberg Eine Jungfernfahrt mit viel Bewegung im Zug

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Verkehrsminister Winfried Hermann hat zusammen mit dem Tänzer Eric Gauther den neuen Zugtyp für Baden-Württenberg vorgestellt. Der bietet mehr Platz, freies WLAN und Handyladeplätze.

In Bewegung im Zug für den Zug (von links): Martin Rivoir (SPD), Winfried Hermann, Sven Hantel (Bahn), Eric Gauthier   und Georg Keitel (Verkehrsministerium) Foto: Ministerium
In Bewegung im Zug für den Zug (von links): Martin Rivoir (SPD), Winfried Hermann, Sven Hantel (Bahn), Eric Gauthier und Georg Keitel (Verkehrsministerium) Foto: Ministerium

Stuttgart - Das Rad ist rund, und ab geht’s.“ Nein, Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist mit dem Bewegungsablauf, dem Move, noch nicht zufrieden, also noch einmal „das Rad ist rund, und ab geht’s“. Nun wird’s flüssiger, Hermanns Groove folgt dem seines Nachbarn bei der kleinen Tanzeinlage, Eric Gauthier. Der Kanadier ist nicht nur Tänzer und Choreograf, sondern auch Bewegungsbotschafter – so formuliert das Ministerium tatsächlich – von „bwegt“, der neuen Mobilitätsmarke des Landes. Gauthier hat einen Move für „bwegt“ kreiert, und der Minister fügt kreative Ergänzungen hinzu. Premiere der Show ist eine Jungfernfahrt von Stuttgart nach Sulz mit einem neuen Zug, dessen für Fahrräder oder Kinderwagen vorgesehener Freiraum flugs zur Tanzfläche umgewandelt wird.

Die gute Laune des Ministers lässt sich gut begründen. „Endlich sieht man was, kann mit dem neuen Zug fahren“, sagt Hermann. Sechs Jahre lang hat er für eine Ausweitung des Nahverkehrs im Land gefochten. „Aber immer konnte ich nur Pläne vorstellen, Konzepte darlegen und einen besseren Bahnverkehr für die Zukunft ankündigen. Nun ist er da“. Der von Bombardier hergestellte Zugtyp Talent 2 überzeugt die kleine Reisegruppe mit mehr Platz, komfortablen Sitzen, kostenlosem WLAN samt Steckdosen für die Handy-Aufladung und erfreulich niedrigen Fahrgeräuschen. Zug um Zug werden Züge wie diese durchs Land rollen. Kosten je Zugeinheit: rund 5,5 Millionen Euro. Eigentümer der Fahrzeugflotte ist das Land Baden-Württemberg, die Triebwagen werden an Betreibergesellschaften verpachtet.

Der Zugverkehr wird dichter und besser

Vorausgegangen war dem Verkehrskonzept eine „hoch komplizierte Ausschreibung“, wie Hermann sagt. Das Schienennetz des Landes wurde in knapp 20 Teile aufgestückelt, Eisenbahngesellschaften konnten sich darauf bewerben. Ausgerechnet der Deutschen Bahn als Platzhirsch ist dabei ein Formfehler unterlaufen. Hermann bemühte fünf Anwaltskanzleien, bevor er die DB Regio für einige Gebiete vom Verfahren ausschloss. Vor Gericht hatte die Entscheidung des Ministers Bestand.

Auch er selbst war sich nicht immer ganz sicher, dass die eingehenden Angebote günstig genug ausfallen, um damit den so oft versprochenen besseren und dichteren Zugverkehr zu finanzieren. Nun sieht sich Hermann bestätigt. Während der Laufzeit der Verträge von rund 13 Jahren spart das Land, in dessen Auftrag die Züge fahren, rund eine Milliarde Euro ein. „Übrig bleibt nichts“, sagt Hermann. Alles wird in bessere Züge, bessere Anschlüsse und zusätzliche Verbindungen gesteckt.

Kritische Stimmen sind kaum zu vernehmen. „Das passt schon so“, sagt Martin Rivoir von der SPD-Landtagsfraktion bei der Jungfernfahrt. Und Sven Hantel hat als Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn im Land seinen Frieden damit geschlossen, dass auf manchen Strecken bald Züge von Abellio oder Go Ahead die DB Regio ablösen: „Wettbewerb auf der Bahn ist das eine, unsere Konkurrenz fährt auf den Autobahnen.“ Dass der Kampagne „bwegt“ mitunter ein Schreibfehler unterstellt wird, kümmert Hermann nicht. „Das Wort wird seinen Weg in den Duden finden“. Eric Gauthier­ bekommt während dieser Zugfahrt auf Facebook eine neue Deutung der fünf Buchstaben zugesandt. BW steht für das Land, EG für Eric Gauthier und T für Tanz. „Darauf bin ich noch gar nicht ­gekommen“, sagt er lachend.