Baubeginn für ein „Jahrhundert-Projekt“: In Waiblingen starten Landkreis und Deutsches Rotes Kreuz ein 39 Millionen Euro teures Großprojekt, das Bürgern in Notfällen und Krisen hilft.
Ein Unfall mit Verletzten, ein Brand oder ein Herzinfarkt – die 112 ist die Nummer für alle Notfälle. Wer sie wählt, landet automatisch in einer Integrierten Leitstelle, deren Beschäftigte rund um die Uhr die benötigte Hilfe organisieren und Einsatzkräfte in Marsch setzen.
In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) ist am Dienstagnachmittag der Startschuss für den lange geplanten Bau einer neuen Leitstelle schräg gegenüber der Rundsporthalle gefallen. In ein zweites neues Gebäude ziehen die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie die DRK-Kreisgeschäftsstelle ein. Voraussichtlich Mitte 2027 ist das Großprojekt für rund 39 Millionen Euro bezugsfertig.
Die gut zweijährige Bauzeit ist der Endspurt nach einer sehr langen, mühseligen Grundstückssuche für diese immens wichtigen Einrichtungen. Der DRK-Kreisverband war zuvor rund 15 Jahre auf der Suche nach einem Bauplatz gewesen, um mit einer neuen Rettungswache samt Leitstelle für die heutigen Anforderungen gerüstet zu sein. Die Einsatzzahlen für den Rettungsdienst seien in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen und somit der Bedarf an Personal- und Fahrzeug-Kapazitäten, erklärte der DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler beim Spatenstich.
Am aktuellen, 1979 gebauten Standort in der Henri-Dunant-Straße, fehlt es dafür an Platz. Zwischendurch hatte das DRK in seiner Not in Erwägung gezogen, die Geschäftsstelle zu sanieren und ein zusätzliches Stockwerk auf die Garagen aufzusetzen. Während der jahrelangen Suche nach einem geeigneten Bauplatz wurden Flächen im Gewerbegebiet Eisental, auf dem Grüninger-Areal und im Technologie- und Zukunftspark Hess beim Bahnhof geprüft – und für nicht geeignet erklärt.
Ehemalige Straßenmeisterei als Bauplatz
Vor gut fünf Jahren kam dann endlich Bewegung ins Projekt: Der Landkreis konnte das Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei, einer Liegenschaft des Landes Baden-Württemberg, kaufen, der DRK-Kreisverband kann das Gelände im Zuge eines Erbpachtvertrags nutzen. Kein Wunder, dass der Landrat und DRK-Präsident Richard Sigel beim Spatenstich von „einem Jahrhundert-Projekt“ sprach und der Begriff „Meilenstein“ mehrmals fiel – Waiblingens Oberbürgermeister Sebastian Wolf würdigte „den mutigen Schritt für eine moderne Notfallversorgung“. Richard Sigel sagte: „Immer dann, wenn es darauf ankommt, steht an dieser Stelle künftig moderne und leistungsfähige Infrastruktur zur Verfügung.“ Der Landkreis und die Krankenkassen tragen dabei 45 Prozent beziehungsweise 55 Prozent der Kosten.
Die neue Integrierte Leitstelle bietet elf vollwertige Abfrageplätze sowie Platz für Partnerleitstellen. Im dreigeschossigen Bau stehen auch Räume für die Arbeit des Führungsstabs der Blaulichtorganisationen zur Verfügung, der in Krisenfällen wie etwa dem Hochwasser im Juni 2024 mit dem Verwaltungsstab des Landkreises arbeitet.
Funkturm für unabhängige Kommunikation
Durch digitale Vernetzungen mit anderen Leitstellen, vor allem mit der Regionalleitstelle Ostwürttemberg in Aalen, erreiche man im Rems-Murr-Kreis künftig ein wesentlich höheres Maß an Ausfallsicherheit, erläuterte der Landrat Richard Sigel. Zudem bestehe die Möglichkeit, sich bei Großschadenslagen gegenseitig zu unterstützen. Im Hinblick auf die jüngsten Stromausfälle in Spanien betonte Sigel, die Integrierte Leitstelle sei auch bei längeren Stromausfällen ohne Einschränkungen einsatzbereit. Ein Funkturm neben der Leitstelle sei notwendig, um eine unabhängige Kommunikationsinfrastruktur sicherzustellen.
DRK-Rettungswache mit viel Platz
Die benachbarte Rettungswache bekommt eine Fahrzeughalle, in der drei Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeuge Platz haben. Sven Knödler sieht die neue Kreisgeschäftsstelle als einen „Ort des Miteinanders“. Auf zwei Geschossen werden Verwaltung, Hausnotruf, Soziale Dienste, ambulante Pflege sowie die Mobilen Dienste Remstal gebündelt. Haupt- und Ehrenamtliche können moderne Lehrsäle, Schulungsräume, Aufenthalts- und Besprechungsbereiche sowie eine kleine Cafeteria nutzen. „Das alles ist ein wichtiger Schritt, um auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte für unser DRK zu gewinnen.“
Bevor die Rettungsfahrzeuge vom neuen DRK-Zentrum an der Rundsporthalle ausrücken können, müssen erst einmal die Lastwagen ran. Laut Christian Siekmann vom DRK werden in den nächsten Wochen insgesamt rund 9000 Kubikmeter Erde abgetragen, was in etwa 750 Lkw-Ladungen entspreche.