Der Schulweg verlängert sich derzeit durch die Sperrung der August-Bebel-Straße – manche Eltern sind darüber besorgt. Foto: Kächele/Peter Kneffel/dpa
Wie beeinflusst die Sperrung der August-Bebel-Straße in der Ludwigsburger Weststadt den Schulweg vieler Schülerinnen und Schüler? Die Eltern zeichnen ein gemischtes Bild.
Seit vergangenem Montag benötigen in der Ludwigsburger Weststadt einige Menschen – unter anderem Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums West – deutlich mehr Zeit, um an ihr Ziel zu kommen. Die viergleisige Eisenbahnbrücke in der Nähe der Rundsporthalle hat demnächst ihr Nutzungsende erreicht und muss erneuert werden.
Davor haben die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim an den dort verlaufenden Leitungen gearbeitet. Der Start der voraussichtlich neun Wochen dauernden Sperrung verlief nicht ganz reibungslos. Und auch wenn die anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile überwunden sind, sorgt sich ein Teil der Eltern weiterhin um die Kinder.
Strecke ist nur über lange Umwege erreichbar
„Aus Rückmeldungen der Elternschaft ergibt sich ein recht gemischtes Bild“, sagt Gesamtelternbeirätin Erika Macan. Der Schulweg habe sich für viele Kinder verlängert. Mit dem Fahrrad sei er weiterhin machbar, „zu Fuß wird es an einigen Stellen jedoch eng, da sich Fußgänger und Radfahrer Wege teilen“. Das werde teilweise als unsicher empfunden. Laut Stadt teilen sich derzeit Fußgänger und Radfahrer 2,70 Meter.
Die Kinder einfach mit dem Auto zur Schule zu bringen, ist derzeit auch keine Lösung. „Die Strecke ist aktuell nicht sinnvoll nutzbar beziehungsweise nur über lange Umwege erreichbar“, sagt Macan. Autofahrer werden über die Frankfurter Straße – Heilbronner Straße – Marienstraße – Abelstraße – Asperger Straße – Kurfürstenstraße umgeleitet.
„Viele Eltern hätten es sinnvoll gefunden, die Maßnahmen nacheinander statt parallel umzusetzen.“
Erika Macan, Gesamtelternbeirätin
Zusätzliche Verunsicherung kam auf, weil die Heinrich-Schweitzer-Straße offenbar ohne größere Kommunikation teilweise zur Einbahnstraße wurde, erzählt Macan. „Für radelnde Schülerinnen und Schüler gibt es dadurch kaum praktikable Alternativen.“ In der Praxis würden manche Kinder auf Gehwege ausweichen oder Umwege in Kauf nehmen.
Bürgermeister Sebastian Mannl erklärt, weshalb die Heinrich-Schweitzer-Straße ab dem Parkplatz Rundsporthalle bewusst eine Einbahnstraße für alle Verkehrsteilnehmer ist. „Dadurch, dass wir seit den Baumaßnahmen für das Bildungszentrum West den Busverkehr in die Straße verlegt haben, wollen wir dort keinen Mehrverkehr – ausnahmsweise auch keine Fahrradfahrer entgegen der Einbahnstraße.“ Fahrradfahrer könnten aber über die derzeit besonders ruhige Talallee, die Ernst-Bauer-Straße oder Arndtstraße zum BZW kommen. „Vor Ort stellen wir keine konkreten Gefährdungen für Schüler fest“, sagt Mannl. Wenn man durch das Nadelöhr August-Bebel-Straße durch sei, gebe es derzeit zumindest den einen positiven Nebeneffekt, dass um die Schule weniger los sei.
Viele Schüler steigen auf der anderen Seite des Bahnübergangs aus und laufen den Rest zu Fuß. Foto: Kächele
Insgesamt wird die Situation als unübersichtlich wahrgenommen. „Viele Eltern hätten es sinnvoll gefunden, die Maßnahmen nacheinander statt parallel umzusetzen“, sagt Macan. Sebastian Mannl kann die Sorge der Eltern gut nachvollziehen, plädiert aber auch für Verständnis. „Wir befinden uns dieses Jahr im oberen Level, was die Betroffenheit von Baustellen angeht“, sagt er. „Wir haben das Programm aber schon reduziert, es gab deutlich mehr Anfragen.“ Städtische Baustellen, Baustellen der Stadtwerke und Eisenbahn: Da komme einiges zusammen, „aber wir wollen der nächsten Generation Schülern auch keine kaputte Infrastruktur übergeben“.
Bürgermeister entschuldigt sich für holprigen Start
Im Mobilitätsausschuss vergangenen Donnerstag hat sich Mannl für den holprigen Start der Baustelle entschuldigt. Die Baustelle wurde spät eingerichtet, Schilder fehlten bis zum Mittag, wartende Busse blockierten den Verkehr, weil die Rechtsabbiegerspur noch nicht abgesperrt war. „Eigentlich war die Baustelle gut vorbereitet, unglücklicherweise war die Baufirma am Morgen dann nicht präsent“, sagt er. „Das hat uns alle verärgert.“
Angesprochen auf die fehlende Barrierefreiheit der Ersatz-Bushaltestelle, die im Mobilitätsausschuss von der SPD kritisiert wurde, sagt Mannl: „Barrierefreiheit gibt es bei Baustellen nicht.“ Zumindest aber verschiedene Buslinien, mit denen man die Innenstadt erreiche.
Situation habe sich inzwischen eingespielt
Inzwischen habe sich manches eingespielt, sagt Gesamtelternbeirätin Erika Macan. Viele Kinder würden vor der Brücke aus dem Bus aussteigen und den restlichen Weg zur Schule laufen. Auch geänderte Busverbindungen, etwa aus Neckarweihingen, scheinen sich eingependelt zu haben, „wenn auch nicht immer zuverlässig“.
An einzelnen Punkten bestehen weiterhin konkrete Risiken, sagt Macan. So werde die Ampelsituation am Schillerplatz als verwirrend beschrieben, weil Radfahrer und Fußgänger gleichzeitig Grün haben. Zudem komme es auf Gehwegen, etwa im Bereich von Geschäften oder Lieferzonen, immer wieder zu Engstellen. „Unter dem Strich kommen die Kinder zwar zurecht, aber die aktuelle Lage wird von vielen als unnötig kompliziert und stellenweise problematisch empfunden.“