Bandenkonflikt in Stuttgart Osmanen und Kurden lassen ihre Muskeln spielen

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Die Gruppen Bahoz und Osmanen Germania tauchen in Stuttgart auf, um sich gegenseitig zu provozieren. Die Polizei sprengt die Treffen jeweils.

Mit großen Kontrollen konnte die Polizei zwei Auftritte von Straßenbanden in der Landeshauptstadt unterbinden. Foto: dpa
Mit großen Kontrollen konnte die Polizei zwei Auftritte von Straßenbanden in der Landeshauptstadt unterbinden. Foto: dpa

Stuttgart - Der Auftritt einer fast 100-köpfigen Gruppe am Samstagabend in der Stuttgarter City sollte eine Machtdemonstration der kurdisch geprägten Gruppe Bahoz sein. Davon gehen die Polizei und das Landeskriminalamt aus. Vermutlich reagierten die jungen Männer damit auf den Versuch einer Gruppe der Osmanen Germania, einer als türkisch-nationalistisch einzustufenden Gruppe, nach Stuttgart zu kommen. „Wir gehen davon aus, dass die Osmanen nach einer bundesweiten Razzia gegen sie wieder ein Lebenszeichen geben wollten“, sagt Sigurd Jäger, der Inspektionsleiter für organisierte Kriminalität des Landeskriminalamts (LKA). Deswegen hätten sie sich am Mittwoch auf den Weg nach Stuttgart gemacht.

Kurden treten unter dem Naman Bahoz auf

Auf diesen geplanten Ausflug der türkisch-nationalistischen Gruppe reagierten dann wiederum die Anhänger von Bahoz und trafen sich am Samstag in Stuttgart. Die Polizei war mit rund 60 Beamten im Einsatz, um die etwa 100 Personen aufzuhalten. Als die Einsatzkräfte sich näherten, rannten die Männer davon. Mehr als 20 konnte die Polizei aber kontrollieren. Dabei stellte sie fest, dass die Männer der Gruppe Bahoz zuzurechnen seien. Das kurdische Wort Bahoz bedeutet Sturm.

Polizei kann die Gruppen jeweils stoppen

Einen Besuch der Osmanen am Mittwoch in der City konnte die Polizei unterbinden, da Zeugen Alarm geschlagen hatten. Sie sahen, wie sich die auffällige Gruppe auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) versammelte. Die Polizei fing sie mit Kontrollpunkten in Feuerbach und am Pragsattel ab und kontrollierte einige von ihnen auch noch in der Eberhardstraße.

Warum es beide Gruppen – erst die Osmanen am vergangenen Mittwoch, nun die Bahoz – in die Eberhardstraße zog, dafür hat die Polizei keine Erklärung. Denkbar wäre, dass sie sich diese Ecke der Stadt ausgesucht haben, weil die kurdisch geprägte, inzwischen verbotene Red Legion früher am Josef-Hirn-Platz ihr Stammlokal hatte. Die Bar existiert zwar nicht mehr, dennoch gefällt der kurdischen Gang diese Ecke offenbar immer noch sehr gut.

Die Osmanen Germania firmieren als Boxclub, betreiben diesen Sport aber nicht. Ebenso wenig fahren sie Motorrad, werden aber aufgrund ihrer Vereinskluft und ihrer Organisationsstruktur – einer Lederweste mit großem Emblem auf dem Rücken – von der Polizei als rockerähnliche Gruppe eingestuft. Eine solche „Kutte“ haben die kurdischen Bahoz-Anhänger nicht. Aber eine Vorgeschichte, in der diese Art der Kluft eine Rolle spielt. Viele ihrer Anhänger sind der Polizei als frühere Mitglieder der inzwischen verbotenen Straßenbande Red Legion bekannt. Nach dem Verbot sammelten sie sich erst unter dem Namen Stuttgarter Kurden, später nannten sie sich Sondame.

„Was uns bei beiden Gruppen Sorge macht, ist die zunehmende Politisierung“, sagt Jäger vom LKA. Häufig würden die Gruppen auf Meldungen aus der Türkei reagieren. In letzter Zeit sei es ruhig gewesen. Anders sah es im Frühsommer aus. Da trafen die Gruppen nicht nur am Rande einer Demo in Stuttgart aufeinander. Danach ereigneten sich in Stammheim und Ludwigsburg noch zwei Überfälle, bei denen Anhänger beider Gruppen verletzt wurden. Im Juli überfielen Bahoz-Leute einen Dönerstand in Ulm, der einem Osmanen-Anhänger gehören soll.

Beim LKA schätzt man, dass es in Baden-Württemberg etwa 200 Osmanen- und etwa 100 Bahoz-Anhänger gibt. Beide Gruppen seien bisher nur mit Machtkämpfen aufgefallen. Straftaten im Rotlichtmilieu, wie sie der ebenfalls rockerähnlichen Bande United Tribuns zugeschrieben werden, seien von Bahoz und Osmanen nicht bekannt, sagt der LKA-Experte Jäger.

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