Geht es von März 2023 an häufiger umsteigefrei auf der Schiene von Stuttgart nach Wien? Das legt ein Antrag nahe, den Österreichs staatliche Gesellschaft für Schienenverkehrsmarktregulierung, Schienen-Control, Mitte April veröffentlicht hat. Darin beantragt das deutsche Bahnunternehmen Flixtrain die notwendigen Trassenkapazitäten auf dem Schienennetz der Alpenrepublik, um Züge von Wien via Salzburg und München nach Stuttgart und zurück fahren zu lassen. Demnach würde das Angebot am 30. März 2023 erstmals gelten und am 9. Dezember 2023 enden. Am Tag danach tritt ein neuer Fahrplan in Kraft.
Der Antrag enthält auch Fahrpläne für den österreichischen Abschnitt. So würden die Züge am Wiener Hauptbahnhof um 8.46 und 14.46 Uhr abfahren, die aus Stuttgart kommenden Züge erreichten die österreichische Hauptstadt um 13.14 Uhr und um 19.14 Uhr. Angaben zu Fahrplandaten für den deutschen Abschnitt sucht man vergeblich. Und auch Flixtrain will sich noch nicht in die Karten schauen lassen. „Details zu Verbindungen, die wir 2023 anbieten, verkünden wir erst, wenn alle Trassen genehmigt sind. Das ist ein längerer Prozess, normalerweise dauert das bis zum Herbst 2022“, sagt Flixtrain-Sprecher Sebastian Meyer.
Unternehmen hält sich bedeckt
So bleibt auch zunächst unklar, warum die aus Österreich kommenden Züge in Baden-Württemberg in Ulm und Stuttgart halten, in der Gegenrichtung zusätzlich dazu auch noch in Esslingen. Details zu den Plänen könnten noch nicht genannt werden, so Meyer. Den veröffentlichen Dokumenten ist immerhin noch zu entnehmen, dass pro Zugfahrt zwischen Stuttgart und Wien 750 Sitzplätze im Angebot sein sollen.
Durststrecke nach Wien
Nachdem Stuttgart lange Zeit auf der Schiene direkt mit Wien verbunden war – unter anderem mit dem legendären Orientexpress, der bis zu seiner Einstellung 2009 nur noch zwischen Straßburg und Wien fuhr –, war mehr als zehn Jahre lang die umsteigefreie Reise in die österreichische Hauptstadt nicht mehr möglich. Hoffnungen, der zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 wieder eingeführte Nachtzug zwischen Wien und Paris würde auch in Stuttgart haltmachen, zerschlugen sich. Dagegen gibt es seit 12. Dezember eine Tagesverbindung von Frankfurt nach Wien, die auch in Stuttgart hält. Dieser Zug nimmt allerdings nicht den direkten Weg über München, sondern fährt von Ulm aus durchs Oberland an den Bodensee und von dort weiter via Arlbergpass und Innsbruck nach Wien.
Schwieriger Fernverkehrsmarkt
Flixtrain versucht seit 2018 dem Platzhirsch Deutsche Bahn Anteile im Personenfernverkehr auf der Schiene abzujagen. Anders als der Regionalverkehr, der am Tropf der öffentlichen Hand hängt, müssen in diesem Segment die Unternehmen zumindest kostendeckend arbeiten. Von Stuttgart aus bietet Flixtrain derzeit eine tägliche Fahrt nach Berlin an, von Donnerstag bis Sonntag kommt noch ein zweiter Zug hinzu.
„Unser Flixtrain-Angebot ab Stuttgart wird sehr gut angenommen, und wir sehen großes Potenzial in diesem Standort für unser Flixtrain-Netz“, sagt Firmensprecher Meyer. Unter Hinweis auf einen im Mai 2021 aufgenommenen Verkehr in Schweden unterstreicht er, dass Flixtrain ein Angebot sei, „das nicht auf Deutschland beschränkt bleiben soll“.