Barock Volleys MTV Ludwigsburg Überrascht der Außenseiter auch in den Play-offs?

Gibt es für die Ludwigsburger Volleyballer um Kapitän Ben-Simon Bonin (Mi.) gegen den VfB Friedrichshafen erneut Grund zum Jubeln? Foto: Baumann

Die Ludwigsburger Volleyballer treffen in der Viertelfinal-Serie der Play-offs auf den VfB Friedrichshafen und haben ein Ziel: den großen Favoriten erneut zu ärgern.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Es ist zwar kein offizieller Titel, eine wertvolle Auszeichnung aber allemal. Die Barock Volleys MTV Ludwigsburg sind, daran gibt es keine Zweifel, die Überraschungsmannschaft des Jahres in der Bundesliga. 15 Siege in 28 Spielen, 44 Punkte, Rang sechs, Einzug in die Play-offs – damit hatte niemand gerechnet. Nach der letzten Partie feierte die Mannschaft diesen Erfolg bei einem gemeinsamen Abendessen in Stuttgart, eine ausschweifende Partynacht wurde allerdings nicht daraus. „Die Saison“, sagt Ben-Simon Bonin, der Kapitän des Aufsteigers, „ist ja noch nicht vorbei.“ Und das Team aus Ludwigsburg längst noch nicht satt.

 

An diesem Sonntag (17 Uhr) beginnt für die Barock Volleys beim VfB Friedrichshafen die Viertelfinal-Serie der Play-offs. Das zweite Duell findet am 4. April in der Rundsporthalle in Ludwigsburg statt. Sollte die Entscheidung dann noch nicht gefallen sein, gibt es am 8. April in Friedrichshafen eine dritte Partie. Vor allem für einen Akteur ist das Treffen mit dem früheren Champions-League-Sieger, 13-maligen Meister und Rekordpokalsieger (17 Triumphe) ein ganz besonderes: Ben-Simon Bonin (23) spielte von 2018 bis 2022 und ab Februar 2024 noch einmal vier Monate lang für den VfB, ehe er nach Ludwigsburg wechselte, seine Freundin stammt aus Friedrichshafen, er hat am Bodensee immer noch zahlreiche Freunde und Bekannte. „Es gibt viele Verbindungen, ich verbringe regelmäßig Zeit dort“, sagt er – und lässt durchblicken, dass dies seinen sportlichen Ehrgeiz eher noch anstachelt. „Wir sind klarer Außenseiter“, sagt der Außenangreifer der Barock Volleys, „aber eine Chance gibt es immer.“ Das zeigen auch die Ergebnisse in dieser Saison.

Barock Volleys sind in der Rundsporthalle ungeschlagen

In der engen Rundsporthalle, die eine sehr niedrige Decke hat, sind die Ludwigsburger seit ihren Zweitliga-Zeiten ungeschlagen. Siege gab es dort unter anderem gegen den VfB Friedrichshafen (3:1), der am Ende Dritter der Bundesliga-Hauptrunde wurde, und zuletzt gegen die viertplatzierten SWD powervolleys Düren (3:0) – jeweils dank herausragender Leistungen und der Unterstützung der Fans. „Wir haben bewiesen, dass nicht jedes Top-Team automatisch den Sieg aus Ludwigsburg mitnimmt“, sagt Ben-Simon Bonin, der dies aber nicht als Warnung verstanden wissen will: „Es ist einfach der Hinweis auf die Realität.“ In der sich die Ludwigsburger auch sonst ganz gut zurechtfinden.

Schlagfertiger Außenangreifer: Ben-Simon Bonin. Foto: Baumann

Die Barock Volleys können sich, was die Tradition, die Erfolge und den Status angeht, mit Vereinen wie dem VfB Friedrichshafen nicht messen. Ihr Kader ist längst nicht so tief besetzt wie bei den Spitzenclubs der Liga, die über drei- bis viermal so viel Geld verfügen. Und trotzdem holen die Ludwigsburger, deren Etat im mittleren sechsstelligen Bereich liegt, mit großen Schritten auf. „Gratulation an die Verantwortlichen und die ehrenamtlichen Helfer“, sagt Ben-Simon Bonin, „der Unterschied zu Vereinen wie dem VfB Friedrichshafen ist nicht mehr riesig. Wenn ich auf die Qualität im Team, die Trainingsbedingungen oder die Lebensqualität für uns Spieler schaue, dann hat sich enorm viel getan.“

Natürlich ist es für einen Aufsteiger unmöglich, sich sofort auf Augenhöhe mit den Bundesliga-Besten zu bewegen, die Richtung aber, davon ist der Kapitän überzeugt, passt. „Wichtig ist, dass der Verein sich nicht damit zufrieden gibt, eine Überraschung zu sein“, erklärt er, „sondern sich unbedingt weiterentwickeln will, um mittelfristig das Niveau der Top-Clubs zu erreichen.“ Bis dahin? Lebt es sich in der Außenseiterrolle ganz gut. „Unser Ziel ist es“, sagt Ben-Simon Bonin vor den Duellen gegen Friedrichshafen, „den VfB zu ärgern.“ Es wäre keine Überraschung, wenn auch das gelingt.

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