InterviewChef der Schwarz-Weiß-Bar in Stuttgart „Ich will nicht das zweite Göttingen werden“

Von Michael Weier 

Knud Scheibelt, der Chef der Schwarz-Weiß-Bar am Wilhelmsplatz, hält sich an die Regeln und lässt nur neun Gäste in sein Lokal. Im Interview spricht er über die Wiedereröffnung, Göttingen und die Vernunft seiner Gäste.

Knud Scheibelt in der kleinen Schwarz-Weiß-Bar am Wilhelmsplatz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Knud Scheibelt in der kleinen Schwarz-Weiß-Bar am Wilhelmsplatz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Nach den jüngsten Lockerungen dürfen nun Kneipen und Bars wieder aufmachen. Allerdings mit restriktiven Regeln wie in Restaurants. Anstatt 40 Gäste darf Knud Scheibelt neun bewirten. Mit einem Online-Cocktailkurs und Außenbewirtung auf Parkplätzen versucht er, der Krise zu trotzen.

Herr Scheibelt, wie heiß war die Wiedereröffnungsparty an diesem Wochenende?

Eher lauwarm. Unsere Bar lebt davon, dass sie am Wochenende gut besucht ist. Normal kommen 40 bis 50 Leute, jetzt dürfen maximal acht oder neun Personen rein. Es tut schon weh, wenn man Stammgäste wieder wegschicken muss.

Ich  dachte, die  jungen  Menschen  sehen alles ein bisschen lockerer?

Ich will nicht politisch superkorrekt erscheinen, aber das Gebilde ist einfach noch zu fragil. Wir halten uns an die Vorgaben der Politik, und die Leute haben es verstanden. Selbst in einer kleinen Bar wie unserer kann man den Abstand einhalten. Einen Gast mussten wir allerdings des Lokals verweisen, der hat sich an nichts gehalten. Aber sonst: Registrierung, Mundschutz, alles kein Problem.

Haben Sie Angst vor einer zweiten Welle?

Ich glaube nicht, dass es eine zweite Welle geben wird. Aber ich will nicht, dass eine Infektion auf meine Bar zurückverfolgt werden kann. Davor habe ich viel zu viel Respekt.

Weil Sie dann zum zweiten Kitzloch werden könnten?

Genau. Ich will auch nicht das zweite Göttingen werden.

So vorsichtig?

Ja, wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen. Ich habe in der Familie selbst zwei Menschen mit Vorerkrankung.

Aber ist es denn wirtschaftlich mit neun statt 40 Gästen im Lokal?

Nein. Uns trifft es zudem doppelt hart. Uns fehlen auch die Cocktailkurse oder das Whiskytasting oder das Bar-Catering bei Hochzeiten. In diesem Bereich gibt es null Buchungen.

Und wie kompensieren Sie den Ausfall?

Ich hoffe auf gutes Wetter. Auf den Parkplätzen vor der Bar haben wir einen neuen Außenbereich beantragt, da sind wir mit dem Amt in gutem Kontakt. Und wir bieten Cocktails to go an, das hat Potenzial.

Immerhin sind Sie gut erholt?

Ich hatte viel Zeit für die Familie und den Hund. Aber nach drei Wochen ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Also haben wir einen Online-Cocktailkurs entwickelt, der ist echt gut geworden. Du bestellst dir ein Paket nach Hause, gehst dann auf die Website und kannst mit einem Code zuschauen, wie man den Cocktail mixt. Ich hoffe, dass wir die Verluste dadurch ein bisschen kompensieren.

Zur Person

– Knud Scheibelt ist 1980 in Mainz geboren, nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Anschließend arbeitete er fünf Jahre in England und in Stuttgart im Cibo Mato, das heute geschlossen ist. Scheibelt ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Hund.

– Die Schwarz-Weiß-Bar gründete Scheibelt vor neun Jahren in den Räumen des ehemaligen iDipfele. Seine neue Homepage sollte diese Woche noch an den Start gehen unter:

www.cocktailkurs-online.de




Unsere Empfehlung für Sie