Barrieren im Stadtbezirk Hindernisse gibt es überall

Von Janey Schumacher 

Wie Stehtische auf Gehwegen, Motorräder oder Kopfsteinpflaster zum Hindernis werden können, ist Menschen ohne Behinderung meist gar nicht bewusst. Ein Spaziergang durch den Stadtbezirk macht auf Gefahrenstellen aufmerksam.

An der Treppe in der Buchauer Straße sollte der Handlauf verbessert werden, wünschen sich vor allem ältere Menschen.Fotos: Janey Schumacher Foto:  
An der Treppe in der Buchauer Straße sollte der Handlauf verbessert werden, wünschen sich vor allem ältere Menschen. Fotos: Janey Schumacher Foto:  

Wangen - Wie Stehtische auf Gehwegen, Motorräder oder Kopfsteinpflaster zum Hindernis werden können, ist Menschen ohne Behinderung meist gar nicht bewusst. Ganz anders ergeht es dagegen blinden Menschen, Personen, die im Rollstuhl sitzen oder auf Gehhilfen angewiesen sind. „Wir sind nicht behindert, sondern wir werden behindert“, sagt eine Dame, die im Rollstuhl sitzt. Wie sehr sie recht hat, wird den Teilnehmern eines Spaziergangs durch den Stadtbezirk bewusst.

Vom Brunnen vor dem Bezirksrathaus geht es in Richtung Zinkbrunnenstraße. Bereits am Marktplatz werden erste Unannehmlichkeiten deutlich: „Das Kopfsteinpflaster ist für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, oft unangenehm“, sagt Oliver Appel, Sachverständiger vom Dachverband Integratives Planen und Bauen. Daher wären Korridore mit glatt geschliffenen Steinen wünschenswert, da es dann beim Fahren weniger holpert. „Auch blinde Menschen könnten sich so mit dem Langstock besser orientieren“, sagt er.

Nachdem die Gruppe wenige Meter zurückgelegt hat, taucht bereits das nächste Hindernis auf: Mit ihren Blindenstöcken tasten sich Maria Seidler und Winfried Specht vom Blinden- und Sehbehindertenverband Stuttgart den Bordstein entlang. Dann stoßen sie auf Hindernisse: Zwei Motorräder, die auf dem Gehweg geparkt wurden, blockieren den Weg. Was dem Motorradhalter vielleicht wie ein Bagatelldelikt vorkommen mag, kann für Menschen mit Behinderung unter Umständen zur Gefahr werden – etwa, wenn sie auf die Straße ausweichen müssen, obwohl sie den Verkehr dort nicht richtig wahrnehmen. Noch schlechter passierbar ist der Gehweg eine Straßenecke weiter: Ungesicherter Bauschutt wird vor einem Gebäude gelagert. Auf dem verbleibenden Bordstein wurde außerdem ein Fahrzeug geparkt. Die Folge: Ein Durchkommen ist unm öglich. Passanten müssen an dieser Stelle auf die Straße ausweichen. Weniger offensichtlich als die verbotswidrig abgestellten Fahrzeuge sind Hindernisse wie zu weit auf den Bordstein ragende Hecken oder Zigarettenautomaten an den Hausfassaden. Letztere sind mit dem Langstock über den Boden nicht zu ertasten. „Auch die Bordsteinkanten sind oft ein Problem und stellen eine Stolperfalle dar“, sagt Specht. Er wünscht sich deshalb deutlich mehr abgesenkte Bordsteinkanten .

Die Stolperfallen sind vielfältig

Weiter geht es über die Höhbergstraße zur Buchauer Straße. An der Kreuzung Nähterstraße macht CDU-Bezirksbeirat Marjian Laszlo auf eine weitere Gefahrenstelle aufmerksam. Hier parken regelmäßig Fahrzeuge in den Kurven, sodass die Gehwege von den Autos versperrt werden. „Die Stellen sollten markiert werden, um Autofahrer darauf hinzuweisen, dass hier nicht geparkt werden darf“, sagt Laszlo. Kurz vor der Ecke Buchauer-/Ulmer Straße wird außerdem eine Treppe, die ebenerdig an den Gehweg anschließt, zur Hürde. „Hier sollten eine Markierung und ein besserer Handlauf angebracht werden“, sagt Appel.

Der Spaziergang verdeutlicht den Beteiligten, wie vielfältig die Stolperfallen im Stadtbezirk sind: Dazu zählen auch Stehtische, Kundenstopper vor Ladenlokalen sowie unachtsam aufgestellte Mülltonnen. „Doch Wangen ist keinesfalls ein Extremfall“, sagt Walter Tattermusch, der Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Stadt. Er rät Anwohnern und Passanten, denen Hindernisse auffallen, diese bei der Stadtverwaltung zu melden, sodass die Gefahrenstellen beseitigt werden können. Auch Bezirksvorsteherin Beate Dietrich möchte die Menschen in Wangen für das Thema sensibilisieren. „Jeder kann täglich zum Betroffenen werden“, sagt sie. Um so wichtiger sei es, im Stadtbezirk und auch vor der eigenen Haustüre auf Barrierefreiheit zu achten.

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