Mit diesem Ansturm hatte die Stadt Ostfildern nicht gerechnet. Wenige Tage, nachdem das Förderprogramm für Solar-Module auf dem Balkon am 1. April gestartet war, hatten die Interessenten die Fördersumme ausgeschöpft. Am 4. April wurde das Programm gestoppt, doch die Warteliste war da schon lang. Die 10 000 Euro im Fördertopf reichten gerade mal für 41 Solarmodule, die mit jeweils 250 Euro bezuschusst werden. Die 86 Anträge, die bereits eingegangen sind, will die Stadt dennoch unterstützen. Dazu werden weitere 20 000 Euro aus dem Etat für den Klimaschutz bereitgestellt.
„Wie bei einem guten Rockkonzert sind die Karten auch mal ausverkauft“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay in der Sitzung des Gemeinderats im Stadthaus. Die SPD-Fraktion hatte im Rahmen der Haushaltsberatung beantragt, das Förderprogrammm für die einfache Energieversorgung mit Balkonkraftwerken auf den Weg zu bringen. „Neben dem Ausbau von Fotovoltaik auf Dächern und Freiflächen sind Solar-Balkonanlagen ein Beitrag zur klimaneutralen Stromgewinnung“, sagte Martina Sandhorst-Schäfer (SPD). Der Vorteil sei, „dass es ein niederschwelliges Angebot ist, welches gerade bei Mehrfamilienhäusern genutzt werden kann.“ 52 solcher Solarkraftwerke gebe es in Ostfildern: „Wir hoffen, dass es durch das Förderprogramm viel mehr werden.“ Sollte das Fördergeld von 10 000 Euro nicht ausreichen, könne sich die SPD eine Aufstockung vorstellen.
Wichtiger Beitrag zur Energiewende
Die hohe Nachfrage hatte auch Jürgen Kleih (Bündnis 90/Grüne) vorausgesehen. Er hatte beantragt, die Summe pro Solarmodul auf 125 Euro zu reduzieren, „damit mehr Interessenten zum Zug kommen“. Dafür fand sich keine Mehrheit. Für Kleih sind Balkonkraftwerke ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. Deshalb laden die Grünen am Samstag, 29. April, ab 9 Uhr vor das Stadthaus im Scharnhauser Park ein. Dort informiert das Team des Deizisauer Unternehmers Nico Deuschle von der Firma Plugin Solar über Möglichkeiten, die Solarkraftwerke auf dem eigenen Balkon bieten.
„Die Nachfrage ist groß“, sagt Deuschle, der Paketlösungen für Kraftwerke auf dem Balkon anbietet. Trotz des Ansturms habe er die Solarmodule vorrätig, sodass sein Team die Anlagen sofort installieren könne. Neben der Beratung zur Technik und über Fördermöglichkeiten zeigen die Experten, wie Solarkraftwerke auf dem Balkon laufen.
Gute Erfahrungen mit dem Balkonkraftwerk
Gute Erfahrungen hat Donald Strobel aus Ruit mit seiner Solaranlage gemacht. Er hat 900 Euro investiert. Von dem Fördertopf der Stadt konnte er noch nicht profitieren. Seit dem 1. Januar 2023 sind die Mini-Kraftwerke auch von der Mehrwertsteuer befreit, die mit 19 Prozent zu Buche schlug. Auch da war er zu früh dran. „Gelohnt hat es sich trotzdem“, findet Strobel, der das Kraftwerk auf seinem Garagendach installiert hat. Im März habe die Anlage 50 Kilowattstunden Strom geliefert. Die Handhabung sei einfach, der Ertrag spreche für sich. Er ist mit der 600-Watt-Anlage „sehr zufrieden“ und kann sich vorstellen, auf 800 Watt aufzustocken. Da sind höhere Hürden bei der Installation nötig.
Nach dem durchschlagenden Erfolg bleibt die Stadt Ostfildern an der Förderung dran: „Wir schlagen vor, die Warteliste mit 86 Einträgen zu finanzieren“, teilte Baubürgermeisterin Monika Bader mit. 30 000 Euro werden gebraucht, um alle Anträge abzuarbeiten. „Wir wissen, dass es mehr Interessenten gibt.“ Wenn die Förderanträge erledigt sind, wird der Gemeinderat über eine Fortsetzung des Programms beraten.