Zwei „Schwergewichte“ zum Auftakt – zum einen empfangen die Baseballer der Stuttgart Reds zum Erstliga-Start an diesem Samstag, 14 Uhr, keinen Geringeren als den siebenfachen Deutschen Meister, die Heidenheim Heideköpfe. Zum anderen wird die Spielzeit auf dem Cannstatter Schnarrenberg von der höchsten Stelle aus dem Stuttgarter Rathaus eröffnet: Oberbürgermeister Frank Nopper macht den sogenannten First Pitch, den ersten Wurf. Ein Wurf in eine Saison, in der die Baseballer des TV Cannstatt das Minimalziel bereits vor dem ersten Schweißvergießen erreicht haben und die einige Neuerungen und Überraschungen parat hält.
Schluss mit Bundesliga, seit Ende Februar heißt die Beletage Deutsche Baseball-Liga, kurz DBL. Neben der Namensänderung sollen unter anderem ein neues Logo, eine neue Website, Podcasts und eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien den amerikanischen Sport hierzulande bekannter machen – oder wie es Sportmarketing-Experte Markus Jaisle, der für das Projekt verantwortlich zeichnet, sagt: „Die Bundesliga ist das Herzstück des deutschen Baseballs. Wir wollen sie nicht ersetzen, sondern stärken.“ Fernziel seien 16 Teams im Oberhaus.
Stärken ist das eigentliche Stichwort. Von dieser Wunschzahl 16 ist die Liga derzeit weit entfernt. Es krankt an Kandidaten. Manchen Vereinen scheint der finanzielle Aufwand beziehungsweise das Risiko zu hoch zu sein, um den Schläger erstklassig schwingen zu wollen. Weshalb häufig auf das Aufstiegsrecht verzichtet wird. Die Süd-Staffel, die Heimat der Reds, ist mit sechs Teams immerhin gleich stark wie in der Vorsaison. In der Nord-Staffel fanden sich nach dem Rückzug der Dohren Wild Farmers aber nur vier Clubs ein. Ein fünfter wurde gesucht – und in Hünstetten Storm gefunden. Jenem Team, das in der vergangenen Saison in der Süd-Staffel unterwegs war und gegen die Reds in den Play-downs den Kürzeren zog. Mehr noch: gegen den Zweitliga-Aufstiegsanwärter Gauting Indians verloren hatte und eigentlich abgestiegen ist. Doch Hünstetten bleibt erstklassig. Mangels anderer Interessenten und aufgrund der geografischen Lage der Hessen spielen sie nun im Norden mit.
Derweil steht die kommende Spielzeit im Zeichen der deutschen Nationalmannschaft, weiß der Cannstatter Abteilungsleiter Christoph Manske. Genauer: der Fokus liegt auf der Europameisterschaft vom 20. bis 27. September in den Gastgeberländern Italien, Niederlande und Belgien sowie der WM-Qualifikation. Bedeutet für den Ligabetrieb: Baseball im Eilzugtempo, eine eingeschränkte Saison, weshalb der Spielmodus erneut geändert wurde. Zwar wird es wie im Vorjahr den dreimaligen Doppelheader (Doppelspieltag) geben, jedoch wird auf die Play-downs verzichtet. Es gibt also keine Absteiger. Zudem verringert sich die Anzahl der Play-off-Teilnehmer. Sind es in beiden Staffeln normalerweiseweise vier, spielen ausnahmsweise nur zwei um den deutschen Titel.
Bleibt die Frage nach dem sportlichen Anreiz. Langeweile könnte sich schnell einschleichen, marschieren doch seit Jahren die Spitzenteams Heidenheim und Regensburg Legionäre voraus. Letztere sind der Vorjahres-Südstaffel-Meister und fünffacher deutscher Titelträger. Manske hält diese beiden Vereine erneut für die großen Favoriten, er sieht in dem Modus aber auch eine Chance für seine Mannschaft – vor allem für den Nachwuchs. „Da wir ohne Druck in die Saison gehen, können unsere jungen Spieler mehr Spielzeit bekommen und wichtige Erfahrungen sammeln“, sagt Manske. Vorrangig denkt er dabei an den U-18-Nationalspieler Jonathan Schäffer, der im Vorjahr einen Erstliga-Einsatz hatte, sonst in der zweiten Liga im zweiten Reds-Team auf dem Wurfhügel stand. „Ein hochbegabter Spieler, der von den Einsätzen in der ersten Liga weiter profitieren wird.“
Und eben weil die Reds generell stark auf die eigene, erfolgreiche Jugend setzen, wurde in dem Trainer Ryan Ford ein Nachfolger für Rick Jacques verpflichtet, der in verschiedenen Nachwuchsprogrammen als Coach gearbeitet hat. Darüber hinaus verstärken Fords US-amerikanischen Landsleute Ethan Mann (Out-/Infielder) und Myles Martinez (linkshändiger Pitcher) die Mannschaft. Zudem hat sich der polnische Nationalspieler Hubert Zgorzynski dem Cannstatter Team angeschlossen. So lautet das Saisonziel nach dem bereits geschafften Nichtabstieg: „Die Großen ärgern und so lange wie möglich um die Play-off-Plätze mitspielen.“ Am besten gleich durch einen Split (Siegeteilung) gegen das Schwergewicht Heidenheim, bei dem die Reds zum zweiten Spiel am Sonntag (14 Uhr) zu Gast sein werden.