Basketball beim TSV Steinenbronn “Eine zweite Familie“ – Warum der abgeschlagene Tabellenletzte nie aufgibt

Johanna Schenk und Teresa Sena (v. re.) von den Steinenbronn Beasts lassen sich von Niederlagen nicht aus der Ruhe bringen. Foto: Maximilian Schöbel

Die Regionalliga-Basketballerinnen der Steinenbronn Beasts müssen Woche für Woche mit Niederlagen umgehen – und zeigen dabei, was auf wie neben dem Feld echten Teamgeist ausmacht.

Volontäre: Maximilian Schöbel (scm)

Sie hatten lange darauf hingearbeitet – im dritten Anlauf war es endlich soweit. Den Basketballerinnen der Steinenbronn Beasts gelang Historisches. Der Aufstieg in die dritthöchste Liga Deutschlands, die Regionalliga. „Das war eine riesen Freude“, erinnert sich Trainer Christian Schenk. Und fügt hinzu: „Das war schon krass.“

 

Das Ziel vor der Saison 2025/26 war klar: In der Klasse bleiben. „Wir wollten irgendwo im Mittelfeld mitspielen. Dass wir gegen die Topteams nicht mithalten können, war uns von Anfang an bewusst.“ Doch die Realität holte das Team schneller ein als gedacht. „Ich dachte ehrlich gesagt schon, dass es ein bisschen besser laufen würde“, gibt Teresa Sena zu, die zusätzlich eine der Trainerinnen der Herrenmannschaft ist. Denn es kam deutlich schlimmer als befürchtet.

Steinenbronn Beasts fehlen am Ende die Kräfte

Niederlage folgte auf Niederlage. „Dass wir die ersten fünf Spiele verlieren würden war klar“, sagt Teresa Sena. Denn dort trafen die Aufsteiger direkt auf die besten Teams der Liga. „Dass es dann die nächsten fünf Spiele so weiter ging“, klagt die Spielerin, „hat wehgetan.“ Eine frühe Erkenntnis: der Niveauunterschied im Vergleich zur Oberliga ist immens.

Oft hielten die Beasts über weite Strecken gut mit, doch am Ende fehlte die Kraft. „Vier Viertel können lang sein. 30 Minuten halten wir wunderbar mit“, sagt Co-Trainer Erich Rittmaier. Kein Wunder – denn in voller Besetzung kann das Trainer-Duo lediglich auf neun Spielerinnen zurückgreifen. „In der Regionalliga spielen wir meistens gegen einen Kader von zwölf topfitten Mädels“, sagt Rittmaier und ergänzt: „Die haben vermutlich noch einmal fünf Spielerinnen daheim gelassen, weil sie nicht mehr mitnehmen konnten. Da hast du dann keine Chance.“

Trotz der vielen Niederlagen herrscht bei den Steinenbronn Beasts eine gute Stimmung. Foto: Maximilian Schöbel

Keine optimale Saisonvorbereitung für die Steinenbronn Beasts

Die Kadertiefe ist das eine. Erschwerend kam hinzu, dass das Team mit mehreren Abgängen klarkommen musste. Der gravierendste war der von Trinity Wild, die für das Studium weggezogen ist. „Sie war die Führungsspielerin im Aufstiegsjahr, sie hat sehr viel Energie auf den Platz gebracht, die uns jetzt fehlt“, so der Übungsleiter.

Gleichzeitig lief die Vorbereitung auf die Saison alles andere als optimal. Immer wieder war die Halle aufgrund von Reinigungsarbeiten oder anderen Veranstaltungen belegt, regelmäßiges Training war nur eingeschränkt möglich.

