Bandenkrieg in Stuttgart Anklage gegen die Osmanen-Chefs

Von Wolf-Dieter Obst 

Die nationaltürkische Straßenbande Osmanen Germania soll Verbindungen bis hinauf zum türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan haben. Nun wurde gegen die Köpfe Anklage erhoben.

Die nationaltürkische Gruppierung Osmanen Germania hält die Polizei mit Gewaltdelikten in Atem. Foto: dpa
Die nationaltürkische Gruppierung Osmanen Germania hält die Polizei mit Gewaltdelikten in Atem. Foto: dpa

Stuttgart - Im türkisch-kurdischen Bandenkrieg geht die Justiz nun gegen die ganz großen Kaliber vor: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die führenden Köpfe der nationaltürkischen rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania erhoben. Es geht um versuchten Mord, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution, Zuhälterei sowie Waffen- und Drogendelikte. Die Osmanen liefern sich seit Monaten blutige Kämpfe mit Mitgliedern von kurdisch geprägten Straßenbanden – und sie sollen beste Kontakte und Unterstützung bis hinauf zum türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan haben, wie die Stuttgarter Nachrichten und das ZDF jetzt enthüllten.

Auf der Anklagebank sitzen der Gründer und Weltpräsident Mehmet Bagci, 47, sein Stellvertreter Selcuk Sahin, 37, und der Präsident der Stuttgarter Osmanen, Levent Uzundal, 34. Alle sitzen seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Weil der jüngste der acht Angeklagten 19 Jahre alt ist, ist für die Verhandlung die 3. Jugendstrafkammer unter Richter Joachim Holzhausen zuständig. Spektakuläre Fälle sind ihm nicht unbekannt: Unter anderem verhandelte er den rechtsextremen Brandanschlag auf Migranten in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) im April 2011.

Prozessauftakt wird im März 2018 erwartet

Schwerpunkt der Vorwürfe sind Vergeltungsaktionen an Aussteigern aus dem angeblichen Boxclub der Osmanen. Eine Rolle spielt auch eine Straßenschlacht am 21. November 2016 in Ludwigsburg, bei der ein 24-jähriges Mitglied der kurdischen Bande Bahoz von einer Gruppe der Osmanen niedergeprügelt und erheblich verletzt worden sein soll. Außerdem soll eine 21-Jährige zur Prostitution gezwungen worden sein.

Die Festnahme der Beschuldigten war nicht minder spektakulär. Am 27. Juni dieses Jahres waren 400 Polizisten in drei Bundesländern im Einsatz. Mit dem Auftakt des Prozesses, der unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen vermutlich in Stammheim stattfinden soll, wird im März 2018 gerechnet.

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