Bali-Rückkehrer aus Schwäbisch Gmünd Immer wieder Abschied gefeiert

Nach mehr als einem halben Jahr wieder zurück in der Heimat: Ulrike Schwebel und Mick Baumeister Foto: /Gottfried Stoppel

Ulrike Schwebel und Mick Baumeister aus Schwäbisch Gmünd konnten wegen des Coronavirus vier Monate später als geplant von Bali zurückkehren.

Schorndorf/Schwäbisch Gmünd - Wie oft sie ihren Kühlschrank geleert, den geliehenen Motorroller zurückgegeben, Abschied gefeiert haben, das bekommen Ulrike Schwebel und Mick Baumeister nicht mehr zusammen. Sechs- oder vielleicht sogar siebenmal? Tatsächlich glaubte das Paar aus Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) noch auf der Fahrt zum internationalen Flughafen am 4. Juli nicht daran, dass es diesmal klappen sollte mit der Rückreise von Bali nach Deutschland. „Der komplette Flughafen war dunkel. Nur ein einziger Schalter war beleuchtet“, erzählt Baumeister.

 

Der Flieger hob dann aber tatsächlich ab. Fast vier Monate später als geplant kehrten die beiden aus dem Urlaub zurück. Am 24. Dezember war es losgegangen, zweieinhalb Monate hätte die gemeinsame Auszeit auf Bali dauern sollen. „Ich hatte jede Menge Überstunden abzubauen“, erzählt Ulrike Schwebel, die als Sachgebietsleiterin das Schorndorfer Veranstaltungsprogramm während der Remstal-Gartenschau geplant hat. Das Paar hatte eine Unterkunft in der Stadt Ubud gefunden und machte von dort aus Touren mit Rucksack und Roller.

Mehr Angst vor Schlangen als vor Covid-19

Lange sei auf der indonesischen Insel vom Coronavirus nichts zu merken gewesen. Doch irgendwann hätten keine chinesischen Touristen mehr einreisen dürfen, dann sei Anfang März die Maskenpflicht eingeführt worden. „Wir haben uns aber keine Sorgen gemacht“, sagt Ulrike Schwebel. Die Angst vor dem Dengue-Fieber oder Schlangen sei größer gewesen.

Der ursprüngliche Rückflug sei schließlich von 16. auf den 17. März und dann auf den 2. Mai verschoben worden. „Weil wir diesen Flug sicher hatten, haben wir nicht am Rückholprogramm teilgenommen. Wir sollten keine Plätze wegnehmen“, erzählt Mick Baumeister. Hätten er und seine Partnerin gewusst, wie viele weitere Verschiebungen folgen würden, hätten sie sich vermutlich gleich ausfliegen lassen. „Irgendwann dachten wir, dass wir sogar erst Ende August zurückkommen“, sagt Ulrike Schwebel.

Das Paar mietete ein Haus mit Küche, um sich im Fall eines Lockdowns selbst versorgen zu können. „Klopapier haben wir nicht gebraucht, dafür gibt es die Balidusche“, sagt Mick Baumeister und grinst. Aber ganz gefeit gegenüber Hamster-Anfällen waren die Deutschen nicht: „Wir haben uns mit Spaghetti und Tomatendosen eingedeckt“, erzählt Ulrike Schwebel.

Filmkomponist Baumeister gibt Online-Konzert auf Bali

Sie berichtet, dass sie viel über sich gelernt habe. Sie sei überrascht gewesen, wie sehr ihr immer wieder die Unsicherheit zu schaffen gemacht habe. „Ich habe gemerkt, was ich für ein Pflichtbewusstsein habe. Ich wollte meinen Arbeitgeber nicht enttäuschen, konnte nachts schlecht schlafen“, sagt die 56-Jährige, die von April an unbezahlten Urlaub hatte. Mick Baumeister, der als freier Filmkomponist arbeitet und das Gasthaus Stern in Metlangen betreibt, hatte in gewisser Weise Glück im Unglück. „Filmdreharbeiten gab es nicht mehr, und Gastronomie war nicht erlaubt“, sagt der 62-Jährige, dem irgendwann eins gefehlt hat: sein Klavier.

„Freunde haben uns ein E-Piano besorgt“, erzählt Ulrike Schwebel. Sogar ein Online-Konzert hat Baumeister gegeben – mit zwei Stücken, die er auf Bali geschrieben hat. Sowieso haben die beiden Gmünder während ihres Zwangsaufenthalts viele Erfahrungen gemacht, die sie nicht missen möchten.

Hunderte Balinesen beteten für ein Ende der Corona-Krise

Mit anderen Gestrandeten haben sie einen Stammtisch gegründet, haben neue Freundschaften geschlossen. Es gab internationale Kochabende. Das Paar besuchte eine Corona-Zeremonie, bei der Hunderte Balinesen stundenlang dafür gebetet haben, die Bedrohung durch das Virus möge enden. „Wir waren noch nie so lange Zeit 24 Stunden täglich beieinander. Und wir haben gemerkt: Wir sind das beste Team überhaupt“, sagt Ulrike Schwebel und lacht. Und im Juni – als die Zugänge zum Meer wieder geöffnet waren – hat das Paar noch einmal richtig Urlaub gemacht: „Wir waren mit einer balinesischen Familie am Meer. So wird es dort nie wieder sein“, sagt Baumeister und erzählt von leeren Stränden und reiner Luft.

Natürlich haben beide auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, „aber man muss uns nicht bedauern“, stellt Ulrike Schwebel klar. Denn auf Bali sei ihnen direkt vor Augen geführt worden, was es bedeute, kein Geld zu haben: „Dort wurden Hotels, wurde Gastronomiebetriebe geschlossen, weil keine Touristen da waren. Aber von einem Gehalt, von 250 bis 300 Euro, lebt dort eine ganze Familie“, sagt Ulrike Schwebel. Trotzdem seien die Menschen nicht so unzufrieden wie hierzulande: „Das ist uns bei unserer Rückkehr gleich aufgefallen“, sagt sie.

Für die beiden ist klar: Wenn sie eines Tages auswandern, dann nach Bali. Die Lust auf das Land ist ihnen nicht vergangen, im Gegenteil: „Wir werden auf jeden Fall dorthin zurückkehren – wenn es wieder sicherer ist“, sagt Ulrike Schwebel.

Corona und die Touristen

Gestrandet
Ende Januar wurde klar, dass sich die Verbreitung des Coronavirus zu einer Pandemie entwickelte. Bald schlossen viele Länder ihre Grenzen, Flüge wurden gestrichen. In der ganzen Welt saßen Reisende fest.

Rückholprogramm
Mitte März begann die Bundesregierung, im Ausland gestrandete Deutsche in der ganzen Welt nach Hause zu holen. Unter der Internetadresse Elfand.diplo.de konnten sich Touristen melden. Heute spricht man davon, dass mehr als 100 000 Menschen bei der rund einen Monat währenden Aktion, an der Condor, Tui und die Lufthansa beteiligt waren, zurückgeflogen wurden. Ihnen geht in diesen Wochen nun die Rechnung dafür zu.

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