Bandenkrieg in Stuttgart Osmanen-Mitglied bekommt Haftstrafe

Von red/dpa/lsw 

Osmanen gegen Kurden, Kurden gegen Osmanen. Bei der Aufarbeitung eines blutigen Bandenkriegs in Stuttgart und Ludwigsburg im Jahr 2016 ist eine weitere Haftstrafe ergangen.

Wann das Urteil am Landgericht Stuttgart gesprochen wird, ist noch offen. Foto: dpa
Wann das Urteil am Landgericht Stuttgart gesprochen wird, ist noch offen. Foto: dpa

Stuttgart - Nach blutigen Kämpfen zwischen Straßengangs in Stuttgart und Ludwigsburg im April 2016 ist ein 25-Jähriger zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte kurz vor dem Urteil am Mittwoch zugegeben, in einer Gruppe von Anhängern der türkisch geprägten Gang „Osmanen Germania BC“ in Stuttgart einen Kontrahenten der „Stuttgarter Kurden“ mit einem Klappmesser angegriffen und am Arm verletzt zu haben. Bei früheren Verfahren zu den Auseinandersetzungen sind schon mehrere mehrjährige Haftstrafen gegen beide Seiten verhängt worden.

Verurteilt wurde der 25-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, nicht wegen versuchten Totschlags, wie es in der Anklage stand. Die Staatsanwaltschaft sah Tötungsvorsatz und hatte sechs Jahre Haft gefordert. Das Opfer war am 20. April 2016 auch mit einem Baseballschläger traktiert und am Boden liegend gegen den Kopf getreten worden. Der Mann überlebte schwer verletzt. Auch der 25-Jährige soll ihn getreten haben. Die Tat im Stuttgarter Stadtteil Stammheim gilt als Auslöser eines ebenfalls blutigen Racheakts der Kurden-Gang am Folgetag in Ludwigsburg.

Ein anderer Mittäter wurde bereits zu vier Jahren Haft verurteilt

Der Deutsche türkischer Abstammung war laut Gericht direkt nach der Tat mit einem Mittäter in die Türkei geflohen. Mitte April war er am Flughafen in Zürich festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Der mutmaßliche Mittäter ist nach Angaben des Gerichts nach wie vor in der Türkei. Das Gericht glaubte dem 25-Jährigen, dass er diesem Mann damals „einen Freundschaftsdienst“ erweisen wollte, als er ihn zum Tatort nach Stuttgart begleitete. Mitglied des „Osmanen Germania BC“ sei ihr Mandant nicht gewesen, betonte die Anwältin.

Ein anderer Mittäter wurde bereits zu vier Jahren Haft verurteilt. Die „Osmanen“ hätten den möglichen Tod des Angegriffenen billigend in Kauf genommen, hieß es. Der „Osmanen Germania Boxclub“ gilt als von türkischen Migranten dominiert.

Die Gegenseite ist den inzwischen multinationalen „Stuttgarter Kurden“ zuzurechnen, die aus der seit dem Jahr 2013 verbotenen rockerähnlichen Straßengang „Red Legion“ hervorgegangen sind. Im Sommer waren drei Anhänger wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und neun Monaten und vier Jahren verurteilt worden. Sie hatten sich in der Nacht zum 21. April 2016 in Ludwigsburg an dem Racheangriff auf die „Osmanen“ beteiligt.

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