Durch den Abriss von Gebäuden ist am Marktplatz in den vergangenen beiden Jahren der Weg für ein neues Rathaus freigemacht worden. Foto: Werner Kuhnle)
Der Gemeinderat in Steinheim (Kreis Ludwigsburg) beschließt, für 23 Millionen Euro einen neuen Verwaltungssitz errichten zu lassen. Die Bagger sollen noch dieses Jahr anrücken.
Christian Kempf
11.03.2026 - 16:00 Uhr
Der eigentlich toughe Bürgermeister Thomas Winterhalter wirkte angefasst. Die Vertreter mehrerer Fraktionen wiesen auf die kaum zu überschätzende Bedeutung der Entscheidung hin, sprachen von „historischen Dimensionen“ und klopften anerkennend auf die Tische. Punkt 19.41 Uhr gab der Steinheimer Gemeinderat am Dienstagabend einmütig grünes Licht dafür, ein neues Rathaus zu bauen. „Das finde ich tatsächlich wild und verrückt“, sagte Winterhalter zu dem Beschluss. Schließlich werde erstmals seit 400 Jahren in der Stadt wieder so ein Votum gefasst.
Bewusst war der Runde, dass mit der Entscheidung auch eine Bürde einhergeht. Rund 23 Millionen Euro muss die Kommune für das Vorhaben in die Hand nehmen. So viel Geld hat die Stadt wahrscheinlich noch nie in ein einzelnes Projekt investiert. Selbst wenn die erhofften fünf Millionen Euro an Zuschüssen fließen, bliebe immer noch ein gewaltiger Restbetrag, der über Kredite gestemmt werden müsste. Allerdings hofft der Gemeinderat, dass sich der Neubau zugleich als Startschuss für die Revitalisierung des ganzen alten Ortskerns entpuppt. Die Stadtmitte solle „wieder zu einem Treffpunkt für alle in der Bevölkerung“ werden, sagte Jürgen Weis (CDU).
Altes Rathaus zu klein und sanierungsbedürftig
Die Rathausmannschaft ist über mehrere Immobilien in der Stadt verteilt, zum Beispiel im NKD-Gebäude. Das soll sich mit dem Neubau ändern. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)
Timo Renz (Freie Wähler) gab zudem zu bedenken, dass vor gar nicht allzu langer Zeit ganz andere Summen im Raum standen und die Kosten inzwischen um rund zehn Millionen Euro hätten gedrückt werden können. Es bestehe auch keine „sinnvolle, zweckmäßige andere Alternative“, ergänzte Michael Uhl (SPD).
An Letzteres hatte auch der Bürgermeister mehrfach erinnert. Das alte Rathaus mit einem Sockel aus dem Jahr 1580 ist ein akuter Sanierungsfall, wäre aber selbst nach einer aufwändigen Generalüberholung zu klein. Das Team der Stadtverwaltung ist derzeit über vier Standorte verteilt. Im neuen Rathaus, das direkt gegenüber und wiederum am Marktplatz entstehen soll, könnten alle 65 Mitarbeitenden Büros beziehen. Der Gemeinderat wird dort auch tagen können. Momentan kommt das Gremium im Bürgersaal zusammen, der sich in einer Immobilie befindet, die über eine Wohnungseigentümergemeinschaft verwaltet wird. Heißt: die Stadt kann hier nicht frei agieren.
Der Bauantrag für das neue Rathaus soll schon in den nächsten Wochen eingereicht werden. „Die Genehmigung wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen“, prognostiziert Thomas Winterhalter. Man hoffe aber zumindest auf eine Eilfreigabe für die Gründungsarbeiten. Das Gelände liege im Schwemmland zwischen Murr und Bottwar. Das Gebäude müsse deshalb auf 65 Pfähle gestellt werden. Ein Arbeitsschritt, der mehrere Monate dauere. Folglich würde sich die Stadt wünschen, spätestens im Oktober damit beginnen zu dürfen. Der Hochbau soll Anfang 2027 starten, im Oktober 2028 die Eröffnung gefeiert werden.
Was dann mit dem alten Rathaus passiert, ist unklar. Der Freie-Wähler-Chef Timo Renz widersprach jedoch Gerüchten, wonach das Fachwerkhaus veräußert oder abgerissen werde. „Es wird im Eigentum der Stadt bleiben und einer Nutzung zugeführt werden müssen“, erklärte er.
Diskussion um autofreien Marktplatz wird kommen
Timo Renz von den Freien Wählern stellte klar, dass das alte Rathaus nicht abgerissen wird. Foto: Archiv (privat)
Fest steht überdies, dass mit dem Rathausneubau auch der Marktplatz umgestaltet wird. Er soll grüner werden. Man will mehr Flächen als bisher vorgesehen entsiegeln. Zur Ortsdurchfahrt hin ist zum Beispiel ein bepflanzter Streifen angedacht, der auch als Barriere und Schutz bei Veranstaltungen auf dem Gelände dienen soll. Rainer Breimaier (Die Grünen) sieht in Sachen Begrünung und Aufenthaltsqualität aber noch Luft nach oben. „Da muss noch mehr Schatten rein“, findet er. Zudem müsse der Marktplatz verkehrsfrei sein.
Ob die am Marktplatz vorbeiführende Badtorstraße nach Abschluss aller Bauarbeiten tatsächlich für Autos, Traktoren und Co. gesperrt wird, muss die Zukunft zeigen. Das sei noch zu diskutieren, sagt der Bürgermeister.