Seit 1990 ist Batman Kebap in Bonlanden ein Begriff, nun setzen sich die Wirtsleute zur Ruhe. Wie lang ist noch geöffnet, und wer übernimmt den Laden?

Der Schnauzbart ist schwärzer, das Haar unter der Papierkappe ist dichter, und in der Hand hält er ein langes Messer statt einer elektrischen Schneidemaschine. Doch es besteht kein Zweifel: Das auf dem verblichenen Foto an der Wand ist Cemal Batman. Darüber hängt eine Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer – für 25 Jahre Einsatz im Sinne der örtlichen Wirtschaft. Ausgestellt wurde sie im Januar 2015.

 

„Das Loslassen ist schwer. Die Gäste sind wie eine Familie.“

Esma Batman, Inhaberin

Gut 36 Jahre sind es mittlerweile, in denen Cemal Batman in Bonlanden als der Mann am Dönerspieß bekannt ist. So lange führen er und seine Ehefrau Esma ihr Imbissrestaurant Batman Kebap. Angefangen hat das Paar 1990 an der Bonländer Hauptstraße, dann ging es an die Marktstraße. Zwischendurch bewirteten die Batmans auch aus Buden heraus. Vor 17 Jahren haben die Eheleute an der Plattenhardter Straße gebaut. Seither ist ihr Lokal hier zu finden.

Batman Kebap öffnet am 15. Mai das letzte Mal

Nun aber hören die Batmans auf. Am 15. Mai werden sie ihren Imbiss zum letzten Mal öffnen. „Es hat alles seine Zeit“, sagt Esma Batman. Sie und ihr Mann sind beide 65 und wollen sich zur Ruhe setzen. Esma Batman holt ein Fotoalbum hervor. „Viele schöne Erinnerungen“, sagt sie. Cemal Batman ohne Schnauzer, wie er einen Pizzateig in der Luft wirbelt. Feiernde Menschen. Esma Batman mit wilder Lockenpracht. Viel haben die Eheleute in all den Jahren erlebt. Cemal Batman nimmt sogar für sich in Anspruch, 2007 die Dönerbox erfunden zu haben. „Das war unsere Idee.“

Ein Bild aus der Anfangszeit: Cemal Batman am Fleischspieß Foto: Repro Caroline Holowiecki

Der Döner gehört zum beliebtesten Fastfood in Deutschland. Im Internet liest man, dass ein türkischer Gastarbeiter ihn 1972 nach Berlin gebracht und dass das Fleisch vom Drehspieß, mit Salat und Soße im Fladenbrot serviert, von dort aus den bundesweiten Siegeszug angetreten habe. Zum Massenphänomen wurde der Döner in den 80ern und 90ern. In dieser Zeit haben auch die Batmans angefangen. „Das war im Kommen, das haben wir gesehen“, erzählt Esma Batman.

Die Batmans vom Dönerladen kennt man in Bonlanden

Ihr Mann betont, dass es seinerzeit nur eine Handvoll Imbisse in der Region gegeben habe. Sowohl er als auch seine Frau wurden in Ostanatolien geboren. Döner Kebap kannten sie aus ihrer Heimat. Ende der 80er hat Cemal Batman den Versuch gewagt – und bei Bärenfest in Bernhausen seinen ersten Döner-Stand aufgebaut. „Das kam sehr gut an“, sagt Esma Batman. Die Idee zur eigenen Gastronomie war geboren. „Mein Mann hatte immer davon geträumt, sein eigener Herr zu sein.“

Die Batmans sind in Bonlanden wohlgelitten. Ins Restaurant mit den blauen Polstersitzen kommen viele Stammgäste. 90 Prozent sind laut Esma Batman Deutsche. „Sie haben uns sehr unterstützt, das hat uns sehr gestärkt“, erzählt sie. Esma und Cemal Batman leben seit 1977 beziehungsweise 1969 in Deutschland. Gekommen sind sie seinerzeit mit ihren Eltern. Klassische Gastarbeitergeschichten. 1980 haben die beiden sich kennen gelernt und nur Monate später geheiratet. Mitte März haben sie ihren 45. Hochzeitstag gefeiert. Ihre zwei Kinder sind heute längst erwachsen. „Die sind hier aufgewachsen“, sagt Esma Batman und schaut sich im Imbiss um. Drei Enkelkinder hat sie heute. Für die will sie sich nun mehr Zeit nehmen. „Bevor wir alt und krank werden“, sagt sie.

Die Batmans sagen, dass sie ihre Gäste vermissen werden. Umgekehrt ist es offenbar ähnlich. Manche Träne sei bereits geflossen. Das Lokal wird es jedoch weiterhin geben. Übernehmen wird es eine ebenfalls türkischstämmige Familie, die früher bereits einen Dönerimbiss in Bernhausen führte, sagt Esma Batman. Der Übergabe sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen. „Das Loslassen ist schwer“, bekennt sie. Ihr Mann nickt. „Die Gäste sind wie eine Familie.“