Basketball-Bundesliga Warum die MHP Riesen Ludwigsburg bei den Zuschauern schwächeln
Der sportliche Erfolg der Ludwigsburger Basketballer ist da, doch die Zuschauer ziehen nicht so recht mit. In dem Dilemma stecken aber auch Konkurrenten.
Der sportliche Erfolg der Ludwigsburger Basketballer ist da, doch die Zuschauer ziehen nicht so recht mit. In dem Dilemma stecken aber auch Konkurrenten.
Wenn der Caterer in der MHP-Arena nur einen seiner beiden Imbissstände im Foyer geöffnet hat, ist das kein gutes Zeichen. Denn das bedeutet: Der Andrang hält sich in Grenzen. Siehe Samstag, siehe Dienstag. Zum zweiten Play-off-Spiel kamen am Ende zwar noch 2764 Besucher (und damit etwa tausend mehr als drei Tage zuvor), doch das ist immer noch bescheiden im Vergleich zur Vor-Corona-Ära in der Saison 2019/20.
Da war die Halle mit ihren 4129 Plätzen bei den Heimspielen des Basketball-Bundesligisten nahezu regelmäßig ausverkauft. Der Zweite Vorsitzende Markus Buchmann, der auch fürs Marketing im Verein zuständig ist, kennt die Problematik und sagt: „Wir müssen uns des Themas annehmen und wieder dahin kommen, dass wir in der MHP-Arena einen Hexenkessel haben.“
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Wobei es an der Stimmung die geringste Kritik gibt, mit geschlossenen Augen fühlte sich die Arena am Dienstag beim 81:77-Sieg nach Verlängerung an wie voll bis unter die Decke. Doch in der Realität gibt es Luft nach oben. Bei der Ursachenforschung kristallisieren sich zwei Gründe heraus. Zum einen die Long-Covid-Folgen. In der Pandemie haben etliche Fans offenbar den Vorzug eines Sofaplatzes zu Hause entdeckt. „Wir haben die Rückmeldung, dass die Einschaltquoten bei unseren Spielen deutlich höher sind als vor der Pandemie“, sagt Buchmann in Bezug auf die Nutzer bei Telekom, die Basketball (noch) überträgt. Zum anderen hat eine Umfrage des Clubs unter den fehlenden Dauerkarteninhabern ergeben, dass bei mehr als 70 Prozent die Angst vor Corona den Ausschlag gibt. Ins gleiche Horn stieß am Rande der Viertelfinals auch der Sport-Geschäftsführer Thomas Stoll von Ratiopharm Ulm, der gegenüber unserer Zeitung sagte: „Wir haben in Deutschland zwei Jahre lang eine Panikstrategie geführt, viele Leute haben immer noch Angst, in eine Halle zu gehen.“ In diesem Dilemma stecken sogar die Ulmer, deren Spiele einst zu 99 Prozent ausverkauft waren, zuletzt kamen aber lediglich 4360 Zuschauer in die 6200 Besucher fassende Arena. Wobei unter den Riesen-Fans auch der Eintrittspreis als Grund genannt wird. Das will Buchmann so nicht gelten lassen, der betont, dass es seit Corona in der Runde keine Preiserhöhung gegeben habe. Dennoch sind die Einsteigertickets für Erwachsene mit 19 Euro für einen Stehplatz nicht gerade ein Schnäppchen.
Nehmen wir den 1. Mai zu einem Quervergleich: An diesem Sonntag spielte Handball- Bundesligist TVB Stuttgart in der Porsche-Arena vor 5200 Zuschauern, die Riesen parallel gegen Oldenburg vor nicht einmal der Hälfte. Wobei gesagt werden muss, dass 1000 ermäßigte Handballtickets an Partnervereine des TVB gingen, der Stehplatz aber derzeit dennoch nur 9,50 Euro kostet. Allerdings haben die Riesen durch die Teilnahme an der Champions League eben auch deutlich mehr Spiele, was den Geldbeutel belastet.
Als zweiter relevanter Faktor des Rückgangs gilt die unberechenbare Taktung der Termine. So wurde das letzte Hauptrundenspiel gegen Heidelberg kurzfristig von Dienstag auf Mittwoch verlegt, wodurch die geplante Plakatierung eingestampft werden konnte. Und zwischen letztem Punkt- und erstem Play-off-Spiel lagen gerade einmal zwei Tage, was eine Bewerbung nahezu unmöglich machte.
Hinzu kommt, dass der Verein diese Saison angesichts der Unklarheiten bei den Zugangsbeschränkungen wegen Corona auf den Verkauf von Dauerkarten verzichtete. „Das war am Anfang sicher sinnvoll“, sagt Buchmann, „aber im Nachhinein würden wir es anders machen.“ Denn dadurch fehlten nicht nur mehr als 1500 Saisontickets, sondern vor allem die Bindung zum Fan. Das soll anders werden, ebenso stehen die Wiederbelebung von Fan-Treffen oder auch Werbemaßnahmen im nahe gelegenen Stuttgart auf der Agenda, wo mit Handball und Volleyball gleich zwei potenzielle Konkurrenten sitzen. Ganz zu schweigen von der SG BBM (Handball) oder den Steelers (Eishockey) in Bietigheim.
Die Ulmer Basketballer sind zwar so etwas wie der Platzhirsch in der Stadt, dennoch sagt Funktionär Stoll: „Ich glaube, es wird noch lange dauern, bis wir wieder regelmäßig volle Hallen haben.“ An diesem Donnerstag (19 Uhr) gegen Ludwigsburg hofft er, dass sie an der 5000er-Marke kratzen können. Wobei es dabei sogar Schützenhilfe von den Riesen gibt. Der Verein spendiert den Fanclubs nämlich die Zugreise.
Und die 2:0-Führung in der Serie motiviert vielleicht sogar noch den einen oder anderen zur spontanen Mitfahrt. Auch wenn das dann Geld in die Kassen des Gegners spült.