Bankenverbands-Chef Der Ehrendoktor aus Bulgarien macht erst mal Pause

Hier ist Heinrich Hartmann Geschäftsführer: der Bankenverband in Stuttgart Foto: Andreas Müller

Der Chef des Bankenverbands in Baden-Württemberg, Heinrich Hartmann, firmierte stolz als „Dr. h.c.“ . Nun will er den Titel vorerst nicht mehr führen. Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

In der südwestdeutschen Finanzszene ist Heinrich Hartmann (56) eine feste Größe. Seit zweieinhalb Jahren steht der gebürtige Allgäuer an der Spitze des Bankenverbandes Baden-Württemberg. Als Geschäftsführer und Vorstand vertritt er die Interessen der privaten Geldhäuser im Land gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Zuvor war er Vorstandsmitglied beim Internationalen Bankhaus Bodensee und Geschäftsführender Gesellschafter einer Beratungsgesellschaft.

 

In jüngerer Zeit war Hartmann, gelernter Bankkaufmann und Absolvent diverser Aufbaustudien, mit einem besonderen Titel unterwegs. In mehreren Funktionen firmierte er als „Dr. h. c.“, also als Ehrendoktor. So ließ er sich von der Volksbank am Württemberg bezeichnen, bei der er seit Mitte 2024 nebenher das Private-Banking-Team verstärkt. So war er in der Liste der Aufsichtsräte bei der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG) aufgeführt, die auch vom Bankenverband getragen wird. Und so stand er auf den Webseiten verschiedener Stiftungen, deren Vorstand er führt oder angehört.

Engagement in Stiftungen gewürdigt

Überall dort ist der Namenszusatz nun aber plötzlich verschwunden. Auslöser der Änderung war eine Recherche unserer Zeitung. Wofür, hatten sich Weggefährten gefragt, habe Hartmann eigentlich die Ehrendoktorwürde erhalten? Eine Nachfrage bei ihm ergab zunächst, dass sie ihm 2022 von „einer europäischen Universität“ verliehen worden sei. Es handele sich um die „Europäische Polytechnische Universität Bulgarien“ (EPU), präzisierte er später, eine private Ingenieurhochschule in der knapp 70 000 Einwohner zählenden Industriestadt Pernik. Der Rektor persönlich habe die Urkunde unterschrieben, berichtete er stolz. Gewürdigt werde besonders seine „langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in diversen gemeinnützigen Stiftungen“.

Darauf wird auch auf der Webseite der Universität abgehoben, auf der die Doctores honoris causa aufgelistet sind. Seit vielen Jahren versuche Hartmann so, „die Welt ein bisschen besser zu machen“. Er begleite Projekte, die „Gutes für die Menschen“ bewirkten, und fördere junge Leute in ihrer beruflichen Entwicklung. Den Titel Ehrendoktor, heißt es wörtlich, erhalte er „für seinen Beitrag zur Förderung der EPU-Mission in Deutschland“.

Für die Titelführung sind die Träger verantwortlich

Worin dieser konkret besteht, war von Hartmann nicht zu erfahren. Er habe sich hauptsächlich über die Ehrendoktorwürde gefreut, erwiderte er, und sich mit Fragen der Titelführung nicht näher beschäftigt. Auch aus den EPU-Dokumenten gehe dazu nichts hervor. Doch für den korrekten Gebrauch solcher Titel sind alleine die Träger verantwortlich, wie das Stuttgarter Wissenschaftsministerium erläutert. Ausländische Grade könnten „grundsätzlich ohne behördliche Genehmigung geführt werden“. Alles Weitere habe „der Gesetzgeber in die Hände der Gradinhaberinnen und Gradinhaber gelegt“; diese müssten auch für mögliche rechtliche Folgen geradestehen.

Allgemein, erläutert ein Sprecher, dürften ausländische Ehrendoktortitel „in der verliehenen Originalform unter Angabe der verleihenden Hochschule“ geführt werden. Diese müsse anerkannt und zur Vergabe berechtigt sein. Zur konkreten Hochschule verweist er auf Angaben der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) in Bonn. Danach habe die Akkreditierung der EPU nicht abschließend beurteilt werden können, weil Fragen offen geblieben seien. Für den bulgarischen Ehrendoktorgrad gebe es „keine gesetzlich geregelte Abkürzung“, den Gebrauch stufe die Zentralstelle als „nicht üblich“ ein. Solche Auskünfte, so das Ministerium, erteile man als Bürgerservice.

Angesichts der Stellungnahme überdachte Heinrich Hartmann seine Praxis. Mit dem Zusatz der Hochschule werde der Titel um ein Mehrfaches länger als sein Name, was er „sehr unglücklich“ fände, teilte er mit. Daher werde er „einstweilen darauf verzichten, diesen Ehrendoktortitel zu führen“.

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