Basketball in Ludwigsburg Die Rückkehr des Erfolgstrainers John Patrick

John Patrick (li.) mit Riesen-Chef Alexander Reil Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Jetzt ist es offiziell: John Patrick ist neuer Trainer bei den MHP Riesen Ludwigsburg. Dort trifft er auch wieder auf einen alten Bekannten.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Sayonara sagt der Japaner zu einem endgültigen Abschied – und genau den hat John Patrick nun vollzogen nach zwei Jahren im Land der aufgehenden Sonne bei den Chiba Jets in der Nähe von Tokio. Willkommen zurück, heißt es seit Mittwoch offiziell, nachdem sich die Gerüchte schon seit Ostern hielten. Damals redete der Vorsitzende Alexander Reil passend zur Jahreszeit noch von „ungelegten Eiern“, auch weil auf die internen Absprachen mit den Asiaten Rücksicht genommen wurde.

 

Jetzt ist alles angerichtet für die nächste Amtszeit des 56-Jährigen, der ja schon von 2013 bis 2022 erfolgreich in Ludwigsburg gearbeitet hatte und zuletzt zwei Jahre lang von seinem ehemaligen Assistenten Josh King sehr passabel vertreten wurde, der immerhin zweimal die Play-offs erreicht hat. Dennoch wurde dessen Vertrag nicht verlängert, auch weil „ein John Patrick über viel Erfahrung und ein großes Netzwerk verfügt“, wie Reil bei der Präsentation betonte – und rasch noch hinzufügte: „Wir wollen wieder mehr für die Werte und Attribute des Ludwigsburger Basketballs stehen. Zuletzt fehlten bei einigen Spielern vielleicht die Emotionen.“ Die Patrick in der Vergangenheit stets herausgekitzelt hat.

Also war es nur ein Abschied auf Raten? „Es war eine gedankliche Option, aber es gab keine Absprache, dass er zurückkommt“, sagt Reil. Nur so viel: „Wir sind froh, dass es geklappt hat.“ Das beruht auf Gegenseitigkeit, nachdem John Patrick die Aufgabenfülle am Ende seiner ersten Amtsperiode in Ludwigsburg etwas zu viel geworden war, sogar von einem Burn-out war da einmal die Rede.

In Japan gingen die Uhren anders: „Da haben wir uns mehr um soziale Medien gekümmert als trainiert“, erzählt Patrick, was aber durchaus im Sinne der Popularität des Sports war. Nun müsse er sich zwar erst einmal wieder an die Sprache hier gewöhnen, doch Patrick sagte in seinem ordentlichen Deutsch: „Die zwei Jahre in Japan haben mir gutgetan, aber man vermisst auch was.“ Nicht nur die Familie, auch seinen Hund.

Der darf sich freuen, dass Patrick einen Vertrag für gleich zwei Jahre erhält, was zumindest auf dieser wichtigen Position für Konstanz sorgen soll, sofern es die in Ludwigsburg überhaupt gibt. Wobei Reil zu bedenken gibt: „Das ist ja immer relativ.“ Und ein Stück weit Teil des Riesen-Systems, nämlich Spieler zu holen, die sich hier entwickeln und dann im Idealfall zu größeren Clubs wechseln. Daran dürfte sich nichts ändern, Patrick sagt jedenfalls: „Ich suche natürlich Siegertypen und achte auch auf deren Charakter, sodass sie in ein defensives Konzept passen.“

In Sachen Kaderplanung sind die Ludwigsburger noch in der Findungsphase. Nachdem Jonathan Bähre nach drei Jahren ein Angebot des Clubs abgelehnt und sich dem Ligakonkurrenten aus Bonn angeschlossen hat und Eddy Edigin von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte und wohl nach Chemnitz wechseln wird, verzichtete der Verein bei einer Handvoll US-Profis freiwillig auf ein weiteres Angebot, „um uns nach Spielern umzuschauen, die unsere Tugenden noch stärker verkörpern“, so Reil. Motto: Alles auf Gelb!

Einer, der das aus der Vergangenheit bestens verinnerlicht hat, ist der ehemalige Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann, der nach zwei Jahren bei den Towers in Hamburg nun zusammen mit Patrick zurückkehrt – im zarten Basketball-Alter von inzwischen 34 Jahren. Den Gegenpart bildet Brandon Tischler, mit 23 Jahren ein aufstrebender deutscher Spieler, der von den Löwen aus Braunschweig zu den Riesen stößt, eigentlich auch wegen der internationalen Perspektive.

Spielen die Riesen in Europa?

Ob die Realität wird, bleibt indes abzuwarten. Zwar haben die Ludwigsburger beim internationalen Verband Fiba ihr Interesse an der Champions-League-Teilnahme hinterlegt, allerdings stehen in der sportlichen Rangfolge gleich vier Teams vor den Riesen (Chemnitz, Würzburg, Vechta und Bonn), was die Quantität für die Bundesliga übersteigen dürfte. „Die Chancen sind sehr gering“, gibt Alexander Reil zu, der offenlässt, ob sich der Verein im Zweifel für den Europe Cup bewerben wird, einen eher viertklassigen Wettbewerb.

Doch viertklassig ist nicht der Anspruch eines John Patrick.

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