Bauarbeiten am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach Die Bahn will Bürgervorschläge umsetzen

Von Georg Friedel 

Am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach wird derzeit wegen Stuttgart 21 kräftig gebaut. Die Bahn hat nun mit Bürgern über mögliche Verbesserungen vor Ort diskutiert.

Die Bahnunterführung  in Höhe der Krupp-/Siemensstraße fällt nach den Umbaumaßnahmen weg. Sie wird  zum Teil mit Beton verfüllt, weil die Schnellbahngleise in diesem Bereich    abgesenkt werden. Foto: Torsten Ströbele
Die Bahnunterführung in Höhe der Krupp-/Siemensstraße fällt nach den Umbaumaßnahmen weg. Sie wird zum Teil mit Beton verfüllt, weil die Schnellbahngleise in diesem Bereich abgesenkt werden. Foto: Torsten Ströbele

Feuerbach - Derzeit wird am Bahnhof Feuerbach gegraben, gebaggert, gebohrt und gebaut. Die Bahnüberführung über die Borsigstraße wurde bereits neu hergestellt, die Fernbahngleise werden abgesenkt, ein neuer Tunnel wird gebohrt und die neue Fußgängerunterführung zwischen Wiener Platz und Siemensstraße soll im kommenden Jahr entstehen.

Was allerdings Bürgern wie Kommunalpolitikern in Feuerbach an den Umbaumaßnahmen im Zuge von Stuttgart 21 gar nicht gefällt, ist der Wegfall einer Fußgängerunterführung. Zudem kritisierten die Feuerbacher, dass die bestehenden Unterquerungen keinen direkten Zugang mehr zu den Bahnsteigen hätten.

Offener Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn

In dieser Angelegenheit wandte sich Ruth Maier in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn. „Mit diesem Schreiben möchten wir Sie über die Planungen der DB informieren und auf die massiven Verschlechterungen hinweisen, die auf die Nutzer der S-Bahn, aber auch für Stadtbahnfahrer, Fußgänger und Radfahrer zukommen“, schlug Maier bereits im August Alarm. Betroffen seien alle diejenigen, die von Feuerbach-West nach Feuerbach-Ost in das Industriegebiet wollen und den Bahnhofsbereich queren. Bisher standen den Fußgängern und Radfahrern drei Passagen zur Verfügung. „Künftig gibt es laut den Planungen der Deutschen Bahn nur noch zwei Unterquerungen“, kritisierte Maier in dem Brief. Die Pendler müssten deshalb täglich einen Umweg mit bis zu 250 Metern in Kauf nehmen, um ihre Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Feuerbach-Ost zu erreichen. Im gleichen Brief listete die Bürgervereinsvorsitzende eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen und Ideen auf, die zum großen Teil in der Arbeitsgruppe „Städtebauliche Entwicklung in Feuerbach“ entwickelt wurden.

Parallel dazu wandte sich die Bürgervereinsvorsitzende an die Betriebsräte der Unternehmen Bosch, Flint Group Germany, Mahle Behr und Akzo Nobel Coatings und machte die dortigen Interessenvertreter der Arbeitnehmer auf den künftigen Missstand aufmerksam. „Einige Betriebsräte haben mir zurückgeschrieben und signalisiert, dass sie meine Initiative unterstützen“, sagt Maier.

Gespräch an einem Tisch

Und auch der OB reagierte: „Erfreulicherweise hat Oberbürgermeister Kuhn den Brief schnell an Alice Kaiser, die städtische Bürgerbeauftragte für Stuttgart 21, weitergegeben“, berichtet Maier. Und diese habe ihrerseits schnell gehandelt und ein Treffen organisiert. Das bestätigt Alice Kaiser. Gemeinsam mit Bezirksvorsteherin Andrea Klöber habe sie die verschiedenen Dialogparteien eingeladen und zum Gespräch an einen Tisch geholt, sagt die Bürgerbeauftragte für S 21. Am 17. September trafen sich sechs Vertreter der Deutschen Bahn mit sechs Vertretern aus dem Stadtbezirk Feuerbach im Büro der S-21-Bürgerbeauftragten. Klöber und Kaiser moderierten: „Das war ein gutes Gespräch“, sagt Maier. Nach Auskunft der Bürgervereinsvorsitzenden hätten die Planer der DB in den vergangenen Wochen geprüft, ob die beiden Aufzüge zu den Bahnsteigen 1 und 2 nicht im Bahnhofsgebäude, sondern stattdessen an anderer Stelle realisierbar seien. Die Bahn will nun offenbar die Liftanlagen in die neu zu bauende Unterführung integrieren, um von dort aus sowohl Gleis 1 wie Gleis 2 barrierefrei zu erschließen. „Diesen Wunsch aus den Reihen der Bürger setzen wir um“, sagt Tunnelbau-Projektingenieur Ludwig Kaschta. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Aufzüge im bestehenden Bahnhofsgebäude zu bauen, aber in der neuen Personenunterführung Wiener Platz/Siemensstraße seien die Aufzüge auf die Bahnsteige ebenso technisch machbar, sagt der DB-Ingenieur auf Nachfrage der Nord-Rundschau.

Ein weiteres Thema bei dem Treffen Mitte September sei die provisorisch gebaute Treppe gewesen, sagt die Bürgervereinsvorsitzende Ruth Maier. Der Auf- und Abgang werde während der Umbauarbeiten extra in der Passage eingerichtet, damit Passanten von der neuen Unterführung zum Bahnsteig 2 gelangen und auch so wieder den Bahnhofsbereich verlassen können. Ob dieses Provisorium zu einem dauerhaft nutzbaren Zugang umgebaut werden könne, wolle die Bahn ebenfalls prüfen, sagt Maier. Auch diese Anregung wird die Bahn aufgreifen: „Die technische Prüfung war in diesem Fall aufwendiger“, sagt Kaschta. Aber die Treppe zum Bahnsteig 2 wird nach Angaben des DB-Ingenieurs nun nicht als Provisorium, sondern dauerhaft realisiert.

Am kommenden Dienstag wird die Bahn die Prüfergebnisse und neuen Planungen den Bezirksbeiräten in Feuerbach präsentieren. Außer Alice Kaiser wird der DB-Projektabschnittsleiter Sebastian Glöckner vor Ort sein und das Gremium über den Sachstand informieren.

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