Basketballer Ziyed Chennoufi Ein afrikanischer Traum

Von Florian von Stackelberg 

Ziyed Chennoufi hat für Ludwigsburg Basketball gespielt, ehe ihn eine Verletzung zurückwarf. Über Tunesien darf er nun zu den Olympischen Spielen.

Der Ex-Ludwigsburger Ziyed Chennoufi spielt bei Olympia  für Tunesien. Foto: Baumann
Der Ex-Ludwigsburger Ziyed Chennoufi spielt bei Olympia für Tunesien. Foto: Baumann

Ludwigsburg - Beim Marktplatzfest am vergangenen Wochenende haben sich die Ludwigsburger Vereine einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können. Aber auch sonst kann es passieren, ein bekanntes Gesicht der Sportlerszene in der Stadt zu treffen: den bei Fußballstreitigkeiten sehr engagierten Anwalt Christoph Schickhardt zum Beispiel oder auch einen Eishockeyprofi der Bietigheim Steelers.

Den Deutsch-Tunesier Ziyed Chennoufi würden allerdings wohl nur Basketballexperten erkennen. Ob sich das bald ändert? Schaut man sich aktuelle Bilder des 23-Jährigen an, könnte man vermuten, dass seine Karriere steil bergauf geht. Breit grinsend posiert er mit drei Pokalen gleichzeitig im Internet. Dabei musste der Flügelspieler viele Rückschläge verkraften.

Als Ziyed Chennoufi vor der Saison 2008/09 zum Bundesligisten EnBW Ludwigsburg wechselte, schien dies der nächste Schritt auf seiner Karriereleiter zu sein. Er kam aus der Jugend von Brandt Hagen, brachte die Erfahrung von zwei Junioren-europameisterschaften mit Deutschland und einigen Zweitligaeinsätzen für Hagen mit. Die erste Saison verbrachte er erfolgreich beim Kooperationspartner Kirchheim, wo er auf 30 Zweitligaeinsätze kam.

Doch dann begann die Pechsträhne. Wegen diverser Verletzungen, unter anderem einem Bandscheibenvorfall, konnte der Flügelspieler in der folgenden Saison nur neun Ligaeinsätze bei der EnBW Ludwigsburg verzeichnen. Dennoch überzeugte Chennoufi den damaligen Trainer in der Vorbereitung zur nächsten Saison, Markus Jochum plante Großes mit ihm. Bereits nach dem ersten Saisonspiel folgte der nächste Schock: Bandscheibenvorfall Nummer zwei. „Die Ärzte haben mir gesagt, ich soll mit dem Sport aufhören. Ich war drauf und dran, meine Basketballschuhe an den Nagel zu hängen“, erinnert sich Chennoufi. Zumal die Ludwigsburger eine Klausel nutzten und den Vertrag mit ihm auflösten. „Es hat keinen Sinn mehr gemacht, ich wollte auch selbst ein Jahr Pause, um aus dem mentalen Loch wieder herauszukommen, das die ganzen Verletzungen hervorgerufen haben“, sagt Chennoufi.

Dann die Wende: Anfang dieses Jahres ging es plötzlich von null auf hundert. Der tunesische Erstligist Etoile du Sahel Sousse war bereits 2010 an einer Verpflichtung Chennoufis interessiert. „Ich habe darin die Chance gesehen, wieder Spielerfahrung zu sammeln“, sagt Chennoufi. Das hat er geschafft. Mit drei Titeln – Meisterschaft, Pokal und Gewinn des Afrikacups – krönte Chennoufi eine Saison, in der er eigentlich pausieren wollte. „Es war dort alles sehr professionell. Der Verein hat mir Zeit gegeben und dennoch sehr viel von mir erwartet.“ Mit rund 25 Minuten Einsatzzeit im Durchschnitt war er auf Anhieb einer der Führungsspieler. „Es war mit die beste Zeit die ich im Basketball erlebt habe“, sagt er.

Nach drei Monaten traf man Ziyed Chennoufi wieder in Ludwigsburg. „Ich bin eigentlich immer hier, wenn ich nicht in Tunesien bin. Ich habe noch sehr viele Freunde und mag die Stadt sehr“, sagt er. Inzwischen musste er aber weiter – Richtung Trainingslager. Die Krönung folgt erst: Da seine Eltern gebürtige Tunesier sind, darf der mit der Nationalmannschaft des Landes auf sein erstes großes Turnier – und dann gleich zu Olympia. „Ich freue mich unglaublich auf London. Wir fahren ohne große Erwartungen hin“, sagt er und verweist auf die Auslosung. Tunesien ist unter anderem mit den Titelfavoriten aus Argentinien und den USA in einer Gruppe. „Gegen die USA zu spielen ist der Traum jedes Basketballers, für mich wird er in Erfüllung gehen. Ich freue mich schon auf das Duell mit dem Superstar Kevin Durant.“

Wie es danach weitergeht? „Ich habe die Option, in Tunesien meinen Vertrag zu verlängern. Aber ich will zurück nach Europa, am besten nach Deutschland oder Frankreich.“ Die Chance, für einen Bundesligisten zu spielen, steht für den Doppelstaatsbürger gut. Denn nach der neuen Regel dürfen nur noch sechs Ausländer im Kader stehen. Dass er wieder in Ludwigsburg landet, ist trotzdem eher unwahrscheinlich – zumindest nicht, um Basketball zu spielen.