Bamberger Symphoniker in Stuttgart Gewitter im Saal
Bei den „SKS-Meisterkonzerten“ sorgen die Bamberger Symphoniker und der Pianist Lukas Sternath für feinste Klang-Momente.
Bei den „SKS-Meisterkonzerten“ sorgen die Bamberger Symphoniker und der Pianist Lukas Sternath für feinste Klang-Momente.
Manchmal kommt einer auf die Bühne, und man spürt sofort: Der hat sie, diese Präsenz, die einen Saal erfüllt, er hat dieses Besondere, das uns packen kann, ohne dass wir genau wüssten, woher es kommt. Ist es das Lächeln, das Lukas Sternath in den Saal schickt, bevor er im Beethovensaal am Flügel Platz nimmt? Ist es die Konzentration, mit der er sich beim Warten auf seinen Einsatz mit den um ihn herum sitzenden Musikerinnen und Musikern der Bamberger Symphoniker und mit ihren Klängen verbindet? Tatsache ist: Am Samstagabend hat der Pianist Beethovens (nur numerisch) erstes Klavierkonzert gespielt, das in den späten 1790er Jahren entstand, und die Art, mit der Sternath die Musik durch sich hindurchgehen ließ, hat nicht nur die Kunst verwandelt, sondern auch die Zuhörenden.
Dabei hatte der Auftritt des zurzeit hochgejubelten ARD-Preisträgers von 2022 äußerlich nichts Spektakuläres. Zwar reizt der 24-jährige Wiener die Tempo-Gegensätze gerne ein wenig aus, geht also den Mittelsatz etwas langsamer an als viele andere, das Finale etwas rascher. Aber sein Spiel hat nichts Effekthascherisches und – bei aller Virtuosität – auch nichts Zirzensisches. Mit klarem Konzept, einer starken linken Hand (die man in diesem Stück unbedingt braucht) und großer Klangsensibilität legt Lukas Sternath das Potenzial der Partitur frei. Die Pianissimo-Momente im Largo und, am allerschönsten, im überraschenden Adagio-Einschub kurz vor dem Schluss des Stücks, sind berückend. Die Tonformung, vor allem der Dialog seiner schnellen Finger mit den Klaviertasten, ist ein Kosmos für sich. Das muss er hier auch sein, denn Beethovens Konzert fordert ein pointiertes, stählernes Marcato ebenso ein wie ein weich verbindendes Legato. Sternaths Anschlag steckt voller Nuancen (und Überraschungen!), und er baut Brücken zum Orchester. Allein das Geben und Nehmen zwischen dem Flügel und den solistischen Blasinstrumenten, speziell zwischen dem Pianisten, dem Oboisten und der Fagottistin, ist auf so zauberhafte Weise fein und lebendig, dass auch hier der Schlüssel liegen mag: Sternaths Erfolgsrezept ist gelingende Kommunikation.
Der Anteil des Orchesters daran ist hoch. Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrůša zeigen sich die Bamberger Symphoniker als Spitzentruppe. In den Streicherkollektiven gut gebündelt, auf den Bläserpositionen virtuos und ausdrucksstark, insgesamt dynamisch wie klangfarblich exzellent ausbalanciert. Das hört man auch beim zweiten Stück des Abends. Programmatisch hätte man sich mehr Mut zum Gegensätzlichen gewünscht, aber Beethovens „Pastorale“ geht immer, vor allem wenn die derben Tänze der Landleute, wenn Donner, Blitz und Sturm von so präzise ausformuliertem Ungestüm getragen werden, wie es an diesem Abend der Fall ist. Zwei ziemlich unbekannte Tänze von Beethoven gibt’s als Zugabe, beim zweiten spielt der Dirigent selbst das Tamburin. Und für einen starken Kontrast sorgt nach dem Sommergewitter im Saal immerhin noch die klirrende Kälte des Winterabends.