Die Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen: Links die Bar Gilda Haus in Madrid, rechts ihr „Zwilling“ in Stuttgart. Foto: Gildahaus/Germán Saiz, Uwe Bogen
Die Besitzer einer Bar in Madrid entdecken durch Zufall ihren Design-Zwilling in Stuttgart. Dreister Klau oder bloß ein unglücklicher Zufall? Wir haben bei dem Stuttgarter Betreiber nachgefragt.
Die Besitzer des Gilda Haus, einer Mischung aus Bar und Bistro im Szeneviertel Chueca in Madrid, staunten nicht schlecht, als sie die Fotos sahen. Ein Gast hatte Cristina Bonaga and Yajaira Malavé den Instagram-Account einer Stuttgarter Bar vorgelegt, der die beiden Spanier:innern sprachlos und wütend zugleich machte. Die neu eröffnete Stuttgarter Bar, 1376,60 Kilometer Luftlinie entfernt von der spanischen Hauptstadt, sieht nämlich fast genau so aus wie ihr Lokal.
„Wir fühlen uns wie vergewaltigt“
„Die Stuttgarter Bar hat uns definitiv kopiert“, sagt Cristina Bonaga, die unsere Zeitung kontaktiert hat. „Sie haben nicht nur unser Gastro-Konzept kopiert – womit wir leben könnten – sondern einfach alles: Das Farbkonzept, die Texturen, das DJ-Booth, die Lampen, den Vibe und sogar die Bar aus Stahl und Kristallen“, so die spanische Gastronomieunternehmerin, die mehrere Lokale in Madrid betreibt. „Wir fühlen uns wie vergewaltigt“, beschreibt sie drastisch ihre Gefühlslage.
Die Bar in Madrid. Im Vergleich dazu ... Foto: Gilda Haus/Germán Saiz ... die neue Bar Comodo Studios in der Eichstraße in Stuttgart-Mitte. Foto: Uwe Bogen
Es geht ihr dabei nicht nur um Orangetöne und Retrolampen, sondern um geistiges Eigentum und die feine Linie zwischen Inspiration und dreister Kopie. Sie begann den Account der Stuttgarter Bar öffentlich bloßzustellen – um auf den Missstand hinzuweisen und vielleicht auch, um eine Antwort der Betreiber zu erhalten. „Sie haben uns aber sofort blockiert“, berichtet Bonaga, die mit ihrer Bar schon in der spanischen Vogue vorgestellt wurde.
Die Bar wurde bereits in der spanischen Vogue vorgestellt und hat einige Designpreise gewonnen. Foto: Gilda Haus, Germán Saiz
Durchdachtes und ausgezeichnetes Design
Im Gilda Haus steckt viel Arbeit. Die Bar wurde im Dezember 2023 eröffnet und bereits mehrfach für ihr durchdachtes Interior Design ausgezeichnet. Das Corporate Design wurde in Zusammenarbeit mit den Architekten Jose David Costa und Sergio Ortiz vom Madrider Architektur- und Designbüro Codoo Studio entwickelt. Die 70er-Jahre-Ästhetik ist vom italienischen Architekten Gianfranco Frattini beeinflusst und basiert auf einem kräftigen Orangeton. Die leuchtende Farbe wird von einer Vielzahl von Materialien und Objekten eingefangen, von Teppichen und Samtvorhängen bis hin zu den Möbeln aus Aluminium und der spektakulären Decke.
Wir haben Denis Gugac, den Betreiber der neu eröffneten Comodo Studios (wir berichteten) im ehemaligen People, mit den Vorwürfen aus Madrid konfrontiert. Gugac, der das Hi Life betrieben hat, seit 2023 das Zubrovka am Rotebühlplatz und auf dem Volksfest die Schatzi-Bar führt, hat sich uns gegenüber ausführlich zu den Beschuldigungen geäußert und seine Sicht auf die Dinge erklärt. Er möchte seine Erklärungen aber nicht veröffentlicht haben.
Für Cristina Bonaga ist es übrigens nicht das erste Mal, dass eine andere Bar große Ähnlichkeiten zu ihrer aufweist. Auch das Designkonzept ihrer Madrider Bar La Gildería wurde bereits von anderen Gastronomen dreist kopiert. „Wir haben es satt“, sagt die Spanierin.