Basketball Ludwigsburg Volles Haus, tolle Aufholjagd - aber dennoch verloren

Von Fabian Schmidt 

Die Ludwigsburger Basketballer verschlafen gegen Bayern Müchen die erste Hälfte komplett und verlieren anschließend trotz einer tollen Aufholjagd.

 Foto: Pressefoto Baumann
Foto: Pressefoto Baumann

Ludwigsburg - Beeindruckende Aufholjagd nach schwacher erster Hälfte: gereicht hat es dennoch nicht. Der Basketall-Bundesligist EnBW Ludwigsburg verlor zu Hause vor 4500 Zuschauern gegen den Aufsteiger Bayern München mit 64:71 (28:41).

Dabei erschien auch Anthony Fisher, den die Ludwigsburger jüngst bis zum Saisonende an sich gebunden hatten, auf dem Spielberichtsbogen, nachdem er am vergangenen Wochenende wegen der Ausländerregelung nicht im Kader stand.

Dafür fehlte erneut der Kapitän Jerry Green, nachdem er in Gießen mal wieder auflaufen konnte. Diesmal jedoch nicht wegen einer Verletzung, sondern weil sich der Trainer Steven Key für einen Kader ohne ihn entschieden hatte.

Spielverlauf: Steven Key schickte Mark Dorris, Alex Harris, Jeff Greer, Matt Howard und Kurt Looby von Beginn an auf das Parkett. Anthony Fisher, David McCray, Johannes Lischka, Tim Koch, einer der wenigen Gewinner dieser bisher so sorgenvollen Saison, Ermin Jazvin und Nedim Hadzovic blieben zunächst auf der Bank.

Trotz der knappen Niederlage beim direkten Abstiegskonkurrenten aus Gießen änderte der Trainer seine Startformation nicht und hoffte auf eine ähnlich gute Leistung wie beim jüngsten Heimspiel gegen Berlin - diesmal aber mit einem besseren Ende.

Bauermann lobt die Stimmung in Ludwigsburg

Mit dieser Aufstellung wollte Key also Bayerns Auswärtssorgen groß halten, immerhin hat sich der Club erst zwei Erfolge in der Fremde erspielt. Dafür, dass die Münchner auch in Ludwigsburg nichts holten, wollten die 4500 Zuschauer sorgen.

Sie verwandelten die Halle bereits vor dem Sprungball in einen Lärmtiegel, sicherlich schon um dem Lob des Bayern-Trainers gerecht zu werden. "In Ludwigsburg ist es immer sehr schwer zu gewinnen, die Heimspielatmosphäre in der Arena ist grandios", hatte Dirk Bauermann im Vorfeld gesagt.

Erstmals konnten die Anhänger der Schwaben die Partie ihrer Mannschaft auch im Fernsehen verfolgen, dennoch war die Arena ausverkauft - ebenfalls zum ersten Mal in dieser Spielzeit.

Howard humpelt vom Feld

Die Partie startete nach dem gewonnen Sprungball mit einem Ballverlust von Dorris und der Auswechslung von Howard nach nur 75 Sekunden - der Flügelspieler humpelte vom Feld und wurde in der Kabine behandelt. Der erste Punkt gehörte Bayerns Chevon Troutmann, der den ersten Freiwurf der Partie traf.

Für die ersten beiden Punkte der Heimmannschaft sorgte Lischka, der für Howard ins Spiel gekommen war. In den Folgeminuten agierten die Münchner in der Offensive schneller, Ludwigsburg hingegen verlor zu häufig den Ball. 5:10 stand es nach rund sechseinhalb Minuten.

Das erste Kopfschütteln bei den Ludwigsburger Spielern folgte zwei Minuten vor dem Ende des ersten Durchgangs. Fisher spieler Jazvin an, der war davon aber etwas überrascht und konnte den Ball nicht festhalten. Die Folge: Ballverlust, Korberfolg München (15:7), Auszeit der Schwaben - und Jazvin diskutierte mit Fisher und schüttelte dann den Kopf.

9:0-Lauf der Gäste

Es sollte nicht besser werden, der sechste Ballverlust ermöglichte es den Münchnern, weiter davonzuziehen. Nach einem 9:0-Lauf der Gäste erfreute Fisher mit einem Dreipunktespiel auch mal wieder die heimischen Fans.

Doch Bayern erhöhte noch auf 22:10 - die Ludwigsburger Spielsysteme hatten im ersten Abschnitt überhaupt nicht funktioniert, die Münchner hinggen sehr gut aus der Distanz getroffen.

Jonathan Wallace legte auch im zweiten Durchgang gleicht mit drei Punkten los. Die erste Pfiffe der Fans folgten beim 27:10 für die Mannschaft des Trainers Dirk Bauermann. Es lief nicht gut für Ludwigsburg, der Mitarbeiter der Presseabteilung des Clubs stöhnte bereits auf der Tribüne - zurecht.

Ludwigsburger erwacht kurz vor der Halbzeit

Es gab nicht viel zu bejubeln für die Anhänger der Heimmannschaft, immerhin schaffte Looby mit einem tollen Block dann kurzzeitig mal wieder so etwas wie Stimmung. Doch das hielt nur kurz, die Ludwigsburger liefen wenig, passten ungenau, trafen nicht. 14:36 lautete der Spielstand dreieinhalb Minuten vor der Pause.

