Bauboom in Kornwestheim Lurchis alte Heimat

Von Werner Waldner 

Seine einstige Wirkungsstätte würde Lurchi nicht wiedererkennen. Als das verbliebene knappe Dutzend Salamander-Beschäftigter im Jahre 2008 zunächst nach Offenbach, später ins rheinische Langenfeld zog, da stand der Großteil der einstigen Produktionsflächen leer. Diverse Unternehmen waren daran gescheitert, das Areal zu vermarkten – weil ihnen der lange Atem fehlte oder weil sie nicht die passenden Kontakte hatten. Dieses Kunststück gelang der Immovation AG, die im Dezember 2009 das Gebäude und das Grundstück erworben hat. Der Unterschrift beim Notar, berichtet der Immovation-Vorstand Lars Bergmann, seien intensive Analysen vorausgegangen. Dass das Immobilienunternehmen aus Kassel letztlich das Wagnis einging, das 90 000 Quadratmeter große Areal mit dem über die Stadtgrenzen hinaus bekannten 100-Meter-Bau zu kaufen, hängt auch mit der Vergangenheit zusammen. Mit der Marke Salamander und der Figur Lurchi verbänden viele Menschen eine positive Geschichte. „Diese Bekanntheit weit über die Grenzen Kornwestheims hinaus hat sicherlich dazu beigetragen, potenzielle Mieter für das Areal zu begeistern“, sagt Bergmann.

Salamander heute – das sind 70 Loftwohnungen, Einzelhandelsgeschäfte vom Küchenstudio bis zum Hemdenladen, ein Fitness-Studio. Das Grundbuchzentralarchiv des Landes Baden-Württemberg hat – es war ein entscheidender Schritt für die Entwicklung des Areals – 19 000 Quadratmeter angemietet. Natürlich, sagt Bürgermeister Dietmar Allgaier, habe die Stadt den Investor bei der Mietersuche unterstützt. Was ihn besonders freut: „Wir haben wieder eine Wertschöpfung aus dem Salamander-Areal.“ Ein Supermarkt und Seniorenwohnungen sind noch geplant, mit dem Bau einer Kindertagesstätte ist bereits begonnen worden. Ende 2016 will Immovation sein Bauvorhaben abgeschlossen haben.

Dass sich dieses industriegeschichtliche Denkmal nicht direkt in der Landeshauptstadt befindet, sondern in der vergleichsweise kleinen Nachbarkommune, sieht Lars Bergmann eher als Vorteil: „Sogenannte B-Standorte wie Kornwestheim, die an der Peripherie städtischer Zentren liegen, verfügen aufgrund der aktuellen Preisentwicklung bei Immobilien häufig über ein höheres Renditepotenzial.“ Immobilien in den Zentren ermöglichten zwar höhere Mieten, die Kosten für einen Kauf seien im Verhältnis jedoch wesentlich höher. „Das schmälert die Rendite erheblich“, sagt Lars Bergmann.

Die Gleise stören das Stadtbild noch

Bleibt der Bahnhof. Aber den hat Oberbürgermeisterin Ursula Keck auch schon ins Visier genommen. Bei der Deutschen Bahn hat sie vorgefühlt, ob die Gleisflächen, die sich mitten durch das Stadtgebiet ziehen, nicht reduziert werden können. Und ob man die noch notwendigen Gleise nicht so weit wie möglich tiefer legen und anschließend überdeckeln könne.

Stellen wir uns also vor, Lurchi kommt in zehn, 20 Jahren noch einmal nach Kornwestheim. Und wieder steht er da mit seinem Köfferle. Wenn alles wie geplant und erhofft läuft, dann eilen Geschäftsreisende zu einem Kongress im K, Kindergruppen pilgern lärmend zu Ravo, und ein begrünter Deckel verbindet die Innenstadt mit dem quirligen Salamanderareal. So hätten sie es gerne in Kornwestheim – und derzeit lassen sie nichts unversucht, diese Ziele zu erreichen.