Banksy in der Staatsgalerie Rembrandt links, Schredder rechts

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Achtung, Hype! Das derzeit wohl berühmteste Bild der Welt ist in der Staatsgalerie Stuttgart eingezogen. Banksys zerschnittenes Bild „Love is in the Bin“ hat den besten Platz bekommen – neben den ehrwürdigen Alten Meistern.

Links Rembrandt, rechts Banksy – die ideale Kulisse für ein Selfie Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 6 Bilder
Links Rembrandt, rechts Banksy – die ideale Kulisse für ein Selfie Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Nachbarschaft ist kühn gewählt: Seit gestern hängt Banksys inzwischen weltberühmtes Schredder-bild in der Staatsgalerie Stuttgart, und zwar genau neben einem prominenten Nachbarn: Rembrandt. Das Bild des britischen Street-Art-Künstlers wurde im vergangenen Jahr bei einer Auktion in London durch einen Schredder im Rahmen in Streifen geschnitten. Nun ist „Love is in the Bin“ als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart eingezogen und hängt in der Abteilung für Alte Meister, direkt neben Rembrandts „Selbstbildnis mit roter Mütze“. Auch wenn zwischen den Werken mehr als 350 Jahren liegen, verbinde die beiden viel, meint Direktorin Christiane Lange. Nicht nur Banksy sei „ein guter Marktstratege“, auch Rembrandt war es. Der Niederländer habe „schonungslos Porträts von sich in die Welt geschickt“, Banksy verstecke sein Gesicht dagegen. Eben weil seine Identität bis heute nicht gelüftet werden konnte, sei er zur Marke geworden.

Wie groß das Interesse an dieser Marke ist, bewiesen die vielen Pressevertreter, die schon früh „Love is in the Bin“ sehen wollten, das nun hinter einer großen Scheibe im Altbau der Staatsgalerie hängt. Als das Museum um zehn Uhr für das Publikum öffnete, war die Schlange deutlich länger als gewöhnlich unter der Woche. Im Saal herrschte den gesamten Tag über ein stetes Kommen und Gehen, an die zehn Personen tummelten sich immer vor Banksy und seinem altehrwürdigen Nachbarn. Christiane Lange hofft, mit Banksy auch jene zu erreichen, die „nur noch digital unterwegs sind“. Im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, wo „Love is in the Bin“ nur vier Wochen lang gezeigt wurde, ging die Rechnung auf, es kamen 60 000 Neugierige.

Angeblich wollte Banksy das Bild komplett zerstören

Das Bild zeigt ein Motiv, das Banksy schon mehrfach im öffentlichen Raum gesprayt hat, ein Mädchen mit einem Herz-Luftballon in der Hand. Bei der Versteigerung rutschte das Blatt allerdings nach unten und wurde zur Hälfte zerschnitten. Angeblich wollte Banksy es bei der ferngesteuerten Aktion komplett zerschneiden, anders als bei den Testläufen im Atelier habe die Technik während der Auktion aber versagt – so zumindest heißt es in einem Video über die Aktion, das der Künstler im Internet veröffentlicht hat und das auch in der Staatsgalerie zu sehen ist.

Damit der Mechanismus sich nicht plötzlich wieder in Bewegung setzt und auch noch das restliche Bild zerschneidet, habe man in Baden-Baden die Batterien aus dem Schredder genommen, erzählt Christiane Lange. Aber letztlich sei nicht das, was nun in der Staatsgalerie hängt, das eigentliche Kunstwerk, sondern die gesamte Aktion und „der Moment, der sich in die Köpfe eingebrannt hat“ – als der Hammer fiel und die Auktionsbesucher teils erschreckt, teils belustigt auf das Bild starrten, das vor ihren Augen zerstört wurde. Damit stehe Banksy letztlich in der Tradition von Marcel Duchamp und den Künstlern der Fluxus-Bewegung, denen es um die Aktion ging und weniger um die dabei entstandenen Werke.

Die Besucher können wie beim „Speakers’ Corner“ miteinander diskutieren

Zwei Monate lang soll Banksys „Love is in the Bin“ nun bei den Alten Meistern hängen, danach zieht es um in eine andere Abteilung der Sammlung, um immer neue Diskussionen anzuregen – darüber, wie wichtig das Material in der Kunst ist, was ein Bild zum Skandal macht oder was ein Werk ausmacht, das in den Kanon aufgenommen wird. Damit das Publikum aber auch seine eigenen Fragen und Gedanken zu Banksy diskutieren kann, bietet die Staatsgalerie im Saal ein „Speakers’ Corner“ an, wo man auf eine Kiste steigen und mit Mitarbeitern des Museums und den anderen Besuchern ins Gespräch kommen kann.