Basketball Pro B: SV Fellbach „Mit viel Arbeit und mit viel Willen“

Der Trainer Kristiyan Borisov, seit November 2022 hauptverantwortlich für die Basketballer des SV Fellbach, fordert von seiner Mannschaft regelmäßig und lautstark Höchstleistungen ein. Foto: Maximilian Hamm

Der Trainer Kristiyan Borisov, 37, spricht über die schwierige, aber doch erfolgreiche Hinrunde in der dritthöchsten Spielklasse Pro B und seine Ziele bis zum Saisonende.

Die Basketballer des SV Fellbach spielen seit der Saison 2023/2024 in der dritthöchste Spielklasse Pro B. Im vergangenen Jahr hat die Mannschaft um ihren Trainer Kristiyan Borisov, 37, gar die Aufstiegsrunde zur zweiten Liga Pro A erreicht, scheiterte da aber gleich an der ersten Hürde – dem Verbund des SC Rist Wedel aus der Nordgruppe dieser Liga. Vor dieser Spielzeit gab es einen großen Umbruch im Kader des SV Fellbach, doch der Coach hat es geschafft, erneut ein konkurrenzfähiges Team zu präsentieren. Zum Jahresabschluss stehen die Fellbacher Basketballer nach 13 Spieltagen auf dem fünften Tabellenplatz mit Tuchfühlung zur Tabellenspitze.

 

Herr Borisov, kennen Sie Roger Washington und Ignas Sijanas?

Nein, es tut mir leid, ich kenne sie nicht.

Diese beiden Trainer waren vor Ihnen seit dem Aufstieg in die Oberliga im Jahr 2006 mit jeweils knapp zwei Jahren am längsten beim SV Fellbach. Sie selbst sind jetzt schon mehr als drei Jahre für die Fellbacher Basketballer verantwortlich und damit deutlich länger als Ihre Vorgänger. Aus welchen Gründen funktioniert diese Verbindung so gut?

Ja, das ist jetzt mein viertes Jahr in Fellbach. Die Verbindung zwischen dem Verein und mir baut auf einer Menge Vertrauen und gemeinsamer harter Arbeit. Ich habe dieses Vertrauen und die Unterstützung vom Abteilungsleiter Andreas Tsiminos und vom Sportlichen Leiter Dario Hadasija vom ersten Tag an gespürt. Sie lassen mich ich selbst sein und unterstützen mich, wo sie können. Und auf der anderen Seite gebe ich mein Bestes, ihnen dabei zu helfen, das weiter aufzubauen, was wir vor vier Jahren einmal begonnen hatten.

Sie haben vor dieser Saison einen Großteil des Kaders ausgetauscht. War dies eine Reaktion auf das Scheitern in der ersten Runde der Aufstiegsspiele?

Wir haben vor dieser Saison in der Tat fast ein komplett neues Team zusammengestellt. Der Grund dafür war aber nicht das Aus in der Aufstiegsrunde. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die beste Saison in der Fellbacher Abteilungsgeschichte gespielt hatten. Nach 26 Spielen waren wir auf dem dritten Tabellenplatz gelandet. Doch dann sind wir aus unterschiedlichen Gründen in den Aufstiegsspielen früh gescheitert. Der Hauptgrund für den neuen Kader war, dass wir diesen merklich verjüngen wollten; wir wollten mehr Spieler, die sich noch mehr dem Basketball widmen und jeden Tag ins Training kommen können.

Am Ende dieses Jahres zählt ihre Mannschaft mit acht Siegen und fünf Niederlagen dennoch erneut zu den besten Teams der Liga. Wie haben Sie es geschafft, so schnell ein funktionierendes Team zu formen?

Mit dem ersten Teil der Saison bin ich wirklich sehr zufrieden. Ich freue mich, was wir in der Kürze der Zeit als Team erreicht haben. Es ist nicht so einfach, ein Team neu zusammenzustellen und die Spieler unmittelbar so zu motivieren, dass jeder für den anderen einsteht. Das ist ein großer Verdienst unserer Spieler. Sie geben ihr Bestes sich anzupassen, sich gegenseitig kennenzulernen und ihr Ego beiseite zu stellen – auf dem Weg, ein Siegerteam zu werden.

Wer hat Sie besonders überzeugt, von wem erwarten Sie mehr in den nächsten Wochen?

Bislang hat noch kein Spieler sein volles Potenzial ausgeschöpft. Ich erwarte von jedem Spieler, dass er sich steigert und im zweiten Teil der Saison noch besser spielt.

Der Flügelspieler Brian Butler, 34, hat in der Hinrunde aus privaten Gründen nur vereinzelt mitwirken können. Jetzt wird er wieder regelmäßig mit dabei sein. Welchen Mehrwert bringt er der Mannschaft im Kampf um eine gute Platzierung im Klassement?

