Barock Volleys MTV Ludwigsburg Die Saison ist ein Erfolg – auch ohne Play-offs

Nyherowo Omene und die Barock Volleys MTV Ludwigsburg: Reicht es zum Einzug in die Play-offs? Foto: Baumann

In den letzten drei Bundesliga-Spielen wollen die Barock Volleys MTV Ludwigsburg zumindest Platz acht erreichen, sie haben aber keinen Druck: Die Saison ist schon jetzt gut gelaufen.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Die Volleyball-Bundesliga der Männer geht in die entscheidende Phase der Saison, und dabei spielt ein Element eine gewichtige Rolle, das in den vergangenen Jahren oft vermisst wurde: Spannung. Überall geht es eng zu – an der Spitze, im Mittelfeld, in dem sich mehrere Teams um den Einzug in die Play-offs balgen, und am Ende im Kampf um den Klassenverbleib. Auch für die Barock Volleys MTV Ludwigsburg steht viel auf dem Spiel, zumindest theoretisch.

 

In der Realität hat sich der Aufsteiger nicht nur eine ziemlich komfortable Ausgangslage erarbeitet, sondern auch wenig zu verlieren. „Wir haben jetzt schon deutlich mehr erreicht, als uns zugetraut worden ist“, sagt Sportdirektor Michael Dornheim vor den letzten drei Partien der Saison, „sollten wir in die Play-offs einziehen, würde dies die Gesamtbilanz noch einen Tick besser machen. Doch wenn wir es nicht schaffen, schmälert dies unsere Leistung keinesfalls.“ Weil das erste Jahr im Oberhaus nahezu perfekt gelaufen ist. So oder so.

Zuschauerschnitt mehr als verdoppelt

Derzeit stehen die Ludwigsburger auf Platz sieben, sie haben mehr als die Hälfte ihrer 25 Duelle gewonnen, 38 Punkte geholt, begeisternde Spiele gezeigt (wie beim 3:1-Sieg gegen den VfB Friedrichshafen), den Zuschauerschnitt mehr als verdoppelt (auf 868). „Es ist uns zudem gelungen, das Umfeld und den Verein mitzunehmen“, erklärt Michael Dornheim, „am Ende wird das herauskommen, was wir uns vorgenommen hatten – eine Entwicklung in allen Elementen.“ Und vielleicht ja noch ein Heimspiel als Zugabe.

Die Saison ist gut gelaufen für die Barock Volleys MTV Ludwigsburg: Sportdirektor Michael Dornheim (li.), Cheftrainer Hasse Mattila. Foto: Baumann

Um in die Play-offs einzuziehen, müssten die Barock Volleys mindestens Achter werden, also entweder die WWK Volleys Herrsching (8./37 Punkte) oder die FT 1844 Freiburg (9./36 Punkte) hinter sich lassen. Weil die beiden Kontrahenten noch gegeneinander spielen und auch sonst ein schweres Restprogramm haben, könnte den Ludwigsburgern schon ein Auswärtssieg am 14. März bei Mitaufsteiger SV Warnemünde, der Vorletzter ist, reichen. Auf solche Rechenspiele will sich Coach Hasse Mattila aber nicht einlassen. „In der Tabelle ist alles sehr eng“, sagt der Finne, „wir konzentrieren uns auf uns selbst – Punkt für Punkt, Satz für Satz.“ Auch in den beiden Heimspielen.

Der Kräfteverschleiß ist bei den Barock Volleys unübersehbar

An diesem Sonntag (17 Uhr/Rundsporthalle) geht es gegen den Dritten SWD Powervolleys Düren, am 21. März (19 Uhr/Innenstadtsporthalle) gegen den Fünften Helios Grizzlys Giesen. „Wir werden auch zu Hause noch etwas holen müssen“, sagt Michael Dornheim, „und das wird alles andere als einfach.“ Umso besser, dass die Play-offs zwar das Ziel sind, aber kein Muss – auch weil der Kräfteverschleiß am Ende einer kurzen, aber höchst intensiven Saison unübersehbar ist.

Die Barock Volleys dürften der Bundesligist sein, der am wenigsten gewechselt hat. Was einerseits daran liegt, dass der Kader im Vergleich zu vielen Konkurrenten weniger Tiefe hat, andererseits aber auch mit der Mentalität des Trainers zu tun hat. Hasse Mattila betreut erstmals ein Team außerhalb Finnlands, er wollte unbedingt erfolgreich sein – den Ludwigsburger Talenten Spielzeit zu verschaffen, stand auf seiner Prioritätenliste nicht an erster Stelle. „Kräftemäßig sind wir jetzt an unserer Grenze angekommen, deshalb fehlt es auch ein bisschen an mentaler Frische“, sagt der Sportdirektor, „in den letzten drei Spielen wird man sehen, wie sehr die Mannschaft es noch will.“

Der Einzug in die Play-offs wäre fraglos ein großer Erfolg, auch wenn er die Saison wohl nur um zwei Spiele verlängern würde: In den K.-o.-Duellen gegen den Ersten oder Zweiten der Tabelle wären die Ludwigsburger krasser Außenseiter. Weshalb die Barock Volleys längst über ihre Perspektive nachdenken – und den Blick aufs zweite Jahr in der Bundesliga richten. Ein Großteil der Stammkräfte um Kapitän Ben-Simon Bonin soll gehalten werden, die junge Garde sowieso. Erste Personalentscheidungen dürften Mitte März verkündet werden.

Als sicher gilt, dass US-Diagonalangreifer Nyherowo Omene, mit 317 Punkten die Nummer zwei der Bundesliga, nicht zu halten sein wird. Das tut weh, allerdings wird der Schmerz gelindert – weil Michael Dornheim bei der Suche nach Verstärkungen deutlich spürt, dass die Barock Volleys anders gesehen werden als noch vor einem Jahr. „Damals wollte kaum ein Spieler zu uns“, sagt der Sportdirektor, „mittlerweile haben wir uns eine Reputation erarbeitet, werden als feste Größe gesehen. Unsere Entwicklung wird anerkannt.“ Ganz unabhängig davon, ob es nun auch noch in die Play-offs reicht.

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