Stuttgarter Netze Bahn gelingt die Rückkehr durch die Hintertür

Von Jörg Nauke 

Im Bieterverfahren um die Stuttgarter Netze zog die Deutsche Bahn den Kürzeren. Doch jetzt ist das Tochterunternehmen DB Regio plötzlich wieder am Zug.

Es bewegt sich etwas im Schienennahverkehr: Weil Lokführer fehlen, bewegen sich die Konkurrenten DB Region, Go Ahead und Abellio in Personalfragen aufeinander zu. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Es bewegt sich etwas im Schienennahverkehr: Weil Lokführer fehlen, bewegen sich die Konkurrenten DB Region, Go Ahead und Abellio in Personalfragen aufeinander zu. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Nach der gewonnenen Ausschreibung für den Regionalverkehr im Stuttgarter Netz mit Bahnstrecken nach Pforzheim, Mannheim, Heilbronn, Ulm und Tübingen fällt es den siegreichen privaten Eisenbahnunternehmen schwer, erfahrene Lokführer auf dem freien Markt zu finden oder von der Deutschen Bahn (DB) abzuwerben. Das baden-württembergische Verkehrsministerium als Besteller der Leistungen auf der Schiene beobachtet die Lage genau, sieht aber „im Moment“ noch keine Veranlassung, eine Verwarnung auszusprechen, sagte Referatsleiter Georg Keitel unserer Zeitung. Der Übergang der Leistungen von der Bahntochter DB Regio auf die privaten Eisenbahnunternehmen Go Ahead und Abellio Rail erfolgt zwischen Juni 2019 und Dezember 2020.

Vereinbarung mit Go Ahead

Diese Situation ermöglicht es der wegen der Nichteinhaltung von Mindestkriterien vom Vergabeverfahren ausgeschlossenen Deutschen Bahn, vorerst für drei Jahre weiter im Stuttgarter Netz unterwegs zu sein. Mit der Deutschland-Tochter des britischen Konzerns Go Ahead ist vereinbart worden, dass Lokführer der DB Regio über den Betreiberwechsel hinaus per Werkvertrag für das private Unternehmen ihre angestammten Strecken mit Start und Ziel in Stuttgart befahren und sich gleichzeitig ein Bild vom britischen Ableger machen können. Der Betriebsrat des zuständigen DB Regio-Werksbetriebs ist Mitiniator dieser Vereinbarung. Der zweite Betreiber, Abellio Rail Baden-Württemberg, ein Tochter des niederländischen Staatskonzerns, strebt eine vergleichbare Kooperation mit dem bisherigen Monopolisten an. Man sei für Gespräche offen, sagt DB-Regionalleiter David Weltzien.

Wechselwille nicht ausgeprägt

Der Geschäftsführer von Go Ahead, Peter Raue, räumt ein, das Ziel, bis zum Betriebsbeginn etwa die Hälfte der rund 160 benötigten Triebfahrzeugführer von der DB Regio verpflichten zu können, zu hoch gesteckt zu haben. Es brauche aber eine Mischung aus Fahranfängern und erfahrenen Lokführern. Die Bahn-Mitarbeiter scheuen derzeit aber noch den Übergang zur privaten Konkurrenz, auch wegen des drohenden Verlusts erkämpfter Sozialleistungen, die nicht im Tarifvertrag mit der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) verankert wurden. Außerdem ist eine Weiterbeschäftigung in anderen Betriebsteilen der DB garantiert. Aber auch intern ist der Wechselwille, etwa zur S-Bahn, gering ausgeprägt.

Die DB Regio übernimmt auch die Praxisausbildung der bei Go-Ahead in Ausbildung befindlichen Triebfahrzeugführer und garantiert, dass sich die privaten Neulinge nicht als „Schmalspurlokführer“ fühlen müssen. Auch dem Konzern wird geholfen, indem alle fertig ausgebildeten Lokführer des privaten Betreibers in Arbeitnehmerüberlassung auf seinen Netzen eingesetzt werden, um einen pünktlichen Fahrbetrieb sicher zu stellen. Dies ermöglicht auch den Abbau von Überstunden.

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