Ballett in Herrenberg Schwänchentanz und klare architektonische Linien

Die Tänzerinnen überzeugen mit einer temperamentvollen Darbietung. Foto: Stefanie Schlecht

Mit „Klang & Tanz“ stellten das Herrenberger Orchester und die Ballettschule Tabea am 9. November ihren zweiten gemeinsamen Abend vor.

Die erste Kooperation mit der Tanzschule Tabea ist schon länger her und fand noch vor der Pandemie statt. Doch diese ist Sabine Blasberg, die seit 2016 das Orchester der Stadt Herrenberg leitet, noch in guter Erinnerung. Und so haben sich das Orchester und die Ballettschule Tabea erneut zusammengetan und ein kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt. Initiiert hatte die Kooperation ursprünglich Sabine Blasberg: „Meine zwei Töchter waren in der Ballettschule, und was sie machen, hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie. Deshalb hatte sie damals eine Kooperation vorgeschlagen und nun vor eineinhalb, zwei Jahren begonnen, erneut einen Abend zu planen. Das Publikum belohnte die Veranstalter mit einem vollen Haus.

 

Mit der beliebten Ouvertüre aus „Tancredi“ (1813) von Gioachino Rossini leitet das Orchester energiegeladen den Abend ein. Anschließend lässt es Edvard Griegs Peer-Gynt-Suiten op. 46 und op. 55 aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erklingen. Die enthalten „Anitras’s Tanz“ und „Solveigs Lied“, und diese Kompositionen setzen die Tänzerinnen der Schule Tabea in roten Kleidern und mit Kopftüchern und Krügen ausgestattet und grazilen, angewinkelten Armhaltungen in Szene. Die Auswahl der Musik hat Sabine Blasberg getroffen: eine Mischung aus tanzgeeigneten Stücken und Kompositionen, in denen das Orchester seine Bandbreite zeigen kann.

Gabriel Faurés „Masques et Bergamasques“ von 1919 verleiht dann der Sehnsucht des Adels im Rokoko nach dem Landleben Ausdruck. Es basiert auf einem Gedicht von Paul Verlaine. Das Herrenberger Orchester spielt die Ouvertüre, das gemessene Menuett und die feierlich-lebhafte Gavotte. Zwar halten sich die Tabea-Tänzerinnen hinter den Kulissen, doch die Stücke ergänzen den vielfältigen Reigen der tänzerischen Kompositionen aus verschiedenen Epochen und Ländern. Auf Kurs Richtung Gegenwart begibt sich das Orchester dann mit dem Thema von „Schindlers Liste“ (1993), das John Williams komponierte und der Geiger Itzhak Perlman unsterblich machte. Das bewegende Solo übernimmt Matthias Blasberg. Mit Edward Elgars „Salut d’Amour“ (Liebesgruß) von 1888 verabschiedet sich das Orchester gefühlvoll in die Pause.

Das Orchester zeigte seine ganze musikalische Bandbreite. Foto: Stefanie Schlecht

Erneut Renaissance-Tänze, diesmal aus „Le Roi s’amuse“ von Léo Delibes (1882), das Delibes für Victor Hugos auf den absolutistischen Hof gemünztes gleichnamiges Stück komponierte, eröffnen den zweiten Teil des Abends. Diesmal nimmt die Ballettschule den Faden auf, und die Tänzerinnen bauen in die temperamentvolle Darbietung mit langen Röcken Charaktertanz-Elemente ein. Auch in hellblauen Tüll gewandete, etwas jüngere Tänzerinnen lassen sich mit grazilen Armbewegungen sehen.

Anschließend versetzt Engelbert Humperdincks um 1880 entstandene „Humoreske in E-Dur“ das Publikum in den sonnigen Süden, und das Orchester erntet viel Applaus. Natürlich darf bei einer Koproduktion von Orchester und Ballettschule Tschaikowskis „Schwanensee“ (1875/76) nicht fehlen. Für Ballettschulen eignen sich dabei besonders „Die kleinen Schwänchen“, und so präsentieren sich die Ballerinen mit weißem Federputz, den obligatorischen Tutus, kreisenden Köpfen und emsiger Beinarbeit auf der Bühne. Anders als im Original sind die Tänzerinnen nicht in einem Quartett, sondern in zwei Dreier-Formationen unterwegs. Insgesamt hatten das Orchester und die Ballettschule vier gemeinsame Proben, zunächst in der Musikschule und dann in der Stadthalle. Dank Audio-Aufnahmen konnten sich die Tänzerinnen frühzeitig auf das Orchester-Tempo einstellen.

Im Juni steht ein Jubiläum an

Klare Linien dominieren nun die Choreografie zu Karl Jenkins Stück „Palladio“ aus den 1990ern, das dem gleichnamigen Manierismus-Architekten gewidmet ist: Während Andrea Palladios Bauten aber in Weiß erstrahlen, haben die Tänzerinnen apartes Schwarz für ihre Kostüme gewählt und erzeugen mit herausschnellenden Armen dramatische Stimmung – und klare Linien ganz wie der Architekt. Als Zugabe kredenzen das Orchester und die Tänzerinnen die „Pizzicato-Polka“ der Gebrüder Strauss von 1869. Hier ist dann viel Raum für Humor, und es gibt auf der Bühne amüsantes Gerangel um die korrekte Präsentation und die besten Plätze, ehe sich die gesamte Tänzerinnenschar zum Finale auf der Bühne einfindet und gemeinsam mit den Musikern viel Applaus empfängt. Im Orchester der Stadt Herrenberg steht übrigens demnächst ein großes Jubiläum an: Am 28. Juni feiert es mit einem Konzert das 50-jährige Bestehen.

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