Basketball-Bundesliga Riesen-Bilanz: Warum es auch um die Zukunft von Mikko Riipinen geht

Coach Mikko Riipinen (Mitte) schwört seine Spieler ein – das gelingt noch nicht immer. Foto: Baumann/Julia Rahn

Halbzeit in der Basketball-Bundesliga – und Zeit für ein Zwischenfazit. Das lautet ordentlich, aber nicht überragend. Erst am Ende wird abgerechnet.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Die letzten drei Gegner der MHP Riesen Ludwigsburg zum Abschluss der Hinrunde kamen aus Bamberg, Bonn und Braunschweig, ein Trible B gewissermaßen, was in der Finanzsprache so viel bedeutet wie das niedrigste akzeptierte Kreditrating. In wirtschaftlicher Hinsicht allerdings steht der Basketball-Bundesligist mit einem Etat von knapp sechs Millionen Euro und einer 99-prozentigen Hallenauslastung deutlich besser da. Bei der letzten Mitgliederversammlung wurde erneut die Schuldenfreiheit des Clubs betont; aber auch sportlich liegt die Mannschaft zum Abschluss der Halbserie mit neun Siegen und sieben Niederlagen zunächst einmal im Plus (selbst wenn das Spiel bei Tabellenführer Bayern München noch nachgeholt werden muss).

 

„Platz sieben ist nicht überragend, aber ordentlich“, sagt der Vorsitzende Alexander Reil. Wobei die bisherigen Auftritte der Saison teilweise einer Achterbahnfahrt glichen, mit Höhepunkten wie vor Kurzem dem deutlichen Sieg in Bamberg, aber auch desolaten Auftritten wie in Berlin (47:80). Das Hauptproblem bisher ist die fehlende Konstanz während der vierzig Minuten in einem Spiel. „Das Talent ist vorhanden“, sagt Reil, „jetzt müssen wir versuchen, das mit Struktur und vor allem Stabilität zu formen.“ Dazu stehen noch genug Partien bis zum Hauptrundenende am 10. Mai auf dem Programm. Wobei zunächst einmal das Erreichen des Play-off-Viertelfinales als Maßstab gilt.

Große Fußstapfen

Nicht zuletzt für den neuen Trainer Mikko Riipinen, der nach der Legende John Patrick in zugegebenermaßen große Fußstapfen trat, auch wenn der Abgang des US-Amerikaners eher unrühmlich war. Riipinen besitzt zwar einen Vertrag bis 2027, allerdings hat der Verein beim Verpassen der Play-offs die Option, vorzeitig zu kündigen. „Was nicht heißt, dass wir das auch tun werden“, wie Reil betont.

Der Vorsitzende ist aber zu lange im Geschäft – immerhin seit 1999 – um zu wissen: am Ende zählt im Sport das Ergebnis. Und nach der Dekade unter Patrick sei es nun eben auch „ein Gewöhnungsprozess“. Riipinen ist ein ganz anderer Typ, mit einer anderen Philosophie und aus einer anderen Generation. Aber eben auch mit einer neuen Erfahrung. Zwar ist der 38-Jährige in Personalunion schwedischer Nationaltrainer und auch stolz darauf, doch sein Hauptjob ist eben Ludwigsburg, die Bundesliga. Und die ist ein Haifischbecken, weil „jeder jeden schlagen kann“, wie Riipinen erfahren musste. Zudem herrscht selbst in Ludwigsburg inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung. „Er steht zum ersten Mal in seiner Karriere unter Druck“, sagt Reil.

Unnötige Niederlage

Das lässt sich Riipinen zwar nicht anmerken, aber nach der unnötigen Niederlage vor Weihnachten gegen Vechta verbrachte der Coach noch eine halbe Stunde in der Kabine, in der es sehr laut geworden sein soll. Was übrigens selbst bei Siegen gilt, allerdings in einer anderen Tonlage. Dann stimmt der Schwede schon mal ein Lied an („auch wenn ich kein guter Sänger bin“) und eine Mega-Spiderman-Figur wird an den härtesten Arbeiter der Partie überreicht: „Jede Rolle ist wichtig. Und jeder sollte ein Superheld sein“, sagt Riipinen dazu.

Er weiß: In jedem Spiel passieren Fehler, gerade im schnellen Basketballsport. Doch sie sollten sich nicht zu oft wiederholen. Also betont der Coach: „Es gibt immer etwas zu verbessern.“ Zum Beispiel die Zahl der Ballverluste, bei denen die Riesen oft die beste Quote in der Bundesliga besaßen – aktuell die zweitschlechteste. Genau wie bei der mageren Freiwurf-Quote von 67,5 Prozent. „Daran arbeiten wir“, sagt der Schwede. Tag für Tag.

Das Problem mit den Verletzungen

Wobei es durchaus einige Erklärungen für die offensichtlichen Defizite – auch in spielerischer Hinsicht – gibt: Verletzungen oder Veränderungen. Drei Spieler wurden nachverpflichtet: Toms Skuja, Gavin Schilling und Darnell Edge, wobei sich der US-Amerikaner am Dienstag zu Dziki Warschau in Richtung Polen verabschiedet hat, nachdem der Spielmacher zuletzt wegen Krankheit oder mangelnder Fitness fehlte.

„Wir brauchen vor allem Stabilität im Team, aber auch eine Weiterentwicklung in den Rollen jedes einzelnen Spielers“, sagt Riipinen mit Blick auf die am Samstag in Jena beginnende Rückrunde. „Wenn wir das schaffen, kann es noch eine erfolgreiche Saison werden“, sagt sein Chef Reil. Und wenn nicht? Dann wird es im Ranking der Liga für Ludwigsburgs Basketball trotzdem zu einem Trible B reichen. Im schlimmsten Fall dann eben ohne Coach Mikko Riipinen.

So geht es für die Riesen weiter

Partien
Die Rückrunde beginnt am Samstag mit der Partie in Jena, danach folgen die Spiele gegen Bamberg (7. Februar), in Oldenburg (14. 2.) und zu Hause gegen den Mitteldeutschen BC (19. 2.). Das Duell bei Bayern München wird wohl erst Anfang April nachgeholt werden.

Pause
Wegen dem Top Four im Pokal und der Länderspielphase (WM-Quali) ist vom 20. Februar bis 5. März in der Bundesliga spielfrei.

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