Es ist großartig, Brian auf Dauer zurück im Team zu haben. Er bringt so viel Erfahrung mit, und speziell in einem so jungen Team ist es wertvoll, einen wie Brian zu haben. Er weiß, wie man ein Team zusammenhält. Sein Einfluss wird sehr positiv sein, davon bin ich überzeugt. Diesen Einfluss hat er bereits beim jüngsten Heimsieg gegen den bis dato Tabellenführer aus Neu-Ulm geltend gemacht. Auf der anderen Seite ist er ein richtig guter Basketballer, der uns helfen wird, eine noch bessere Mannschaft zu werden.

Es gab ja auch eine kritische Phase in der Hinrunde, da waren Sie überhaupt nicht zufrieden. Was haben Sie in der Folge umgestellt?

Wie ich schon sagte, es ist in so kurzer Zeit nicht einfach, ein funktionierendes Team zusammenzustellen. Es war mein Job den Spielern klarzumachen, was es braucht, ein Team zu werden – was es braucht, ein Siegerteam zu werden. Zu wissen, dass wir zusammen viel stärker sind und dass dies der einzige Weg ist, erfolgreich zu sein. Und sie haben das hervorragend umgesetzt. Wir haben immer noch eine Menge Arbeit vor uns, aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Sie haben kürzlich gesagt, in dieser Liga könne jeder gegen jeden gewinnen. Was ist in dieser Saison noch möglich mit Ihrem Team?

Ja, das stimmt, und wir sind in derselben Position wie alle Ligakonkurrenten. Ich bin überzeugt, dass wir mit viel Arbeit und viel Willen erneut die Aufstiegsrunde erreichen werden; auf welchem Tabellenplatz, das werden wir dann ja noch sehen. Mein Ziel in dieser Saison ist, aus jedem Spieler das Maximale rauszuholen und zu schauen, wohin uns das bringt.

Die Weihnachtspause ist recht kurz, bereits am 3. Januar steht das nächste Ligaspiel an – beim Tabellennachbarn BIS Baskets Speyer. Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft darauf vor?

Wir haben am Samstag wieder mit dem Training begonnen. Es bleibt nicht viel Zeit, uns auf das nächste Spiel vorzubereiten, aber wir wollen so schnell wie möglich den Rhythmus wiederfinden und bereit sein für den zweiten Teil der Saison. Die Teams aus Speyer und Leitershofen sind richtig gut; wenn wir wieder gewinnen wollen, müssen wir mehr als nur gut vorbereitet sein auf das, was uns nach der kurzen Spielpause erwartet.

Auf der Position des Aufbauspielers haben Sie im Laufe der Saison umgebaut. Der Zugang Tyseem Lyles ist auf den Flügel gewechselt, Jakob Hanzalek kam neu hinzu. Sind Sie mit dieser Konstellation zufrieden?

Wir haben mit Tyseem auf der Position des Spielmachers begonnen, aber das ist nicht seine angestammte Position, deshalb hat er sich schwer getan. Aber nachdem Jakob Hanzalek zu uns gekommen war, konnte ich Tyseem auf den Flügel stellen, wo wir mehr auf seine Stärken bauen konnten.

Welches waren Ihre Highlights in der Hinrunde?

Die gesamte Hinrunde war ein Highlight. Ich habe wirklich keinen einzelnen Moment, den ich hervorheben kann. Vielleicht die Phase im November, als wir vier Spiele nacheinander gewonnen haben, nachdem wir im Oktober noch Probleme gehabt hatten.

Sie sind jetzt schon der dienstälteste Trainer bei den Basketballern des SV Fellbach. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ich bin noch voll fokussiert auf die nächsten Spiele und auf diese Saison. Mehr kann ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Trainer in der zweiten Heimat

Privates
 Kristiyan Borisov, 37, wächst in Vidin/Bulgarien auf, kommt dann im Jahr 2012 nach Deutschland, wo er in Schwenningen eine zweite Heimat findet. Dort kommt zwei Jahre später seine Tochter Emma Joy auf die Welt. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Zuffenhausen.

Sportliches
 Der Aufbauspieler Kristiyan Borisov empfiehlt sich schnell für die Jugend-Nationalteams seines Landes, dann spielt er dort bei Balkan Botevgrad in der ersten Liga. In Deutschland spielt er ausschließlich in Schwenningen, bevor er – aus familiären Gründen – seine Karriere beendet. Als Trainer ist er beim SV 03 Tübingen und bei den Arvato-College Wizards in Karlsruhe tätig. Im Sommer 2022 wechselt er nach Fellbach, zunächst als Jugendkoordinator und Co-Trainer der Männer. Seit November 2022 ist er Cheftrainer beim SV Fellbach, mittlerweile in der Pro-B-Liga. 

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