Elektromobilität Die neuen Stationen für Stuttgart hinken technisch hinterher

Am Kamener Kreuz (A 1/A 2 in NRW) steht einer der größten Schnellladeparks. Im Stadtgebiet sollen die leistungsstarken Stationen möglichst verteilt werden. Foto: dpa/Bernd Thissen

20 neue Schnelllader sollen in Stuttgart für die wachsende Zahl an E-Autos aufgebaut werden. Doch die Autos sind inzwischen leistungsfähiger als die Stationen.

Stuttgart - Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos will die Landeshauptstadt zulegen. Das muss sie auch, denn die Zahl der reinen E-Autos wächst, und sie soll, auch dank dicker Förderprogramme des Bundes, rasch weiter zunehmen. Mit den neuen Stationen soll nicht nur die Anzahl, sondern auch die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Ladepunkte erhöht werden. Beim jüngsten Programm bleibt Stuttgart allerdings hinter den technischen Möglichkeiten der meisten neuen E-Autos deutlich zurück.

 

Schnelllader sollen 50 Kilowatt pro Stunde liefern

Insgesamt 20 Standorte für Schnellladeinfrastruktur die Stadt in vier Losen ausgeschrieben, drei davon liegen in Zuffenhausen. Anders als bei den Normalladestationen mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt sollen die Schnelllader laut der Ausschreibung, die schon am 22. Mai 2021 erfolgte, 50 Kilowatt pro Stunde liefern können. Während die Standorte der Normallader mit den jeweiligen Bezirksbeiräten abgestimmt werden, hat die Stadt die für die Schnelllader vorgegeben. Zusammen mit dem Netzbetreiber Netze Stuttgart habe man sie „im Hinblick auf eine mindestens verfügbare Anschlussleistung von 50 kW“ ausgewählt. Höhere Leistungen seien „im Grundsatz möglich und gewünscht“.

Im nächsten Satz schränkt die Stadt diese Aussage ein. Ob und in welchem Umfang die Stationen mehr Strom aus dem Netz ziehen können, sei „mit einer konkretisierenden Anfrage an den Netzbetreiber“ – eben Stuttgart Netze – „zu klären“. Will er mehr anbieten, muss also jeder Betreiber für jeden Standort eine Abfrage und damit einen bürokratischen Aufwand starten. Der hätte vermieden werden können.

Manche Fahrzeuge haben 200 kW Ladeleistung

Den für 15 Jahre geltenden Zuschlag für die vier Lose haben die Pfalzwerke AG (Ludwigshafen), EnBW mobility, die Stadtwerke Stuttgart und die Allego GmbH (Niederlande) erhalten. Die Stadt stellt die öffentlichen Flächen in dieser Zeit kostenlos zur Verfügung. Die Stationen müssen über die drei gängigen Anschlüsse (CCS/Typ 2/Chademo) verfügen, zwei Fahrzeuge müssen gleichzeitig geladen werden können (mit dem Typ-2-Stecker sind maximal 43 kW möglich).

Bei gleichzeitiger Ladung werden nicht jedem Fahrzeug 50 kW zur Verfügung stehen, sondern die Hälfte. Sonst, so ein Stadtsprecher auf Anfrage, wäre es nötig, an den Standorten „als mindestens verfügbare Anschlussleistung 100 kW zu garantieren, was nicht der Fall ist“.

100 Kilowatt, das ist inzwischen jene Ladeleistung, auf die Autohersteller ihre Fahrzeuge in der Regel auslegen, um die Wartezeit an der „Tankstelle“ bei Langstreckenfahrten erträglich zu halten. Oberklassefahrzeuge zielen bereits in Richtung 200 kW Ladeleistung. Mehr Leistung bedeutet deutlich kürzere Ladezeiten.

Einen kompletten Überblick hat die Stadt nicht

Zur Einordnung: Ein Elektroauto benötigt für 100 Kilometer Fahrstrecke an die 20 Kilowattstunden Strom. Die ließen sich an einer 100-kW-Säule im Idealfall in zwölf Minuten laden. An einer 50-kW-Säule braucht der Wagen dann aber schon 24 Minuten. Ob man bei künftigen Ausschreibungen die geforderte Ladeleistung anhebe, sei noch festzulegen, so der Sprecher der Stadt Stuttgart. Beim Deutschlandnetz des Bundes, für das Fördermittel fließen, werden 300 kW Maximalleistung und 150 kW pro Wagen vorausgesetzt, wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig am Kabel hängen.

Bisher gibt es in Stuttgart Schnellladestandorte zum Beispiel in der Leuschnerstraße 3, am Landtag, bei der EnBW-Verwaltung im Gewerbegebiet Fasanenhof, beim Finanzamt an der Rotebühlstraße, beim ADAC und einen EnBW-Ladepark bei der Uni Stuttgart – mit laut EnBW-Ladeapp bis zu 300 kW Leistung. Öffentlich zugänglich sind laut Stadtsprecher leistungsfähige Ladesäulen des Handels (Aldi, Kaufland, Lidl), an Autohäusern und Tankstellen. Einen kompletten Überblick hat die Stadt nicht, denn die Lademöglichkeiten auf nicht städtischen Flächen werden von der Kommune nicht systematisch erfasst.

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