Ballett und Bildung Myriam Pleva will Arche Dorf Schule gründen
Die Leiterin der gleichnamigen Ballettschule hat ein Objekt im Siebenmühlental im Blick und sucht Sponsoren. Sie wünscht sich ein Unterrichtssystem, das Natur und Kunst einbindet.
Die Leiterin der gleichnamigen Ballettschule hat ein Objekt im Siebenmühlental im Blick und sucht Sponsoren. Sie wünscht sich ein Unterrichtssystem, das Natur und Kunst einbindet.
Im Trainingssaal der Ballettschule Pleva steigt schon das Premierenfieber: Ein großer Auftritt steht bevor, denn Myriam Pleva, Leiterin der Schule, Sängerin, Choreografin, Tänzerin und Schauspielerin, und ihre Tochter Soley präsentieren am 5. und 6. Juli im Renitenztheater das Tanzkabarett „Adam und Pleva“. Mit klassischem Ballett auf Spitze, Jazztanz, metallisch klapperndem Stepptanz, Hip-Hop und Breakdance, dem gesamten Schulensemble, Chansons, die eine besondere Geschichte erzählen, und vor allem mit einer Überraschung: „Wir gründen auf der Bühne das zukunftsorientierte Projekt Arche Dorf Schule und vereinen die beiden Bereiche Kultur und Natur“ kündigt Myriam Pleva an. Einfach so. Als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt, sich ein derart großes Projekt vorzunehmen. Wie die Arche Dorf Schule entstehen und wie Lernen und Leben dort aussehen sollen, weiß sie auch schon. Fehlt nur noch eine Kleinigkeit: Die Finanzierung. Darum nimmt das Tanzkabarett „Adam und Pleva“ beziehungsreich das Thema Spendengala und Sponsoring aufs Korn.
Der Name Pleva steht in Stuttgart für eine Tanz-Dynastie. Anni Marks-Pleva, geboren 1911 in Berlin als Tochter eines Ballettmeisters und einer Opernsängerin, hat 1947 in Stuttgart, in einem Keller beim Marienplatz, die Tanzschule gegründet. Ihr folgte die Tochter Doris, seit 2002 steht mit Myriam Pleva die dritte Generation im Trainingssaal im rosa Haus in Leinfelden-Echterdingen, und mit der 25-jährigen Soley Pleva, Urenkelin der Gründerin, ist die vierte Generation an der Ballett-Stange bereits gesichert. „Wir waren immer eine Frauenfamilie“, sagt Myriam Pleva.
Und meint das nicht nur als Beschreibung einer nicht zu übersehenden Tatsache, sondern auch als gesellschaftlichen Beitrag im Bewusstsein eigener Selbstbestimmung und Stärke. Das will sie auch mit dem Kabarett „Adam und Pleva“ deutlich machen, das seine erste Aufführung im Renitenztheater zum 70-jährigen Bestehen der Tanzschule erlebte. Denn im Namen steckt das Wort Eva, getarnt mit zwei Buchstaben. „In der Rolle der emanzipierten Eva habe ich dem Adam endlich meine Meinung über die ewige Vorherrschaft der Männer und seinen Handel mit Gottvater sagen können“, erinnert sie sich lachend.
Jetzt muss Adam wieder herhalten. Und eine schlechte Figur machen. Er habe sich, so die getanzte und gesungene Story, als großherziger Sponsor einer Spendengala angeboten und dann gekniffen. Die Bühnentruppe lässt sich davon nicht unterkriegen und gründet kurzerhand die „Internationale Union der großen Mütter“. „Wir setzen damit ein humorvolles Zeichen gegen das jahrtausendelange Patriarchat“, erklärt Myriam Pleva. Aber vor allem setzt sie damit das Thema Sponsoring, ohne das die Verwirklichung ihres Wunschprojektes nicht denkbar ist.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Arche Dorf Schule? Mit dem Verein Arche, der sich bundesweit um sozial benachteiligte Kinder kümmert, hat die Schule nichts zu tun. „Es ist ein artgerechtes Schulsystem für Kinder und Jugendliche, das Natur und Kunst einbindet und durch den Praxisbezug effektiveres und lebensnahes Lernen ermöglicht“, schildert Pleva ihr Vorhaben. Sie denkt an künstlerische Fächer als Pflichtunterricht, Glücks- und Empathieunterricht nach skandinavischem Vorbild, Mathematik und Physik sollten in Verbindung mit dem Alltag gelehrt werden und Physiotherapie angewandter Teil des Biologieunterrichtes sein. Als passenden Ort dafür hat sich Pleva die Schlösslesmühle im Siebenmühlental ausgeguckt, die sei mit eigenem Fischteich ideal und stehe obendrein zum Verkauf, seit drei Jahren schon. Noch ist hier allerdings ein gastronomischer Betrieb untergebracht.
Will Eva zurück ins Paradies? Warum nicht, fragt Pleva lachend. Aber die Vision einer ganzheitlichen Pädagogik gehe ihr aus gutem Grund nicht mehr aus dem Sinn, versichert sie. Was sie, vor allem seit Corona, aber auch schon seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums, bei ihren Schülern, den Kindern und Jugendlichen, erlebe und beobachte, mache ihr Sorgen: „Die Kinder klagen über die große Belastung, sind öfter krank und nicht mehr so unbeschwert.“ Immer wieder höre sie von Mobbing, auch Magersucht, bei ihren Schülern noch nie ein Thema, werde zum Problem. Eine Entwicklung, die derzeit allgemein in der Politik und von Experten diskutiert wird.
Myriam Pleva hat die Kinder nach ihren Wünschen gefragt: „Sie wollen mehr Zeit mit Eltern und Freunden, mehr Praxis als Theorie lernen, in der Natur sein, mit Tieren leben.“ Seither träume auch sie von einem solchen naturbelassenen Ort. Ist sie deshalb eine Traumtänzerin? Treibt sie Illusionen auf die Spitze? Oder wäre ihr Projekt auch für die Politik eine Antwort auf die brisanten Fragen zur Situation der Kinder und Jugendlichen?
Myriam Pleva weiß sehr gut, dass der Weg von der Vision bis zur Verwirklichung durch Ämter und Ministerien lang und steinig ist und vor allem viel Geld kostet. „Dafür benötigen wir die amtliche und finanzielle Unterstützung von Politik und Sponsoren“, wird sie deutlich. Manchmal braucht auch diese (Pl-)eva einen Adam.