Banküberfall in Stuttgart Nach sieben Jahren wieder ein Bankraub in Stuttgart

Der Tatort im Asemwald: Der Bankräuber ist vorerst entkommen. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb
Der Tatort im Asemwald: Der Bankräuber ist vorerst entkommen. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb

Bankraub lohnt sich nicht. Zu groß das Risiko, zu gering die Beute, zu hoch die Strafen. Deshalb hat es in Stuttgart seit Jahren keinen Überfall auf ein Geldinstitut mehr gegeben. Am Mittwoch beendete ein Unbekannter die trügerische Ruhe.

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Stuttgart - Mit mehreren Tausend Euro Beute ist am Mittwoch ein Bankräuber im Stadtteil Asemwald entkommen. Der Überfall ist der erste in Stuttgart seit September 2010 – ob er sich wirklich gelohnt hat, ist fraglich. Das Raubdezernat der Stuttgarter Kriminalpolizei hat reichlich Ermittlungsansätze. Der etwa 50 Jahre alte Täter hat offenbar keinen großen Wert darauf gelegt, unerkannt zu bleiben.

Es passierte eine Stunde nach Geschäftsöffnung. Um 10 Uhr betrat ein ungepflegt wirkender Mann um die 50 die Filiale der BW-Bank im Hochhausquartier im Asemwald. Was er wollte, wurde der 53-jährigen Bankangestellten schnell klar: Der Mann hatte seine Hand in der Jackentasche – und die Ausbeulung ließ auf den Lauf einer Pistole schließen. Der Mann war kein Kunde, sondern ein Bankräuber. Er wollte Geld. Die Bankmitarbeiterin packte mehrere Tausend Euro ein, und der Täter verschwand wieder.

Die Bankkamera hat den Überfall aufgezeichnet

Wohin er in dem Hochhausquartier zu Fuß geflüchtet war, ist unklar. Eine Fahndung mit einem Polizeihubschrauber blieb ohne Erfolg. Die kurz nach 10 Uhr alarmierte Polizei löste eine Ringfahndung aus, registrierte den Fahrzeugverkehr im Umfeld des Stadtteils im Süden Stuttgarts.

„Immerhin gibt es Videoaufnahmen vom Täter, auf denen er gut zu erkennen sein müsste“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Die Bilder zeigen einen etwa 50 Jahre alten und 1,80 bis 1,90 Meter großen Mann, unrasiert, mit Schnauzbart, eine schwarze Strickmütze auf dem Kopf. Er trägt eine glänzende grüne Bomberjacke, Jeans, weiße Turnschuhe. Hinweise erbittet die Kriminalpolizei über Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78. Die Bank hat eine Belohnung von bis zu 1000 Euro ausgesetzt.

Stuttgarter Kripo hatte jahrelang keinen Banküberfall

Das zuständige Raubdezernat der Stuttgarter Polizei hat sich schon lange nicht mehr mit einem Banküberfall beschäftigen müssen. „Das dürfte schon mehrere Jahre her sein“, heißt es im Dezernat. Kein Wunder: Zu groß das Risiko, zu gering die Beute, zu hoch die Strafen. Außerdem haben die Banken sich auf Überfälle eingestellt, Tresore mit Zeitschaltuhr verhindern, dass zu viel Geld ausgegeben werden kann. Als der langjährige Chef des Raubdezernats, Peter Gutwein, Ende dieses Jahres in den Ruhestand ging, stellte er fest: „Bankraub hat keine Zukunft mehr.“ Meist seien es die letzten Verzweifelten, die es noch versuchten – professionelle Räuberbanden hätten sich längst auf Juweliere oder Geldtransporte verlegt.

Der bis dahin letzte Banküberfall spielte sich am 9. September 2010 in der Königstraße ab. Ein Duo hatte eine Angestellte mit Schusswaffen bedroht – die konnte sich aber in einem Nebenraum in Sicherheit bringen. Bei den Tätern, die ohne Beute blieben, handelte es sich um zwei Männer aus Tschechien, die auch in München, Linz, Berlin und Hamburg zugeschlagen hatten. Sie wurden in München verurteilt. Danach war zumindest in der Landeshauptstadt Ruhe.

1996 war der Asemwald gleich zweimal Tatort

Lange her ist auch der letzte Überfall im Asemwald, an den sich die älteren Bewohner noch gut erinnern. Die kleine Bankfiliale war 1996 gleich zweimal überfallen worden, am 10. Januar und 4. März. Als Täter wurde schließlich ein 52-Jähriger ermittelt, der zur Tatzeit wohnsitzlos war und mit seinem Hund in seinem Auto lebte. Er war aufgeflogen, weil er mehrfach an Tankstellen nicht bezahlt hatte. Das dabei notierte Kennzeichen fiel als Fluchtfahrzeug im Asemwald auf. Dabei hätte der Räuber, der im Asemwald einst als Landschaftsgärtner gearbeitet hatte, genügend Geld für die Spritfüllung haben können. Bei den zwei Überfällen hatte er 50 250 Mark, umgerechnet 25 700 Euro, erbeutet. Das Geld hatte er aber innerhalb weniger Wochen beim Roulette verspielt.




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