Bargeld wird immer unwichtiger So viel Cash haben die Deutschen noch in der Tasche

Von Jan Geißler 

Die Corona-Krise hat dem bargeldlosen Zahlen in Deutschland einen Auftrieb gegeben, dies belegt eine Online-Befragung des Zahlungsdienstleisters Klarna. Komplett auf Bargeld verzichten möchte bisher aber kaum jemand.

Ein paar Scheine und Münzen hat nach wie vor jeder Deutsche in seinem Geldbeutel – in manchen Bundesländern mehr, in anderen weniger. (Symbolfoto) Foto: dpa
Ein paar Scheine und Münzen hat nach wie vor jeder Deutsche in seinem Geldbeutel – in manchen Bundesländern mehr, in anderen weniger. (Symbolfoto) Foto: dpa

Stuttgart - Während bargeldloses Bezahlen in anderen Ländern längst das Normalste der Welt ist, tun wir Deutschen uns nach wie vor schwer, auf die geliebten Scheine und Münzen zu verzichten. Dabei ginge es so einfach. Die technischen Voraussetzungen sind vielerorts schließlich längst geschaffen: EC-Karte aus dem Geldbeutel nehmen, auf das Kartenlesegerät legen, einen kurzen Moment warten, EC-Karte wieder im Geldbeutel verstauen – mehr braucht es zumeist gar nicht. Selbst das Bezahlen mit dem Smartphone ist keine Utopie mehr, findet aber noch keine flächendeckende Anwendung.

Corona verleiht bargeldlosem Bezahlen Auftrieb

Immerhin: Durch das Coronavirus scheint sich inzwischen auch in Deutschland etwas zu ändern. Covid-19 hat dem bargeldlosen Bezahlen in Deutschland einen Auftrieb verliehen. Inzwischen verzichten die Deutschen immer häufiger auf Bargeld, das belegt eine im Auftrag des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna durchgeführte Online-Befragung mit mehr als 2000 Menschen.

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Die Befragung deckte alle 16 Bundesländer ab, richtete sich zu gleichen Teilen an Männer und Frauen und erreichte Personen im Alter von 18 bis 55 und älter. Der sogenannte „Klarna Cash Index“ fragt ab, ob und wenn ja, wie viel Bargeld die Deutschen noch bei sich tragen und inwieweit dieses beim Bezahlen überhaupt noch genutzt wird.

So viel vorneweg – und das dürfte für die wenigsten überraschend kommen: Komplett können die Deutschen dann doch noch nicht auf Bargeld verzichten. Daran hat auch die Corona-Krise nichts geändert. 89,22 Euro trägt im Durchschnitt jeder Deutsche bei sich.

Frauen führen weniger Bargeld als Männer mit sich

Jedoch gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Geschlechtern: Während Frauen durchschnittlich nur 75 Euro in bar mit sich führen, tragen Männer noch immer 104 Euro bei sich. Zudem fällt auf: Je älter die Befragten, desto wichtiger scheint offenbar das Bargeld zu sein. Die Gruppe der über 55-Jährigen trägt mit durchschnittlich 98 Euro das meiste Bargeld mit sich umher, dagegen haben die 18- bis 24-Jährigen nur 67 Euro im Geldbeutel.

Große Unterschiede offenbaren sich auch beim Blick auf die einzelnen Bundesländer. Während die Einwohnerinnen und Einwohner Niedersachsens (124 Euro), des Saarlands (121 Euro) und Baden-Württembergs (105 Euro) das meiste Bargeld mit dabei haben, ist in den Geldbeuteln in Berlin (57 Euro), Thüringen (56 Euro) und Schleswig-Holstein (53 Euro) deutlich weniger Geld zu finden.

15,1 Prozent aller Deutschen verzichten auf Bargeld

Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Der Trend geht weg vom Bargeld, hin zu Kartenzahlungen. Der Umfrage zufolge verlieren Scheine und Münzen im stationären Einzelhandel immer mehr an Bedeutung. Ein Großteil der Befragten (56,7 Prozent) gab an, weniger als die Hälfte der Einkäufe noch bar zu begleichen. 15,1 Prozent gaben sogar an, gänzlich auf Bargeld im Einzelhandel zu verzichten. So haben 29 Prozent im Einzelhandel nur ein bis zwei Mal und 15 Prozent gar keine ihrer letzten zehn Einkäufe mit Bargeld bezahlt. Die Altersgruppe der 45-54-Jährigen und der ab 55-Jährigen bezahlt dagegen noch die meisten ihrer Einkäufe bar (neun bis zehn Mal bei zehn Einkäufen).

Auch zeigen die Umfrageergebnisse, dass immer weniger Menschen Bargeld abheben und demzufolge der Bedarf an Bargeld stark abnimmt. Nicht einmal fünf Prozent aller Befragten gaben an, täglich (0,97 Prozent) oder mehrmals pro Woche (3,5 Prozent) einen Geldautomaten aufzusuchen. Knapp ein Drittel (31 Prozent) hebt nur einmal pro Monat Bargeld ab, weitere 20 Prozent sogar weniger als einmal pro Monat.

Deutschland auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich: Obwohl das Zahlverhalten der Deutschen momentan noch immer durch die Corona-Krise beeinflusst wird, distanziert sich Deutschland zunehmend vom Bargeld und entwickelt sich immer mehr zu einer bargeldlosen Gesellschaft.

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