Bau- und Kulturdenkmal Vermeintliche Bausünde wird zum Denkmal

Von Torsten Ströbele 

Staatssekretär Ingo Rust besucht den Ibisweg 17 und 19 und findet lobende Worte für die Wohnanlage.

n den Jahren 1973 und 1974 entstand das Terrassenhaus Schnitz. Foto: Torsten Ströbele
n den Jahren 1973 und 1974 entstand das Terrassenhaus Schnitz. Foto: Torsten Ströbele

Neugereut - Als Vogelkäfighaus, Betonbrutalismus oder Bausünde wurde das Terrassenhaus Schnitz in Neugereut in der Vergangenheit oft verspottet. Doch nun sind die Gebäude Ibisweg 17 und 19 in die Liste der Bau- und Kunstdenkmale aufgenommen worden. Das Terrassenhaus ist eine von sieben Siedlungen und Wohnanlagen, die jüngst vom Referat Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart als Kulturdenkmal auserkoren wurden. Insgesamt hatte die Hochschule für Technik in Stuttgart rund 60 Siedlungen aus den 60er und 70er Jahren seit 2009 auf ihre städtebaulichen, architektonischen und bautechnischen Besonderheiten hin untersucht.

Selbstbestimmtes Wohnen stand im Vordergrund

Vor kurzem wollte sich Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, Ingo Rust, nun ein Bild von Denkmalen in der Region verschaffen und lud an insgesamt vier Tagen zu einer Reise mit Experten ein. Unter anderem machte die Gruppe dann auch Halt am Ibisweg. „Nur direkt vor Ort und am Objekt kann man so viel über die Herausforderungen von Denkmalschutz und Denkmalpflege erfahren, wie heute hier in Neugereut“, sagte Rust. Das Terrassenhaus Schnitz wurde 1973 und 1974 von den Architekten Peter Faller, Hermann Schröder und Claus Schmidt unter der Mitwirkung von Reinhold Layer errichtet. „An der Planung der Anlage wurden von Beginn an die Eigentümer beteiligt, um Wohnziele zu definieren und Spielräume für eine selbstbestimmte Gestaltung der Grundrisse sicherzustellen“, schrieb Simone Meyder vom Landesamt für Denkmalpflege in ihrem Denkmalporträt über das Terrassenhaus Schnitz. Der Entwurf des überdimensionalen „Nur-Dach-Hauses“ in Form eines liegenden, dreiseitigen Prismas sei ein Vorzeigeprojekt für ein neues selbstbestimmtes Wohnen und dadurch beispielhaft für das Werk der Architekten. „Mit einem bis heute unübertroffenen Angebot an privaten Freibereichen und den klar umrissenen Planungsspielräumen ist die Idee des Gemeinschaftswohnhauses sozialbewusst und innovativ zugleich“, sagt Simone Meyder.

Insgesamt seien 21 Wohneinheiten mit einer Größe von 38 bis 153 Quadratmeter konzipiert worden, zu denen immer ein Stück Garten oder eine Terrasse gehöre. Ergänzt würden die individuellen Bereiche durch großzügige Gemeinschaftsräume.

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