Barack Obama und die Deutschen „United Stasi of America“

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Mit euphorischem Jubel kann Obama ohnedies nicht rechnen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind zwar noch gut, aber leidenschaftlich sind sie längst nicht mehr. Der jüngste Tiefschlag: die Enthüllung, dass die US-Geheimdienste in großem Stil das Internet überwachen und Millionen von Deutschen davon betroffen sind. „United Stasi of America“ – niemand hätte sich im Sommer 2008 gedacht, dass dieser Kalauer nur fünf Jahre später in Mode kommen wird.

In den ersten Monaten seiner Amtszeit unternahm Obama noch alles, um den Eindruck zu erwecken, dass der versprochene Wandel sich, wenn nicht gleich, dann doch bald einstellen wird. Acht Jahre lang war George W. Bush der Herr im Weißen Haus – Jahre des Krieges, der Hoffnungslosigkeit. Die Deutschen sehnten sich wie die Amerikaner nach einem Ende dieser Ära.

Obama ist erst wenige Tage im Amt, da weckt er schon Hoffnung darauf. Er sagt, er werde den Rückzug aus Afghanistan beginnen und den Krieg im Irak beenden. Er verspricht die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba. Dorthin hat die CIA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington Hunderte von Terrorverdächtigen verschleppt. Murat Kurnaz war einer von ihnen, ein Bremer türkischer Herkunft. Er sitzt fast fünf Jahre im Käfig, bewacht von US-Soldaten, denen gesagt wurde, Kurnaz sei ein „feindlicher Kämpfer“.

Weiter geht es mit den Ankündigungen

Es geht weiter mit den Ankündigungen und den Versprechen. Am 4. Juni 2009 hält Obama eine Rede in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Das Manuskript trägt die Überschrift „Ein neuer Anfang“. Der US-Präsident kündigt an, die Beziehungen seines Landes zur gesamten arabisch-muslimischen Welt ins Positive drehen zu wollen. Nicht mehr von der „Achse des Bösen“ ist die Rede, wie noch zu Bushs Zeiten, sondern von Zusammenarbeit und ausgestreckten Händen.

Einmal noch wird Obama in jenem Jahr in Deutschland bejubelt. Er besucht die Mitte des „alten Europas“. So hat Bushs Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Deutsche und Franzosen genannt, nachdem sie ihm nicht in den Irakkrieg folgen wollten. Obama wird in Dresden von der Kanzlerin durch das Grüne Gewölbe geführt, die Schatzkammer des sächsischen Königs August des Starken. Später an diesem Tag legt der US-Präsident eine weiße Rose auf einer Gedenktafel in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ab. Sein Groß­onkel war unter den US-Soldaten, die am 5. April 1945 das Buchenwald-Außenlager Ohrdruf befreiten. Obama verspricht: „Ich werde niemals vergessen, was ich hier gesehen habe.“

Bei diesem Besuch – es ist der vorerst letzte in Deutschland – wird zwar deutlich, dass der US-Präsident und die deutsche Kanzlerin nicht so herzlich miteinander umgehen, wie es Merkel und Bush getan haben, aber Obama wird immer noch wie ein schillernder Popstar wahrgenommen.




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