In den ersten beiden Aufeinandertreffen der aktuellen Saison in der Baseball-Bundesliga haben die Stuttgart Reds die Heidenheim Heideköpfe noch kräftig überrascht. An beiden Doppelspieltagen gelang den Cannstattern gegen den württembergischen Rivalen neben einer Niederlage auch jeweils ein Sieg. In der fünften Begegnung am Freitag sicherte sich der amtierende deutsche Meister von der Ostalb jedoch im Sportpark am Schnarrenberg einen deutlichen 15:0-Kantersieg. Das Spiel am Samstag an gleicher Stätte wurde wegen eines Unwetters beim Stand von 3:0 für Heidenheim im fünften Inning abgebrochen und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Im Aufgebot der Stuttgarter steht seit Saisonbeginn ein Mann, der von seiner Statur her durchaus ein wenig an die berühmte Filmfigur „Crocodile Dundee“ aus seinem Heimatland Australien erinnert: Jack Barrie, 1,93 Meter groß, 110 Kilo schwer, beeindruckt mit seiner Statur und den kräftigen Oberarmen schon allein von der Optik so manchen Gegner in der Bundesliga. Geboren in Kalgoorlie, einer Bergbaustadt im Südwesten des roten Kontinents und aufgewachsen in Cairns im Bundesstaat Queensland, ist ein Modellathlet mit einer beeindruckenden Karriere in einer Sportart, mit der man Australier gemeinhin nicht direkt assoziiert. „Mit 13, 14 Jahren habe ich Rugby gespielt, wie viele Jungs in meiner Heimat. Ich habe dann aber sehr schnell aufgehört, weil ich einige Gegner mit meiner Masse und meiner Kraft im Spiel verletzt habe“, sagt der 28-Jährige. Stattdessen debütierte er schon im Alter von 17 Jahren in der australischen Baseball-Liga der Männer, nachdem ein Lehrer an der Schule sein Talent für diesen Sport entdeckt hatte, bei dem ein direkter Körperkontakt mit dem Gegner in der Regel nicht stattfindet.
Rasch entdeckt wurden seine Fähigkeiten mit Schläger und Ball dann auch auf dem amerikanischen Kontinent, wo die Minnesota Twins aus der Major League Baseball (MLB) den Teenager aus Down Under 2014 beim alljährlichen Draft (Auswahl) der Talente für sich entdeckten und mit einem Profivertrag ausstatteten. „Ich habe bei einer alleinstehenden, älteren Dame in Florida gelebt und mich sehr schnell an das Land gewöhnt, das so komplett anders ist als mein eigenes“, sagt Jack Barrie, der dann sehr schnell wieder aus seinem Vertrag bei den Twins entlassen wurde, ohne jemals ein Spiel auf der ganz großen Baseball-Bühne bestritten zu haben.
Stattdessen wurden die US-amerikanische Collegeliga, Kanada und Auckland in Neuseeland zu seinen Spielstätten, parallel dazu spielt er seit 2015 wieder in der heimischen Liga für die Melbourne Aces und die Canberra Cavalry in der Bundeshauptstadt, bei denen er auch ganz aktuell unter Vertrag steht. „Unsere Profiliga in Australien geht nur von November bis Februar, da kam das Angebot aus Stuttgart, in der restlichen Zeit in Deutschland zu spielen, gerade richtig“, sagt Jack Barrie. In den vergangenen vier Monaten hat der First-Base-Verteidiger nun schon 20 Spiele in der höchsten deutschen Klasse absolviert und sich sowohl sportlich, als auch persönlich gut eingelebt: „Das kalte Wetter hier ist schrecklich, aber die Menschen sind extrem freundlich zu mir und die Liga ist vom Niveau her deutlich besser als ich es erwartet habe“, sagt Barrie. Jüngst hat er einen Ausflug nach Heidelberg unternommen, ansonsten kennt er bislang weitgehend das Fitnessstudio, das eigene Trainings- und Spielgelände und die Stadien der Gegner in München, Regensburg, Mainz und im hessischen Hünstetten. Wenn dann unter der Woche doch einmal Zeit ist, dann zieht es ihn am liebsten auf den Schlossplatz nach Stuttgart. „Die Gegend mit den vielen Bergen gefällt mir sehr gut. Zuhause an der australischen Ostküste bin ich in fünf Minuten am Meer“, sagt der Mann, der vor einigen Jahren eine besondere Geschäftsidee hatte: Parallel zur Baseball-Karriere übernahm er mit seiner Mutter einen Betrieb zur Herstellung und zum Vertrieb von Fruchtsäften: „Das lief so gut, dass wir nach kurzer Zeit ein halbes Dutzend Mitarbeiter hatten, doch dann hat uns die Pandemie leider alles kaputt gemacht“, sagt Barrie. Nach Ende der Bundesliga-Hauptrunde (und möglicherweise der Playoffs) wird er nach Hause fliegen, seinem Lieblingshobby, dem Skateboarden frönen und wieder in der heimischen Liga AUBL spielen.