Bauausstellung in Stuttgart und Region Was wird von der IBA’27 konkret zu sehen sein?

Ein Forschungshochhaus in Stuttgart-Vaihingen steht schon seit Ende 2021 – und war auch Teil des diesjährigen IBA-Festivals. Foto: Universität Stuttgart / Uli Regenscheit

Baukrise, geplatzte Projekte – in der Außenwahrnehmung insbesondere in Stuttgart wird die Internationale Bauausstellung 2027 oft kritisch gesehen. Doch was sagen Ihre Macher? Und was wird zum Ausstellungsjahr wirklich zu sehen sein?

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Schaffen die das überhaupt bis 2027? Das ist die Frage, die den Machern der Internationalen Bauausstellung IBA’27 in der Region Stuttgart immer wieder gestellt wird. Die FDP-Gemeinderatsfraktion in Stuttgart erklärte im Rahmen der Haushaltsberatungen die IBA kurzerhand für tot – weil einige Projekte wie das neue Stöckach oder der Umbau des Züblin-Parkhauses ins Stocken geraten sind.

 

Aber wo steckt die Bauausstellung drei Jahre vor dem Zieldatum 2027? Die aktuelle Krise in der Baubranche hat einiges ins Stocken gebracht, doch es gibt vor allem in der Region eine ganze Reihe von Projekten, bei denen in drei Jahren konkret etwas zu besichtigen sein wird.

Es geht nicht nur um das Wohnen

Dabei geht es nicht in erster Linie um innovative Wohngebäude. „Das ist eine Besonderheit der hiesigen IBA“, sagt der Intendant Andreas Hofer: „Wir haben hier viel weniger einzelne Gebäude, sondern ganze Quartiere zu bauen und zu planen.“ Das führe aber dann auch dazu, dass es 2027 noch viele offene Baustellen gebe: „Vielerorts werden aber einzelne Gebäude stehen.“

Es ist nicht ganz einfach, das genau in Zahlen zu fassen. Denn was nun ins Besichtigungsprogramm kommt, wird erst 2026 final entschieden. Die aktuell auf der Webseite zu findende Liste an 23 IBA-Projekten ist eine Momentaufnahme. Es können immer noch einzelne Vorhaben hinzukommen oder wegfallen. Aber man liegt im geplanten Korridor von 25 Vorhaben.

Dazu kommen noch 104 Projekte aus dem so genannten IBA-Netz. Das sind vorbildliche Konzepte, die aber nicht so intensiv wie die eigentlichen IBA-Projekte betreut werden. Sie müssen auch nicht unbedingt Gebäude umfassen, sondern manchmal auch Teilaspekte, etwa eine innovative Heiztechnologie.

Gefälle zwischen Stuttgart und der Region

Ein direkter Vergleich mit anderen Bauausstellungen sei schwierig, sagt Hofer: „In vielen früheren Bauausstellungen ging es mehr um einzelne Gebäude.“

Dass es dabei ein Gefälle zwischen Stuttgart und der Region gebe, räumt der IBA-Intendant ein: „Die Stadt Stuttgart sagt inzwischen ja selber, dass sie Probleme hat, die Projekte in ihrer Obhut so voranzutreiben, wie es nötig wäre.“ Es fehle schlicht an Erfahrungen und vor allem an Kapazitäten. Und so kommt es, dass es auf dem Stadtgebiet vor allem Vorhaben von genossenschaftlichen Bauträgern gibt.

Etwa 45 konkret sichtbare Projekte dürften es werden

Am Ende, so die Schätzung der Macher, dürfte 2027 an 45 Stellen in der Region etwas zu besichtigen sein. Aber das kann in Einzelfällen wie dem Krankenhausareal in Sindelfingen erst einmal nur ein Modell sein.

Die IBA nennt beispielhaft ein Dutzend Quartiere, bei denen es klare Fortschritte gebe. So sollen etwa im Wendlinger Quartier Neckarspinnerei, einem Vorzeigeprojekt, bei dem es um die komplexe Verknüpfung von Wohnen und Gewerbe geht, zwei bis drei der sechs geplanten Gebäude stehen. Ob Wendlingen, Backnang oder Fellbach: es gibt eine ganze Reihe von Projekten, die sich dieser Kombination annehmen. Und das mache die Planung komplex, sagt er. Genau dadurch steche aber die IBA in einer Wirtschaftsregion in Stuttgart gegenüber anderen Ausstellungen hervor.

