Bandenkrieg in der Region Stuttgart Mutmaßlicher Schütze von Mettingen soll im Gefängnis bleiben

Vor dem Landgericht Stuttgart wurde der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Schützen von Esslingen-Mettingen nach einer Revision neu aufgerollt. Foto: Marijan Murat/dpa

Der Straßenkampf begann im September 2022 mit den Schüssen in Mettingen: Insgesamt 19 mal sollen gegnerische Gangs in dem Esslinger Stadtteil aufeinander gefeuert haben. Einer der mutmaßlich Beteiligten steht nun erneut vor dem Landgericht Stuttgart.

Der Nachhall der Schüsse von Esslingen-Mettingen im Zuge eines Bandenkriegs ist immer noch nicht verklungen. Im Prozess gegen einen der mutmaßlich Beteiligten wurden die Plädoyers gehalten.

 

Der Prozessauftakt war emotional gewesen. Der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann hatte der Mutter des 34-jährigen Angeklagten nach dem Ende des ersten Verhandlungstages erlaubt, vom Besucherbereich nach vorne in den Gerichtssaal zu kommen. Sie sollte ihren Sohn, den sie wohl seit anderthalb Jahren nicht gesehen hatte, in die Arme schließen können. Bis sie ihn wieder in Freiheit sieht, könnte es noch eine Weile dauern. Denn im Prozess vor der 19. Kammer des Landgerichts Stuttgart wurden die Schlussvorträge gehalten.

Ein Höhepunkt der Gewaltserie im Bandenkrieg war der Granatenwurf von Altbach Anfang Juni 2023 gewesen. Die Sicherheitsvorkehrungen während der Prozesse vor dem Landgericht Stuttgart waren hoch. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen versuchten Totschlags eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Die Verteidiger plädierten auf eine Haftstrafe nicht über vier Jahren. Damit blieben beide Strafanträge unter dem zuvor gesprochenen Urteil. Wegen seiner Beteiligung an der Schießerei in Mettingen hatte die erste Schwurkammer des Landgerichts den in Esslingen Wohnhaften im November 2023 zu sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Gegen den Schuldspruch wurde Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil aufgrund eines Verfahrensfehler und der Prozess wurde Mitte Februar vor einer anderen Strafkammer erneut aufgerollt.

Bruder sitzt nach Schüssen im Rollstuhl

Im Laufe der Verhandlung war der Angeklagte geständig gewesen und hatte seine Beteiligung an den Schüssen von Mettingen im September 2022 eingeräumt. Im Zuge des Bandenkriegs sei auch auf seinen Bruder geschossen worden, der an den Folgen der Verletzungen fast gestorben wäre. Dieser Vorfall habe ihm die Augen über die Gefährlichkeit dieser Schießereien geöffnet.

Am Tag vor der Schießerei habe er einem Mitglied der gegnerischen Bande auf einem Parkplatz in Mettingen ein blaues Auge verpasst. Am nächsten Tag habe der Angegriffene zusammen mit einigen Kumpeln in der Obertürkheimer Straße auf ihn geschossen. Er sei hinter einen Mittelklassewagen geflüchtet, so der Angeklagte, habe im Laufen eine Schreckschusspistole gezogen und vier Mal geschossen. Als er keine Schüsse mehr gehört habe, sei er hinter dem Auto hervorgekommen und habe noch zwei Mal in Richtung seiner fliehenden Gegner gefeuert.

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