Banken in der Krise Auch die Volksbank zieht sich aus der Fläche zurück

Von bin 

Die Ludwigsburger Volksbank war die letzte in der Region, die noch in jedem Dorf eine Filiale aufrecht erhalten hat. Auch um Kunden der Kreissparkasse zu locken. Doch nun wird die Strategie aufgegeben.

Kleine Volksbank-Filialen auf dem Dorf gehören bald der Vergangenheit an. Foto: factum//Simon Granville
Kleine Volksbank-Filialen auf dem Dorf gehören bald der Vergangenheit an. Foto: factum//Simon Granville

Ludwigsburg - Die Kreissparkasse schließt schon seit vielen Jahren kleinere Standorte in kleineren Ortschaften, ebenso wie die Volksbanken in anderen Landkreisen der Region. Lange hatte die Ludwigsburger Volksbank gehofft, diesem Trend trotzen zu können. Zwar wurden seit einem Strategiewechsel der „Voba“ 2016 die Öffnungszeiten auf den Dörfern auf zwei halbe Tage pro Woche reduziert, doch selbst Mini-Filialen in Orten wie Höpfigheim oder Poppenweiler wurden beibehalten. Die Hoffnung war, dass auch der eine oder andere enttäusche Kreissparkassen-Kunde dies zu schätzen weiß.

Doch nun macht die Bank einen klaren Schnitt. Zum Jahreswechsel werden zwölf kleine Filialen geschlossen, die Kunden werden in die vier Regionalzentren Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Vaihingen/Enz und Marbach verwiesen. Dort sollen sie täglich Termine von 8 bis 20 Uhr ausmachen können. Dafür werden die Standorte Poppenweiler, Hoheneck, Rielingshausen, Metterzimmern, Horrheim, Kleinglattbach, Höpfigheim, Kleinbottwar, Winzerhausen, Schöckingen, Hochdorf und Benningen aufgegeben. „Wir waren die letzten, die noch in der Fläche präsent waren“, erklärt der neue Volksbank-Chef Thomas Palus, „aber es hat sich nicht mehr gerechnet.“

In drei Stunden kommen zwei Leute – einer fragt nach dem Weg

Dabei hat man seit 2016 noch einmal alles versucht: Die Öffnungszeiten wurden auf die Nachfrage zugeschnitten, Selbstbedienungs-Angebote wurden ausgebaut. Doch die kleinen Filialen wurden immer weniger frequentiert. „Wenn zum Beispiel in Rielingshausen drei Stunden offen ist, kommen statistisch gesehen zweieinhalb Leute – und einer von ihnen fragt nach dem Weg“, sagt Palus. Die Hoffnung, ehemalige Kunden der Kreissparkasse anzulocken, deren Filialen geschlossen wurden, hat sich nicht erfüllt. „Obwohl wir in einen Dialog mit den Bürgermeistern, Ortsvorstehern und Kunden gegangen sind und auch mit Flyern für unser Angebot geworben haben“, sagt der Volksbank-Sprecher Bernd Weisheit. Selbst die Nutzung der Geldautomaten sei rückläufig.

Der Service vor Ort wird immer weniger angenommen, der Bedarf an qualifizierter Beratung steigt hingegen. „Der Kunde von heute möchte eine hochwertige persönliche Beratung, benötigt aber nicht mehr die Kleinfiliale direkt vor Ort“, erklärt Thomas Palus. Schon seit Jahren gingen die Besucherzahlen in den Außenstellen um fünf bis sieben Prozent pro Jahr zurück, inzwischen liege der Schwund bei zehn Prozent: „In den vergangenen Jahren hat sich dies durch die zunehmende Digitalisierung beschleunigt.“

Die Minuszinsen belasten die Volksbank

Somit gibt die Volksbank Ludwigsburg als letztes der regionalen Kreditinstitute den Anspruch auf, in der Fläche bis in kleine Ortschaften präsent zu bleiben. Das sei weder sinnvoll noch wirtschaftlich vertretbar, erklärt der Vize-Volksbankchef Joachim Sandner: „Die Kosten, die entstehen, wenn wir eine Kleinstfiliale offen halten, obwohl am Vormittag nur zwei oder drei Kunden vorbeischauen, sind in Zeiten von Minuszinsen nicht mehr finanzierbar.“ Dies könne auch nicht im Interesse der Kunden liegen.