Es folgte ein kurzes Aufbäumen, sieben Ludwigsburger Punkte in Serie beantworte Troutman aber prompt mit einem Distanztreffer. Jedoch war Fisher ebenfalls aus der Distanz erfolgreich. Jetzt kehrte die Stimmung in die Arena zurück - und auch der letzte Punkt vor der Pause gehörte dem Heimteam. Dennoch führte München nach 20 Minuten mit 41:28.

Die Ludwigsburger gaben aber ihre Mannschaft nicht auf, und diese gab sich nicht auf. Howard, mittlerweile wieder zurück auf dem Parkett,  traf per Tipp-in, McCray drei Freiwürfe (33:41). Als der Aufbauspieler dann noch ein Offensivfoul annahm, war der Lärm in der Halle wieder zurück - und Bauermann nahm eine Auszeit.

McCray leitet die Aufholjagd ein

McCray motivierte dann auch die Zuschauern, forderte sie zur Unterstützung auf. Es wurde immer lauter, die Sprechchöre waren wieder energisch, Howard und Greer hatten soeben mit erfolgreichen Freiwürfen auf 39:41 verkürzt - und die Mannschaft war wegen eines unsportlichen Fouls der Bayern in Ballbesitz.

Fast unglaublich, aber wahr: Greer warf Ludwigsburg dann mit einem Distzantreffer in Führung (42:41). Die Gäste brachten jetzt nichts mehr zustande, die Fans der Schwaben sangen "Zieht den Bayern die Lederhosen aus".

Jan-Hendrik Jagla machte nach mehr als sechs Minuten die ersten beiden Punkte nach der Pause für die Bayern - die sich anschließend wieder fingen. Aber das Spiel war wieder offen, Luwigsburg zurück.

Jetzt schüttelte Bauermann den Kopf, als er sich für die Ansprache vor dem Schlussviertel bereit machte - seine Mannschaft lag mit 47:48 zurück, 14 Punkte mehr hatte der Gegner im abgelaufenen Abschnitt erzielt (20:6 für Ludwigsburg).

Die Bayern wachen wieder auf

Die Aufholjagd hatte Energie gekostet, die Bayern spielten auch wieder mit, und weil die Ludwigsburger Würfe nun auch wieder daneben gingen, führten die Münchner wieder mit fünf Punkten (57:52), und Key nahm eine Auszeit.

Kurz darauf nahm McCray erneut ein Offensivfoul der Gäste an, doch es dauerte noch ein wenig, bis Greer per Freiwurf mal wieder einen Punkt für die Ludwigsburger erzielte. Doch die Kraft ließ nach, die Punkteausbeute sank wieder. Etwas mehr als zwei Minuten vor dem Ende führte München mit 62:54 - und Harris stand bei seinem Wurfversuch im Aus.

Aber Greer brachte mit einem Distanztreffer noch einmal die Hoffnung zurück (59:64). Doch es sollte nicht reichen, der erhoffte Impuls im Abstiegskampf blieb aus.

Kommentar: Es ging nicht gut los für Ludwigsburg. Matt Howard wurde nach nicht einmal zwei Minuten in der Kabine behandelt, und die Mannschaft des Trainers Steven Key fand draußen auf dem Parkett überhaupt nicht in ihr Spiel.

Die Systeme wurden nicht gut abgerufen, die Kommunikation und die Laufwege klappten nicht - oder waren gar nicht vorhanden. Zudem traf die Heimmannschaft schlecht. Die Münchner hingegen agierten schnell, mit Zug zum Korb und vor allem mit weniger Ballverlusten. Dementsprechend hoch und verdient war die Pausenführung.

Steven Key musste dann offensichtlich die richtigen Worte gefunden haben. Seine Mannschaft dominierte den dritten Durchgang, holte auf, ging in Führung, begeisterte. Die Kampfbereitschaft war im Ludwigsburger Team zurück, genauso wie der Mut, der Wille, der erfolgreiche Wurf.

Danach zollte die Mannschaft dieser Kraftleistung jedoch Tribut, die Bayern agierten wieder besser, Ludwigsburg traf nicht mehr so gut - und verlor. Einerseits wäre der Sieg nach der überragenden Aufholjagd verdient gewesen, andererseits darf eine Leistung wie in der ersten Hälfte im Abstiegskampf nicht passieren. Um in der Klasse zu bleiben, braucht die Mannschaft in den verbleibenden Spielen mehr Konstanz.

Zuschauer: 4500 (ausverkauft).

Punkte Ludwigsburg: Harris (13), Greer (12), Fisher (11), Howard (9), Lischka, Looby (beide 6), McCray (3), Jazvin, Dorris (beide 2).

Stimmen:

Key - "Ich habe keine Erklärng, warum eine Mannschaft so beginnt. Immerhin hatten wir dann den 15:0-Lauf, aber der hat letztlich zu viel Kraft gekostet."

Bauermann: "Ein großes Kompliment an Ludwigsburg, dass sie sich so zurückgespielt haben. Es ist inakzeptabel, dass wir im dritten Viertel so passiv waren. Aber es war gut, dass wir das Spiel dann noch im entscheidenden Viertel gewinnen konnten."