Fellbach probt eine planerische Revolution

Ein weiteres Beispiel: das Projekt „Agriculture meets Manufacturing“ (Landwirtschaft trifft Produktion) in Fellbach ist dabei sogar für eine IBA bisher einmalig. Auf der mit Abstand größten Fläche der gesamten Bauausstellung, sollen nicht nur Wohnen und Gewerbe, sondern auch die Landwirtschaft kombiniert werden.

„Ohne die IBA hätten wir uns da niemals heranwagen können“, sagt Ulrich Dilger, Abteilungsleiter für die Stadtentwicklung und IBA Koordinator. „Das war die einzige Möglichkeit, einmal über Dinge nachzudenken, die im Alltagsgeschäft keinen Platz haben.“

Genossenschaftliche Bauträger ziehen mit

Bei den verbliebenen Vorhaben in Stuttgart profitiert man davon, dass genossenschaftliche oder städtische Bauträger in der aktuellen Krise noch am ehesten Kurs halten können. So soll etwa das von der Stuttgarter Wohnungsbaugesellschaft SWSG projektierte Quartier in der Böckinger Straße in Stuttgart-Rot bis zum Jahr 2027 komplett sein. Auch das genossenschaftliche Quartier am Rotweg unter der Obhut der Baugenossenschaften Neues Heim und Zuffenhausen ist auf Kurs, dass bis dahin die zehn Gebäude komplett stehen sollen. Auch das Postareal in Böblingen, die KäpseLE Goldäcker in Leinfelden-Echterdingen sollen bis 2027 komplett stehen.

Bei weiteren Quartiersprojekten sollen bis 2027 zumindest relevante Teilabschnitte fertiggestellt sein – so etwa beim Projekt Wohnen am Fluss in Stuttgart-Untertürkheim.

Auch einzelne spektakuläre Gebäude

Es wird auch auch einzelne, spektakuläre Gebäude geben, wie sie oft mit der Ausstellung verbunden werden, so etwa ein Holzparkhaus in Wendlingen oder ein so genanntes Demonstrator-Hochhaus in Stuttgart, das bereits in Betrieb ist. Mit ihm wird ausprobiert, wie sich Häuser an ihre Umwelt anpassen können, zum Beispiel in dem sie sich aktiv in den Wind lehnen – dadurch kann Material eingespart werden. Außerdem werden unterschiedliche Fassadenelemente getestet. Beim IBA’27-Festival im Sommer 2023 konnte es bereits vorgezeigt werden.

Und auch ein weltweit bekannter Klassiker der Architekturgeschichte, die Weißenhofsiedlung, soll im Rahmen der IBA aufgewertet werden. Im Innenhof der Kunstakademie soll 2027 zur Hundertjahrfeier ein Besucher- und Informationszentrum entstehen. Derzeit läuft das Realisierungsverfahren. Mit einer Entscheidung und Beauftragung könne Mitte 2024 gerechnet werden, sagen die IBA-Macher: „Die Umsetzung bis 2027 ist zwingend und realistisch.“

Das Unfertige zur Tugend machen

An einigen Stellen will die IBA jetzt aus dem Unfertigen eine Tugend machen. In Leonberg beispielsweise, wo gerade ein Kooperationsvertrag zur Aufnahme des Postareals als IBA-Projekt unterzeichnet wurde, werde es beispielsweise mit einem kooperierenden Bauunternehmen möglich sein, auch die Präsentation moderner Bautechnologien zum Ausstellungsthema zu machen. Diese entwickeln sich zurzeit rasant. „Einige Gebäude werden fertig sei – aber bei anderen wird man etwa im Rohbau präsentieren können, wie heute innovativ gebaut wird“, sagt Hofer.

Überblick zu den Projekten in der Region:

IBA-Projekte im Kreis Böblingen

IBA-Projekte im Kreis Esslingen

IBA-Projekte im Kreis Göppingen

IBA-Projekte in Leonberg

IBA-Projekte im Kreis Ludwigsburg

IBA-Projekte im Rems-Murr-Kreis

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