Dillingen im Saarland, Frankfurt am Main, Ulm – es sind reichlich Reisekilometer, die für die drei höchstklassigen Stuttgarter Basketballteams an diesem Wochenende zusammengekommen sind. Wirklich gelohnt hat sich der Aufwand nur für die Männer des MTV Stuttgart, deren guter Lauf in der Regionalliga Südwest anhält. Derweil wurde es für ihren Staffelrivalen SV Möhringen ein schwarzes Wochenende.
In Zahlen: 63:112. Und nein: kein Druckfehler. Das ist tatsächlich das Resultat des Aufsteigers aus seiner Begegnung beim Tabellennachbarn BB Ulm 01. Hat ein Möhringer Männerteam jemals schon höher verloren? Der Spielleiter Sascha Klatt könnte sich jedenfalls nicht daran erinnern. Die Fassungslosigkeit stand am Ende auch ihm ins Gesicht geschrieben. Insgesamt war es für die Seinen die sechste Niederlage aus den vergangenen sieben Spielen. Insofern war von vornherein klar gewesen, dass der Klassenneuling gerade in einer schwierigen Phase steckt. Aber dass es diesmal gleich derart dick kommen würde?
In doppelter Hinsicht alt ausgesehen
„Wir wollten intensiv und hart spielen, haben aber überhaupt keinen Zugriff gekriegt“, sagt Klatt. Nach dem mit 12:26 schon krachend verlorenen ersten Viertel erkannte er „eine Eigendynamik, die nicht mehr aufzuhalten war“. Je mehr sich der Gegner in einen Rausch spielte, desto mehr ließen die Möhringer die Köpfe hängen – und auch umgekehrt. Alles in allem sah die bald Ü-30-Fraktion des Filderclubs gegen das Youngster-Team ihres Kontrahenten von der Donau im doppelten Sinne alt aus, nicht nur in puncto Lebensjahren, auch in spielerischer Hinsicht. Da halfen auch die 16 Punkte eines Nico Hihn nichts mehr. Er war bester Möhringer Schütze.
Ganz anders dagegen die Ergebniskurve des MTV Stuttgart. Dessen jüngste Bilanz lautet: sieben Spiele, sechs Siege. Und da lässt es sich verschmerzen, dass das aktuelle 87:74 beim Vorletzten TuS Makkabi Frankfurt aus der Kategorie „glanzlos“ war. Als weiterhin Tabellenfünfter behält die Mannschaft des Trainers Anestis Fesatidis ihr Ziel Play-off-Plätze im Auge, ehe nun vor der Weihnachtspause noch das wichtige Verfolgerduell mit den Basketball-Kollegen aus Lich auf dem Terminplan steht (Sporthalle West, Samstag/19.15 Uhr).
Einstweilen trotzten die Stuttgarter der Auftrittsweise eines Außenseiten-Gegners, die für Fesatidis „an der Grenze zum Unsportlichen“ war. Als Beleg dient ihm die Statistik. Für gleich drei Frankfurter Akteure war mit fünf Fouls vorzeitig Schluss. Demgegenüber verrichteten auf MTV-Seite zwei Mann einen starken Scorer-Job: Vasileios Lampropoulos (30) und Ruben Leidel (21) steuerten zusammen 51 Zähler bei. Ein Trainerlob darüber hinaus an Fekremariam Abraha: Der Sommer-Neuzugang war erstmals nach mehrwöchigen Verletzungsproblemen wieder als volle Kraft dabei.
So nähert sich Fesatidis’ Mannschaft der möglichen Bestbesetzung – während für die Zweitliga-Frauen des Vereins ebenfalls am Samstag sogar Bestmarken zu wenig waren. Sie unterlagen bei den Dillingen Diamonds mit 67:73, obwohl sie 14 Rebounds und 36 Korbwürfe mehr als ihr Gegner hatten. „Eigentlich Topwerte“, findet der sportliche Leiter Enrico Laue. Doch ist geworfen halt noch nicht gleichbedeutend mit getroffen. Ja, Chanell Williams netzte einmal mehr überdurchschnittlich ein (23 Punkte). Aber ansonsten landete der Ball viel zu oft neben dem Korb.
Verpasst damit die Chance auf eine noch bessere Rückrunden-Ausgangsposition. Zum Abschluss von Saisonhälfte eins belegen die MTV-Frauen den siebten Platz, welcher den vorzeitigen Klassenverbleib bringen würde. Das Polster zum Gefahrenrang neun beträgt vier Zähler. Insofern „voll im Soll“, sagt Laue, gibt sich aber keinen Illusionen hin: „Wir wissen, dass wir bis zum letzten Spieltag hart arbeiten werden müssen.“
Auch am nächsten Samstag noch einmal. Auch für Laues Team hält das Kalenderjahr 2024 eine letzte Pflicht bereit, nämlich gegen den Tabellenzweiten Heidelberg. Dann ganz ohne eigene Reisekilometer.