Ein neuer Spazierweg in Oppenweiler macht vor, wie Inklusion im Alltag funktionieren kann: Barrierefrei, naturnah und mitten im Ort. Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald zeigt mit seinem Projekt, dass Teilhabe auch jenseits der Städte möglich ist.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Es gibt Orte, die sofort Ruhe ausstrahlen. Orte, die nicht laut sein müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Der neue Spazierweg rund um das Wasserschloss in Oppenweiler ist so ein Ort. Doch was ihn besonders macht, ist nicht nur seine Kulisse – sondern das Prinzip – barrierefrei für alle.

 

Oppenweiler ist nun Teil eines größeren Ganzen. Der neue Weg ist bereits der 15. seiner Art im Rahmen des Projekts „Inklusive Wanderbotschafter:innen“ des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald. Und ein sichtbares Zeichen dafür, dass Inklusion nicht nur in Schulbüchern oder Gesetzestexten stattfindet – sondern auch auf Waldwegen, Schlosswiesen und Parkbänken.

Inklusion erleben

„Der neue inklusive Spazierweg zeigt, wie Ort, lokale Wirtschaft, Natur und Gemeinschaft harmonisch zusammenspielen können – für ein Miteinander ohne Hürden im täglichen Leben“, sagte Bürgermeister Bernhard Bühler bei der Eröffnung. Worte, die in Oppenweiler mehr sind als gute Absicht.

Auch Sebastian Eltschkner, Behindertenbeauftragter des Rems-Murr-Kreises, fand klare Worte: „Barrierefreie Freizeitangebote sind essenziell, gerade im ländlichen Raum.“ Denn während in Städten inzwischen an vielen Ecken auf Inklusion geachtet werde, bleibe sie in kleinen Gemeinden oft ein Randthema. Nicht so in Oppenweiler.

Inklusion schmeckt: Barrierefreier Start beim Bäcker

Der Weg selbst beginnt – ganz unprätentiös – bei der örtlichen Bäckerei Übele. Rollstuhlgerecht, mit Kaffee und Kuchen, und umgeben von passenden Bushaltestellen und Parkplätzen. Ein Ort, an dem Inklusion auch schmeckt.

Naturparkführer Matthias Motzigemba begleitete die Eröffnung mit Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten – über das Wasserschloss, den Schlossgarten und das Leben früherer Generationen. Die Teilnehmer lauschten nicht nur gebannt, sie bewegten sich auch ganz selbstverständlich auf einem Weg, der keine Schwellen kennt. Weder physisch noch symbolisch.

Natur für alle erlebbar machen

Dass der Weg mehr ist als ein hübscher Spaziergang, machte auch Naturpark-Geschäftsführer Karl-Dieter Diemer deutlich: „Inklusion bedeutet für uns, dass Natur für alle erlebbar sein soll – unabhängig von körperlichen Voraussetzungen.“

Und so bietet der Weg nicht nur Zugang zur Natur, sondern auch zur Gesellschaft. Denn wer draußen ausgeschlossen wird, bleibt oft auch drinnen unsichtbar.

15 barrierefreie Routen für alle

Die Initiative ist Teil eines überregionalen Engagements. Bereits 15 inklusive Wege wurden im Naturpark eingerichtet – jeder einzelne angepasst, geprüft, verbessert. Nicht nur die Wege selbst, auch deren Umgebung wird konsequent mitgedacht: Toiletten, Haltestellen, Gastronomie. Damit wirklich alle mitkönnen.

Überblick Wer sich selbst ein Bild machen will, findet Informationen online unter www.naturpark-sfw.de oder im Tourenportal „Q-vadis“ unter dem Schlagwort „Inklusive“.