Baubranche Baden-Württemberg Der Absturz am Bau ist nicht gestoppt

Dunkle Perspektive: Der Bau erholt sich bisher nicht. Foto: dpa/Jan Woitas

Auch 2025 wird für die Baubranche in Baden-Württemberg ein hartes Jahr. Hoffnung macht ein Stückweit die Politik : Sie habe mit dem Gegensteuern begonnen.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Es geht immer noch weiter abwärts. Diese düstere Bilanz hat die Baubranche in Baden-Württemberg für das vergangene Jahr gezogen. Und auch der Ausblick für 2025 ist weiterhin negativ. Der größte Schwachpunkt bleibt der Wohnungsbau. Nach einem Umsatzminus von 12,6 Prozent für den Zeitraum Januar bis November 2024 rechnen die Bauunternehmen in Südwesten aktuell mit einem weiteren, kräftigen Umsatzminus. Die Aufträge für 2025 sind aktuell trotz des Wohnungsmangels erneut um 5,5 Prozent rückläufig. „Wir würden ihnen gerne etwas besseres erzählen, aber eine Trendwende ist nicht in Sicht“, sagt Markus Böll, Präsident des Verbandes der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

 

Verfall der Infrastruktur geht weiter

Auch der Wirtschaftsbau mit einem Umsatzplus von nur noch 1,1 Prozent beginne konjunkturbedingt zu schwächeln. Und mit einem Umsatzwachstum von 3,1 Prozent im öffentlichen Bau hechele der Staat dem fortschreitenden Verfall seiner Infrastruktur hinterher.

„Statt zehn Brücken im Jahr müssten wir hundert sanieren“, sagt die für den Tiefbau zuständige Vizepräsidentin des Verbandes, Sabine Schmucker. Mindestens müsse der Sanierungsetat für Brücken und Landesstraßen von aktuell 184 Millionen Euro im Jahr im baden-württembergischen Haushalt verdoppelt werden, um wenigstens den weiteren Verfall zu stoppen: „Sonst droht in den nächsten zehn Jahren 1700 Brücken an Bundes- und Landesstraßen in Baden-Württemberg die Sperrung.“

Immer mehr Betriebsaufgaben

Die um etwa ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Insolvenzzahlen kaschieren nach Ansicht des Branchenverbands sogar noch die Krise. Denn insbesondere mittelständische Betriebe haben einerseits mit der Auftragsflaute zu kämpfen, wissen aber andererseits auch nicht, wo sie künftig Fachkräfte herbekommen sollen. Das Ergebnis: Betriebe werden endgültig geschlossen. Nachdem in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen Jobs am Bau gefunden haben, ist 2024 die Zahl der Beschäftigten um 0,4 Prozent leicht zurückgegangen.

Seit drei Jahren zeichnet die Branche nun die Lage in dunklen Farben – und fordert vor allem weniger Vorschriften und weniger Bürokratie. Der aktuelle, leichte Rückgang der Bauzinsen reiche beileibe nicht für eine Trendwende, sagt Verbandspräsident Böll. Um ein Viertel müsse man die Baukosten beispielsweise durch einfachere Standards senken, wenn Wohnen wieder bezahlbar werden solle, sagt er: „Wir müssen da auch in unserer Gesellschaft herunter von einer gewissen Vollkasko-Mentalität.“

Braucht der Staat neue Finanzierungswege?

Eine künftige Bundesregierung müsse neue Wege bei der Finanzierung ihrer Aufgaben gehen, fordern die Bauunternehmen. Dazu gehöre die Lockerung der Schuldenbremse, sagt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Bauwirtschaft.: „Es kommt doch darauf an, was für Schulden sie aufnehmen: Kein Häuslebauer finanziert sein Haus allein aus eigenen Mitteln.“ Ähnliches gelte für eine Pkw-Maut: „Wir haben sie vor einigen Jahren nicht hinbekommen. Vielleicht sollten wir uns einfach bei unseren Nachbarländern umschauen, wie das anderswo gelöst ist?“

Die Finanzierung der Infrastruktur müsse so gut es geht aus dem jährlichen Haushaltsstreit herausgehalten werden, sagt Sabine Schmucker: „Es braucht einen Infrastrukturfonds, der zum Beispiel durch die Mineralölsteuer und die Kfz-Steuer gespeist werden könnte.“ Auch privates Kapital könne in einen solchen Fonds einzahlen. Man müsse jedenfalls für ganz neue Konzepte offen sein.

Lob für die Landespolitik

Den grassierenden Politikverdruss will die Baubranche im Land aber nicht befeuern. Sowohl die CDU als auch die Grünen in der Landesregierung hätten auf die Krise reagiert, sagt Möller. So habe die CDU-Bauministerin Nicole Razavi mit einem vereinfachten Baugenehmigungsverfahren und der Digitalisierung der Bauämter wichtige Schritte gemacht.

Auch der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann habe nach dem Einsturz der Dresdener Carolabrücke mit einem dringenden Sanierungsprogramm für baugleiche Brücken im Land rasch gegengesteuert und auch dafür gesorgt, dass insgesamt der Sanierungsetat aufgestockt und Planungsverfahren gestrafft wurden. „Der Minister hat das Problem nicht nur verstanden, er kämpft auch für eine Lösung“, sagt Möller. Die Politik habe prinzipiell den Schuss gehört hat – es komme jetzt aber darauf an, das auch umzusetzen.

Am trüben Ausblick für die Baubranche lasse sich wegen der Planungs- und Vorlaufzeit für das aktuelle Jahr allerdings nichts mehr ändern, sagt Verbandspräsident Böll. Im Augenblick sorgen die Politik und der Bundestagswahlkampf für eine Hängepartie, alle warteten ab: „Einen Lichtblick sehe ich deshalb frühestens 2026.“

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