Doppelt hält besser: Unter dem neuen Coach Hasse Mattila trainieren die Barock Volleys jetzt zwei Mal täglich. Foto: Baumann
Volleyballcoach Hasse Mattila ist in Ludwigsburg angekommen – mit ungewöhnlicher Adresse, klaren Zielen und viel Energie. Er will die erste Bundesliga-Saison unvergesslich machen.
Elke Rutschmann
09.09.2025 - 14:00 Uhr
Nicht jeder kann von sich behaupten, einen so prominenten Wohnsitz zu haben wie Hasse Mattila. Der neue Trainer der Barock Volleys Ludwigsburg ist nämlich vor drei Wochen in eine Einliegerwohnung im Elternhaus von Turn-Europameister Timo Eder eingezogen. Der Einzug verlief allerdings nicht ganz ohne Hindernisse: Zwar landete Mattila sicher in Stuttgart, doch sein Gepäck blieb zunächst auf der Strecke.
Inzwischen sind auch die Koffer angekommen und ausgepackt – und dem Finnen ist bewusst geworden, mit wem er da unter einem Dach lebt. „Ehrlich gesagt, kannte ich Timo vorher nicht. Ich verfolge den Sport nur bei Olympischen Spielen. Aber ich bewundere die Kontrolle, die Turner über ihren Körper haben“, sagt er.
Ein Volleyballer spielt Golf
Andere Sportarten im Fernsehen zu verfolgen, dafür hat Mattila kaum Zeit – er versinkt lieber ganz in seinem Volleyball-Kosmos. Eine Ausnahme macht er jedoch: „Nachdem ich vor ein paar Jahren selbst angefangen habe zu spielen, schaue ich manchmal Golf.“
An seiner neuen Wirkungsstätte fühlt sich der Finne schon gut angekommen. „Ludwigsburg ist ein schöner Ort zum Leben, leider bin ich schlecht im Navigieren“, erzählt der 34-Jährige schmunzelnd. Das Ludwigsburger Residenzschloss hat er aber bereits gefunden – und war schwer beeindruckt. Weil er gerne draußen unterwegs ist, hat er schon einige Restaurants ausprobiert. Experimentierfreudig bei der Essenswahl war er bislang jedoch nicht: „Mein Lieblingsgericht aus der deutschen Küche ist Schnitzel, weil ich kein großer Fan von Würstchen bin“, gesteht er.
Hasse Mattila ist früh Trainer geworden
Ludwigsburg ist Mattilas erste Station im Ausland – und zugleich der erste Verein außerhalb seiner Heimat. Schon mit 24 Jahren schlug er die Trainerlaufbahn ein. „Als Spieler war ich eher auf Zweitliganiveau, und als wir aufgestiegen sind, habe ich meine Qualitäten eher als Trainer gesehen“, sagt er. Acht Jahre lang half er, das Team seines kleinen 16.500-Einwohner-Städtchens Akaa zu einem der besten Vereine Finnlands zu formen. Nun sucht er eine neue Herausforderung – und traut sich mit den Barock Volleys den Aufschlag in eine erfolgreiche Zukunft, die er aktiv mitgestalten möchte.
Schließlich soll der Auftritt in der ersten Liga keine kurze Episode bleiben. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, betont Aufstiegstrainer Michael Dornheim, der inzwischen als Sportdirektor fungiert und Mattila zusätzlich als Co-Trainer unterstützt.
Dornheim beschreibt den Finnen als sehr ambitionierten und akribischen Arbeiter. Mattila selbst formuliert die Erwartungen klar: „Meine Erwartungen sind, dass wir hochklassiges Volleyball mit viel Energie spielen.“ Zusammen mit den Spielern möchte er die erste Saison im Oberhaus der Vereinsgeschichte „unvergesslich machen“. Sein Vertrag läuft zunächst über ein Jahr. Trotz dieser kurzen Laufzeit ist der Klub überzeugt von seinem neuen Coach, den man über einen finnischen Scout gefunden hat. Mattila wiederum zeigt sich „sehr dankbar für die Gelegenheit und das Vertrauen“.
Finne trifft Finne: Zuspieler Tomi Saarinnen kommt aus dem gleichen Land wie sein Trainer. Foto: Baumann
Die erste Woche in Ludwigsburg beschreibt Mattila als „großartig“. Er habe eine Gruppe von 14 motivierten Spielern, die er nun Schritt für Schritt besser kennenlerne – kommuniziert werde auf Englisch. „Nach und nach beginnen wir, Elemente unseres Systems ins Training einzubauen“, erklärt der Trainer, der auch an der Kaderzusammenstellung beteiligt war. Dafür hatte er sich intensiv Videos aus der Aufstiegssaison angesehen. „So wusste ich schnell, auf welchen Positionen wir Verstärkung brauchen.“
Neu im Team sind unter anderem Jeffrey Klok, National-Libero der Niederlande, der US-Amerikaner Nyherowo Omene auf der Diagonalposition, der Stuttgarter Jan Huber vom Zweitligisten TV Rottenburg im Mittelblock und auf der Zuspielposition Mattilas Landsmann Tomi Saarinen.
Start mit Pokalspiel gegen Dachau
Und was ist die größte Herausforderung? „Für die Spieler wird es deutlich intensiver – sowohl was die Anzahl der Spiele angeht als auch das Training. Zwei Einheiten pro Tag sind sie bislang nicht gewohnt“, sagt Mattila.
Wie gut das Team diese Umstellung meistert, zeigt sich am 12. Oktober im Pokalspiel gegen den ASV Dachau in der Ludwigsburger Innenstadthalle. Ebenfalls im Oktober starten die Turner des MTV Ludwigsburg in ihre Bundesliga-Rückrunde. Vielleicht findet Mattila ja dann Zeit, Timo Eder einmal live zu beobachten – und zu sehen, wie er die Kontrolle über seinen Körper unter Beweis stellt.
Wissenswertes über die Barock Volleys
Kader Zuspieler: Tomi Saarinen, Jonah Dornheim; Diagonalspieler: Nyherowo Omene, Mykyta Shapovalow; Außenangreifer: Ben-Simon Bonin, Tim Köpfli, Pascal Winter, Fabian Anton; Mittelblock: Philipp Herrmann, Jan Huber, Darius Diefenbach, Maxim Günther; Libero: Jeffrey Klok, Laurin Schiegl.
Heimspiele 2025: 21. Oktober um 19 Uhr gegen den SGV Lüneburg, 29. Oktober um 19.30 Uhr gegen den ASV Dachau, 16. November um 17 Uhr gegen Bitterfeld-Wolfen, 29. November um 19.30 Uhr gegen Königs Wusterhausen, 6. Dezember um 19.30 Uhr gegen den VfB Friedrichshafen, 7. Dezember um 17 Uhr gegen den VCO Berlin; 20. Dezember um 19.30 Uhr gegen Warnemünde.