Barack Obama und die Deutschen Die Rede zum Friedensnobelpreis leitet die Wende ein

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Obamas Versprechen werden nicht weniger. Er spricht von atomarer Abrüstung. Ende 2009 bekommt er den Friedensnobelpreis. Er ist nach Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson erst der dritte US-Präsident, dem diese Ehre zu Amtszeiten gewährt wird. In gewisser Weise lobt das Nobelpreiskomitee aber den Tag vor dem Abend und gibt Obama einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. „Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnung auf eine bessere Welt macht“, heißt es in der Begründung. Andere bemerken in diesen Tagen, dass außer vielen Ankündigungen noch nichts Bemerkenswertes aus Washington gekommen sei.

Obama, der nach einer Analyse des deutschen Historikers Bernd Stöver die Hoffnungen auf eine politische und militärische Kehrtwende bewusst geweckt hat, scheint zu spüren, dass er überdreht hat – und dass der Friedensnobelpreis nicht nur auf den ersten Blick kaum zur Ankündigung passt, 30 000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken, um dort den Aufstand niederzuschlagen. Entsprechend zurückhaltend fällt Obamas Dankesrede aus.

Der Krieg als Instrument der Außenpolitik

Gut möglich, dass es diese Rede ist, die den Blick der Öffentlichkeit auf Obama nach und nach verändert. Der US-Publizist Peter Bergen, der vor wenigen Monaten ein Buch über die Jagd auf Osama bin Laden veröffentlicht hat, schreibt: „Obwohl er bereit ist, Gewalt anzuwenden, wird Barack Obama nicht als der Falke angesehen, der er ist.“ Das stimmte bis zur Rede im Rathaus von Oslo, danach aber ist dieser Eindruck nicht mehr zu halten, denn Obama sagt in deutlichen Worten, dass für ihn der Krieg auch weiterhin ein Instrument der Außenpolitik ist. Er hat zwar die US-Armee aus dem Irak abgezogen, und wahrscheinlich wird auch Ende kommenden Jahres der US-Kampfeinsatz in Afghanistan beendet, aber er führt einen Krieg neuen Typs, einen Schattenkrieg – mit Angriffen im Cyberspace, mit nächtlichen Kommandoaktionen, mit unbemannten Flugkörpern, deren Raketen von Computern am anderen Ende der Welt ins Ziel gelenkt werden. Als der Darsteller eines Friedensapostels taugt Barack Obama jetzt nicht mehr.

Diese grundsätzliche Bereitschaft zum „gerechten Krieg“ gilt bis heute: Am 23. Mai, Obamas zweite Amtszeit ist nicht einmal sechs Monate alt, hält der Präsident eine lange erwartete Rede an der National Defense University in Washington. Er sagt wieder einmal, dass er Guantánamo schließen wolle. Er sagt, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht auf ewig militärisch geführt werden könne. Er sagt aber auch, dass er vom Einsatz unbemannter Drohnen gegen Terrorverdächtige im Ausland nicht lassen werde, solange Amerika bedroht sei. Der Historiker Stöver sieht Obama in der Tradition der US-Außenpolitik: In seinen Grundsatzreden verwende der US-Präsident immer wieder den Hinweis „auf eine Anti-Appeasement-Politik und den ,good war‘ zwischen 1941 und 1945, der zur Beseitigung Hitlers zwingend notwendig gewesen sei“.




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