Barockhaus als Pforte zum Milieu

Von "S-Innenstadt" 

Hauptstätter Straße Die Stadt wird Eigentümerin des Alten Armenhauses und will das Gebäude gemäß seiner historischen Bedeutung sanieren. Die spätere Nutzung ist noch offen. Von Sybille Neth

Hauptstätter Straße Die Stadt wird Eigentümerin des Alten Armenhauses und will das Gebäude gemäß seiner historischen Bedeutung sanieren. Die spätere Nutzung ist noch offen. Von Sybille Neth

Das "alte Armenhaus" im Leonhardsviertel geht in den Besitz der Stadt über. Sie hat Ende November das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert an der Hauptstätter Straße, Ecke Weberstraße gekauft. Es ist eines der letzten noch vorhandenen Barockhäuser der Stadt und gilt deshalb als Kulturdenkmal. Zur Zeit ist im Erdgeschoss das Cafe "Mistral" in den oberen Räumen befindet sich ein nicht genehmigtes bordellähnliches Etablissement.

Grüne, SPD sowie SÖS und Linke haben die Verwaltung in einem gemeinsamen Antrag aufgefordert, das alte Armenhaus zu kaufen und das Leonhardsviertel nicht kampflos dem Erotikgewerbe zu überlassen. "Wir wollten damit ein Gegengewicht schaffen und die Entwicklung stoppen", sagt Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle. Sie kämpft seit Jahren gegen den sich ausweitenden Straßenstrich und plädiert dafür, dass die Stadt im Viertel zum Verkauf stehende Häuser erwirbt und so mit neuen Nutzungskonzepten wieder für eine bunte Mischung im Viertel sorgt. Sofern weitere Immobilien zum Verkauf anstehen, werde die Stadt weitere Käufe prüfen, so lässte die Stadt auf Anfrage mitteilen.

"Es gibt in der Altstadt verschiedene Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert", weiß die Bezirksvorsteherin. Dem ehemaligen Armenhaus wird allgemein eine Pförtnerfunktion zugeschrieben, weil es als eines der ersten Gebäude im Viertel wahrgenommen wird. Nebenan befinden sich die komplett sanierten Geschäftsstellen des Verschönerungsvereins und des Schwäbischen Heimatbundes. Beide hatten sich, wie berichtet, vor wenigen Wochen mit einem Protestbrief an die Stadtverwaltung gewandt und diese dazu aufgefordert, konkret gegen den Straßenstrich und bauliche Missstände im Viertel vorzugehen. Dass nun so kurz darauf die Stadt das alte Armenhaus erworben hat, sei reiner Zufall, erklärt SPD-Stadtrat und City-Manager Hans H.Pfeifer. Es bestand kein Vorkaufsrecht, weil die Immobilie nicht in einem Sanierungsgebiet liegt.

Von der Absicht der Besitzer, sich von der Immobilie zu trennen, hatte Veronika Kienzle durch Zufall erfahren: "Es ist eben von Vorteil, wenn die Bezirksvorsteherin überall mit ihrem Fahrrad herumfährt", sagt sie schmunzelnd. Über den Kaufpreis herrscht aus datenschutzrechtlichen Gründen Stillschweigen.

Die Stadt habe das Gebäude erworben, um seinen drohenden Verfall zu stoppen, heißt es beim zuständigen Amt für Liegenschaften und Wohnen. Es soll seiner geschichtlichen Bedeutung entsprechend und unter denkmalschützerischen Aspekten saniert werden. Über die spätere Nutzung wird noch zu verhandeln sein. Sobald die Stadt durch den Grundbucheintrag tatsächlich Eigentümerin ist, werde man mit den jetzigen Mietern Kontakt aufnehmen. Durch den Kauf übernimmt sie die Mietverhältnissen und sobald wie möglich werde in Gesprächen mit den aktuellen Mietern eingehend geprüft, welche Möglichkeiten für eine neue Nutzung bestehen, so die Mitteilung der Verwaltung.

Veronika Kienzle könnte sich auch den Einzug eines gemeinnützigen Vereins vorstellen. Auch gegen ein "bürgerliches Cafe" wäre nichts einzuwenden, sagt sie. "Es gibt auf alle Fälle viele gute Nutzungsmöglichkeiten, die besser sind als illegale Bordellbetriebe." Kienzle kritisiert auch, dass die Stadt seit 2001 im Viertel vier Gebäude verkauft hat. "Tragisch ist, dass auch welche ans Milieu gegangen sind", weiß die Ortsvorsteherin.