Barockorchester Telemänner „Ein bisschen wie Techno“

Von Ina Schäfer 

Das Orchester Die Telemänner schuftet in den Osterferien für eine beinahe in Vergessenheit geratene Musik.

Steffi Bade-Bräunings Begeisterung springt auf die jungen Musiker über. Foto: Heinz Heiss
Steffi Bade-Bräunings Begeisterung springt auf die jungen Musiker über. Foto: Heinz Heiss

S-Nord - In den Räumen der Künstlerinnen-Organisation Gedok, nahe der Russischen Kirche, wird die Stille von einem energischen Klopfen unterbrochen. Es ist Steffi Bade-Bräuning, die mit ihrem Dirigierstock einen Takt auf ihr Notenblatt klopft. „Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus!“, sagt sie dabei und fügt hinzu: „Das ist ein bisschen wie Techno.“ Es sind Osterferien, und trotzdem wird in der Gedok richtig geschuftet. Bachs Konzert für zwei Violinen, Orchester und Continuo und Henry Purcells Suite The Fairy Queen stehen auf dem Programm der Telemänner, dem internationalen Kinder- und Jugend-Barockorchester, das Bade-Bräuning 2008 gegründet hat und seither leitet. Das Orchester probt ausschließlich in den Ferien und schließt die Intensiv-Workshops mit Konzerten ab. Der Oster-Workshop steht ganz im Zeichen des „Sommernachtstraums“. Klingt schön, ist aber harte Arbeit.

Rund ein Dutzend Mädchen und Jungen im Alter zwischen elf und 17 Jahren schart sich an diesem Morgen um Steffi Bade-Bräuning. Sie unterstützt die jungen Musiker nicht nur mit dem Dirigierstock, sondern auch mit aufmunternden Worten. „Das Schwierige habt ihr jetzt richtig gemacht, und das Einfache falsch. Aber das kriegen wir hin!“, sagt sie. Ohne Protest werden die Geigenbögen erneut angesetzt. Es ist zu spüren, dass hier nicht nur die Leiterin für die Musik brennt. Das Credo der Dirigentin, ihre eigene Begeisterung für die Musik auf die Jugendlichen zu übertragen, scheint sie umzusetzen. Einige sind dem Orchester seit Jahren treu. „Der Erfolg versprechende Faktor ist, dass sie freiwillig hier sind“, sagt Bade-Bräuning. „Natürlich ist das kein Urlaub. Aber vielleicht ein Urlaub für die Seele.“

Ergänzung zu den Sinfonieorchestern

Das Besondere an den Telemännern ist, dass sie hauptsächlich barocke Stücke spielen. Man verstehe sich als eine Art Ergänzung zu den Sinfonieorchestern, in denen die meisten Telemänner außerhalb der Ferien spielen. „Es gibt so viele Orchester für Jugendliche, doch kaum welche, die sich auf Barockmusik spezialisiert haben“, sagt Bade-Bräuning zu diesem Schwerpunkt. „Viele Leute mögen Barockmusik, sie wissen es nur nicht. Sie ist sehr unbekannt. Dabei ist es tolle Musik. Zwar komplex, aber sie geht vorwärts und ist rhythmisch.“ Eben ein bisschen wie Techno.

Geigen, Oboen, das Fagott oder das Klavier werden so lange bearbeitet, bis die barocken Stücke sitzen. Der Erfolg komme nicht von ungefähr, sondern nur durch Anstrengung. „Aber nur so können sie anschließend Stolz entwickeln“, sagt Bade-Bräuning. Die außermusikalischen Kompetenz, die Jugendliche in der Orchesterarbeit mitnehmen, sei ein wichtiger Faktor ihrer Arbeit. In die Workshops werden nur bis zu zwanzig Musiker aufgenommen, damit diese als Solisten gefordert sind. „Sie müssen merken: Ich bin wichtig, ich werde gehört“, sagt sie. Das präge die jungen Musiker nicht nur für das kommende Berufsleben, sondern für das Leben allgemein.

Die Telemänner agieren international

Aber auch die musikalische Prägung trägt Früchte. Einige, die in jungen Jahren bei den Telemännern waren, haben später Musik oder ein Instrument studiert. In diesem Jahr sind zwei Solisten dabei: Hannah Pillin und Alon Bindes, beide 15 Jahre alt, beide haben schon Preise bei Jugend musiziert gewonnen – im vergangenen Jahr sogar als Duo. Was das Orchester in den Ferien leistet, nennt Bade-Bräuning „hoch professionell“. Sie selbst ist Studienrätin am Schelztor-Gymnasium in Esslingen und eine erfahrene Dirigentin. Sie leitet zahlreiche Orchester wie beispielsweise das Sinfonieorchester der Hochschule Esslingen. Einige Zeit hat sie in Singapur gelebt, dort war sie Leiterin des Fachbereichs Musik an der Deutschen Schule.

Auch mit den Telemännern agiert sie international. Ein Stipendiatenprogramm bringt immer wieder Kinder und Jugendliche der Musikschule Hubay in Budapest nach Stuttgart. Die Telemänner selbst sind häufig zu Gast in Ungarn. Im vergangenen Jahr ging es sogar nach New York. Das Verbinden von Musikern auf der ganzen Welt ist Bade-Bräuning ein großes Anliegen: „Das ist das Schöne daran, ein Instrument zu spielen: egal wohin man geht, man findet immer ein Orchester. Musik verbindet.“

Konzerte: 14. April, 17 Uhr, Gedok Stuttgart, Hölderlinstr. 17; 15. April, 18 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Ostfildern; 29. April, 13.30 Uhr, Alte Zitadelle, Burg Esslingen
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