Für die betroffenen Ortschaften ist die Filialschließung ein schwerer Schlag, oft sind sie der letzte Rest Infrastruktur, der noch vorhanden war. So sagt der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann zum Aus der Filiale in Winzerhausen: „Es ist eine privatwirtschaftliche Entscheidung, die es zu respektieren gilt.“ Es entspreche dem Geist der Zeit. Er stellt sich aber die Frage, was mit dem großen Bankgebäude im Ort geschehen soll. Der Steinheimer Rathauschef Thomas Winterhalter sagt: „Für unsere Teilorte ist es schade, dass der Service heruntergefahren wird und die Anlaufstelle fehlt.“ Das sei für eine genossenschaftlich organisierte Bank unverständlich, aber das Ende sei wohl nur eine Frage der Zeit gewesen.

Kreissparkassenkunden wechseln nicht

Auch die Hoffnung, dass in den ehemaligen Filialen wenigstens Geldautomaten oder Selbstbedienungsportale erhalten bleiben, wird sich nicht erfüllen. „Die Bargeldnutzung ist sogar in Deutschland deutlich rückläufig“, erklärt Palus. Da SB-Standorte und Filialen nahezu die gleiche technische Infrastruktur benötigen würden, spare man kaum Geld – rund 70 Prozent der Kosten würden weiterhin anfallen. Stattdessen setzt die Volksbank darauf, Service von der Zentrale in Ludwigsburg in die vier Regionalzentren zu verlagern. In Bietigheim-Bissingen wurde dazu auch die Filiale in der Stuttgarter Straße geschlossen, die als zu eng und dunkel empfunden wurde – alles wird nun in den modernen Standort an der Hauptstraße verlagert.

Einen Lichtblick gibt es für die Volksbank-Kunden in den kleineren Ortschaften wenigstens: Von Oktober an baut die Genossenschaftsbank die digitalen Leistungen zu einem zweiten Standbein aus. „Die Nachfrage nach Service- und Beratungsleistungen über das Internet oder per Telefon nimmt weiter zu“, sagt Palus. Daher wolle man Beratung auch an den frühen Abendstunden oder am Wochenende anbieten. Klar ist: Am 31. Dezember geht in zwölf Filialen endgültig das Licht aus.

Die Kreissparkasse schließ seit vielen Jahren Filialen

Filialnetz
Die vom Landkreis und den Kommunen getragene Kreissparkasse (KSK) hat noch 98 Filialen im Landkreis, davon sind in 61 auch Bankangestellte präsent. Pro Jahr werden seit einigen Jahren etwa fünf Filialen geschlossen, diese Zahl hat der Kreissparkassen-Chef Heinz-Werner Schulte einmal genannt.

Schrumpfkur
In jeder Kommune will man präsent bleiben, aber nicht in jedem Ortsteil. Nach dem Aderlass soll die Zahl der Standorte stabil bleiben, wie der KSK-Sprecher Martin Lober erklärt. Allerdings werden noch mehr Filialen nicht mehr mit Mitarbeitern besetzt, sondern halten nur noch Selbstbedienungsportale oder Geldautomaten vor. Davon hat die Kreissparkasse derzeit 112 im Kreis und 76 so genannte „Kontoservice-Terminals“.

Strategie
Auch die Sparkasse gibt als Gründe das an, was die Volksbank nun anführt: Digitalisierung und ein stark verändertes Nutzungsverhalten der Kunden. „Außerdem sehen sich alle Finanzdienstleister mit steigendem Kostendruck konfrontiert“, sagt Martin Lober. Sprich: durch die dauernden Niedrigzinsen sinkt die Gewinnspanne, es muss alles optimiert werden.

Digitale Geschäfte Immer weniger Kunden suchen für Überweisungen, Kontoauszüge oder Aktiengeschäfte die Bankfiliale auf, sondern nutzen Computer, Laptop und Smartphone. „Dieser starke Trend spiegelt sich auch in den Online-Kennzahlen wider“, sagt Martin Lober.

Öffnungszeiten Daher konzentriert sich die Kreissparkasse auf die großen, gut frequentierten Filialen: Diese sollen noch länger geöffnet werden. Die kleineren Standorte bleiben stundenweise erhalten, so Lober: „Präsenz und Erreichbarkeit vor Ort liegen uns sehr am Herzen.“




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