Die Stimmung bei den Steinenbronn Beasts bleibt stabil

Und doch: die Mannschaft zerbrach nicht an der Niederlagenserie. Das hatte auch einen bestimmten Grund. „Wir wussten schon, auf was wir uns einlassen“, sagt Rittmaier, und sein Trainerkollege ergänzt: „Das war nicht so weit außerhalb unserer Erwartungen, dass es uns geschockt hätte. Klar, Niederlagen tun weh – aber wir sind da immer wieder rausgekommen.“

Tatsächlich blieb die Stimmung im Team bemerkenswert stabil. „Anfangs war es schwieriger zu akzeptieren, dass wir jedes Spiel verlieren“, sagt Teresa Sena, doch das Wochenende sei nach einer Niederlage deswegen nicht gelaufen. Auch außerhalb des Feldes funktioniert das Miteinander – ein Faktor, der Vieles auffängt. „Die Mädels sind einfach Klasse“, schwärmt Christian Schenk. Doch sportlich blieb es eine Tragödie. 16 Spiele – 16 Niederlagen. Und doch gab es weiter die Hoffnung auf den einen Moment.

Pizza als Extra-Motivation für die Steinenbronn Beasts

Lange schien es zwar, als würde es ihn niemals geben, doch im Februar war es dann endlich soweit. „Ich habe immer gehofft, dass wir noch einen Sieg holen“, sagt Schenk. In den PKF Titans Stuttgart traf sein Team auf den Tabellendritten – also eines der besten Teams der Liga. Doch diesmal hatten die Stuttgarterinnen mit einem dünn besetzten Kader zu kämpfen, die Steinenbronner Mannschaft erwischte dagegen einen sehr guten Tag – und das Trainerteam merkte schnell: „Da ist heute was drin.“ Das spürten auch die Spielerinnen. „Wir hatten nichts zu verlieren und wollten zunächst einfach Spaß haben“, erinnert sich Teresa Sena, „doch aus Spaß wurde dann irgendwie ernst.“ Eine besondere Motivation gab es zusätzlich vom Trainer: „Ich hatte den Mädels versprochen, ihnen Pizza auszugeben, wenn sie das Spiel gewinnen.“ Als die Partie zu kippen schien, erinnerte Rittmaier noch mal augenzwinkernd an die Extra-Motivation: „Ihr wollt Pizza? Also spielt gescheit.“

Steinenbronn Beasts feiern ihren ersten Saisonsieg

Und tatsächlich. Die Steinenbronn Beasts bekamen die Führung über die Zeit und feiern ihren ersten Erfolg der Saison. „Das war richtig geil“, sagt Spielerin Johanna Schenk lächelnd. Teresa Sena ergänzt: „Dass es ausgerechnet gegen Stuttgart war, macht es noch schöner. Gegen die hatten wir bis dahin in keinem Wettbewerb gewonnen – nicht mal in einem Testspiel.“

Um das Team zusammenzuschweißen, das war schon vorher klar gewesen, hat es diesen Sieg aber nicht gebraucht. Für die Spielerinnen ist ihre Mannschaft mehr als nur Sport. „Für mich ist es wie eine zweite Familie. Ich verbringe den Großteil meiner Freizeit in der Halle“, sagt Teresa Sena. Johanna Schenk ergänzt: „Wir muntern uns gegenseitig auf und können hier abschalten. Selbst bei Auswärtsreisen verbringen wir den ganzen Tag zusammen. Da merkt man richtig – wir sind ein Team.“

Besonderer Zusammenhalt bei den Steinenbronn Beasts

Auch Neuzugang Franziska Kolbe bestätigt den besonderen Zusammenhalt. Ihr war es wichtig ein Team mit einer guten Teamchemie zu finden. Heute sagt sie: „Mir hat der Wechsel den Spaß am Sport zurückgebracht. Ich habe schon in einigen anderen Vereinen gespielt, aber so eine homogene Gruppe aus Spielerinnen und dem Trainerteam habe ich noch nie erlebt.“

Zwei Saisonspiele darf sie das noch genießen. Dann heißt es für die Steinenbronn Beasts: Abschied nehmen aus der Regionalliga. In der kommenden Saison wird sich einiges ändern: Einige Spielerinnen verlassen das Team, das gemeinsam mit der zweiten Mannschaft neu zusammengestellt wird – um wieder ein konkurrenzfähiges Oberliga-Team zu stellen. Eines soll aber weiter gelten: Die Steinenbronn Beasts werden als Einheit auftreten. Auf und neben dem Platz.

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