Basketball-Bundesliga Warum John Patrick auch nach Siegen schlaflose Nächste hat
Nach einem wahren Mitternachtskrimi gegen Ulm gab der 54-Jährige Coach der MHP Riesen Ludwigsburg einen Einblick in sein Trainerleben – mit ganz neuen Aspekten.
Nach einem wahren Mitternachtskrimi gegen Ulm gab der 54-Jährige Coach der MHP Riesen Ludwigsburg einen Einblick in sein Trainerleben – mit ganz neuen Aspekten.
John Patrick muss sich vorgekommen sein wie die Hallenarbeiter, die eine Extraschicht einlegten, um den Parkettboden fürs nächste Event abzubauen. Auch der Basketballtrainer der Ludwigsburger MHP Riesen hatte zuvor gesagt: „Die Nacht ist noch lange nicht zu Ende.“
Dabei ging der Uhrzeiger stramm auf 24 Uhr zu. Gerade hatte seine Mannschaft in einem Mitternachtskrimi das erste Play-off-Viertelfinale gegen Ratiopharm Ulm gewonnen – nach zweimaliger Verlängerung mit 104:99, nachdem es zur regulären Spielzeit 83:83 gestanden hatte, und auch das nur, weil Jonah Radebaugh zehn Sekunden vor Schluss einen Drei-Punkte-Wurf versenkte.
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„Das war das verrückteste Spiel, seit ich Trainer bin“, sagte Patrick – also seit mehr als 20 Jahren. Und sein Vorsitzender Alexander Reil, der zuvor noch den Klassenverbleib des VfB miterlebt hatte, geriet förmlich ins Schwärmen. „So etwas gibt es nur im Basketball.“ Spannung bis zur letzten Sekunde.
Schließlich hatten die Ulmer mit dem überragenden Jaron Blossom (41 Punkte) schon mit zwölf Punkten geführt – doch dann lief alles auf den ultimativen Showdown hinaus, ohne den vermeintlichen Matchwinner Radebaugh, der in der Verlängerung sein fünftes Foul gesehen hatte.
Apropos gesehen: Das alles schaute sich Patrick nochmals genauer an, Stunden später, als er die Mitschnitte seines Videoassistenten zugespielt bekam, so gegen zwei, drei Uhr in der Früh. Bis dahin hätte sich der 54-Jährige ein wenig aufs Ohr legen können – von wegen. „Nach einem Spiel schlafe ich nie“, gab Patrick einen Blick in sein Innenleben preis. Nicht nur nach einem Spektakel wie gegen Ulm. Um doch etwas abzuschalten, hat der US-Amerikaner seinen eigenen Ablauf. Patrick macht spezielle Atemübungen, meditiert etwas und liest ein Buch.
Aber keinen Krimi; den gibt’s ja auf dem Parkett. Einen Roman zur Entspannung. Manchmal kommt er dabei ins Grübeln. „Ich weiß nicht, ob das gesund ist, was wir da im Trainerstab machen“, sagt Patrick. Die Antwort: „Es ist Stress, aber auch Spaß.“ Das hält ihn in seinem Job, der physisch und psychisch oft an die Grenzen geht. „Vor allem für die Mannschaften, die international spielen.“ Wie die Riesen, die am Samstag ihr 53. Spiel der Saison bestritten. Ja, auch im Fußball gebe es manchmal zwei Spiele pro Woche, aber bei den Ludwigsburgern waren es zuletzt bis zu vier. Und nicht nur das. „Wir fliegen nicht im eigenen Charter“, sagt der Coach, „sondern Economyclass und müssen dann noch fragen, ob wir ein Glas Wasser bekommen.“ Jammern auf hohem Niveau?
„Teams in der Euroleague wie die Bayern haben nochmals 20 Spiele mehr bestritten“, gibt Patrick zu bedenken. Wobei Siege die schönste Bestätigung sind, wie am Samstag. Auch wenn der nahtlos in den Sonntag überging. Da traf es sich zumindest gut, dass im Hause Patrick Frau und Tochter für ein paar Tage in Hamburg weilen.
Blieb nur ein Wermutstropfen. Die MHP-Arena war angesichts von nur zwei Tagen Vorlauf zwischen dem letzten Punkt- und dem ersten Play-off-Spiel mit 1748 Besuchern nicht einmal zur Hälfte gefüllt. „Viel zu wenig“, sagte Reil. Wobei die Serie ja fortgesetzt wird. Schon am Dienstag folgt der zweite Teil, dann allerdings bereits um 19 Uhr – zumindest eine Mitternachtsshow fällt also aus.